Streng geheime Übung – Nato trainiert den Atomkrieg, China dementiert Test von Hyperschall-Waffe

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Streng geheime ÜbungNato trainiert den Atomkrieg, China dementiert Test von Hyperschall-Waffe

Details zu der Übung «Steadfast Noon» sind streng geheim – doch Flugbewegungen geben Hinweise darauf, wo in diesem Jahr einer der wichtigsten Schauplätze liegen könnte.

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Die sogenannte nukleare Teilhabe der Nato sieht vor, dass in Europa stationierte US-Atomwaffen  im Ernstfall auch von Flugzeugen von Partnerstaaten abgeworfen werden (Symbolbild).

Die sogenannte nukleare Teilhabe der Nato sieht vor, dass in Europa stationierte US-Atomwaffen im Ernstfall auch von Flugzeugen von Partnerstaaten abgeworfen werden (Symbolbild).

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Ein Tornado-Kampfflugzeug der deutschen Bundeswehr auf dem Fliegerhorst Büchel. Unbestätigten Angaben zufolge sollen die USA dort Atomwaffen lagern.

Ein Tornado-Kampfflugzeug der deutschen Bundeswehr auf dem Fliegerhorst Büchel. Unbestätigten Angaben zufolge sollen die USA dort Atomwaffen lagern.

dpa
Das Militärbündnis trainiert regelmässig im Oktober den Ernstfall (Symbolbild).

Das Militärbündnis trainiert regelmässig im Oktober den Ernstfall (Symbolbild).

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Darum gehts

  • Die Nato-Bündnispartner üben regelmässig im Oktober den Ernstfall.

  • Die Sicherheitslage in Europa habe sich laut Nato-Angaben «verschlechtert».

  • Erst am Samstag soll China eine nuklearfähige Hyperschallrakete getestet haben.

  • In den USA werden Stimmen laut, man könne einen «Neuen Kalten Krieg» gegen China verlieren.

Schauplatz der Übung ist in diesem Jahr den offiziellen Angaben zufolge der Luftraum über dem südlichen Bündnisgebiet. Demnach könnte der Einsatz von taktischen US-Atomwaffen vom Typ B61 trainiert werden, die nach offiziell unbestätigten Angaben auf dem Militärflugplatz Ghedi in Norditalien lagern. Nach Flugdatenauswertungen des Nuklearwaffenexperten Hans Kristensen landete in Ghedi am Montag unter anderem ein deutsches Tornado-Kampfflugzeug.

Die sogenannte nukleare Teilhabe der Nato sieht vor, dass in Europa stationierte Atomwaffen der USA im Ernstfall auch von Flugzeugen von Partnerstaaten abgeworfen werden und dann zum Beispiel gegnerische Streitkräfte ausschalten. US-Atomwaffen sollen offiziell unbestätigten Angaben zufolge auch in Belgien, der Türkei sowie in den Niederlanden und in Deutschland lagern.

«Verschlechterung des Sicherheitsumfelds in Europa»

Die Nato wollte sich am Montag nicht zu den genauen Übungsorten und anderen Details äussern. In der Mitteilung wurde lediglich auf die jüngste Gipfelerklärung verwiesen. In ihr heisst es: «Angesichts der Verschlechterung des Sicherheitsumfelds in Europa ist ein glaubwürdiges und geeintes nukleares Bündnis von entscheidender Bedeutung.» Zugleich wurde betont, dass die Nato nach dem Ende des Kalten Krieges die Zahl der in Europa stationierten Kernwaffen drastisch reduziert habe.

Gefahr eines Atomwaffenkriegs hat zugenommen

Die Gefahr eines auch mit Atomwaffen geführten Krieges gilt derzeit als deutlich höher als in den vergangen drei Jahrzehnten. Grund ist vor allem das Ende des INF-Vertrags zum Verzicht auf landgestützte, atomwaffenfähige Mittelstreckensysteme.

Die USA hatten das Abkommen im Sommer 2019 mit Rückendeckung der Nato-Partner aufgelöst, weil sie davon ausgehen, dass Russland es seit Jahren mit einem Mittelstreckensystem namens 9M729 (Nato-Code: SSC-8) verletzt.

Militärexperten und -expertinnen rechnen damit, dass es nun zu einem neuen Rüstungswettlauf kommen könnte. Die USA arbeiten so bereits an einem neuen mobilen, bodengestützten Mittelstreckensystem, das in Zeiten des INF-Vertrags illegal gewesen wäre. Es soll nach derzeitiger Planung ausschliesslich konventionelle – das heisst nicht atomare – Sprengköpfe transportieren. Ob es dabei bleibt, ist allerdings unklar.

Hat China eine Hyperschallwaffe getestet?

Die «Financial Times» hatte jüngst unter Berufung auf fünf anonyme Quellen berichtet, China habe eine Hyperschallwaffe getestet. Die Rakete sei bei niedriger Umlaufbahn einmal um den Globus gekreist, ehe sie das anvisierte Ziel um etwa 15 Kilometer verfehlt habe. Es wurde als Beleg gewertet, dass Chinas Militär mit seinem Hyperschallwaffenprogramm weit fortgeschrittener sei, als US-Geheimdienste bisher angenommen hatten.

Hyperschallwaffen sind besonders schwer abzufangen, da sie mehr als die fünffache Schallgeschwindigkeit erreichen können. Derzeit arbeiten sowohl die USA als auch Russland an Hyperschallraketen. Auch Nordkorea hat im September nach eigenem Bekunden eine Hyperschallrakete getestet.

Peking dementiert

China hat den Medienberichten am Montag widersprochen. Es habe sich um einen Routinetest für «wiederverwendbare Raumfahrttechnik» gehandelt, sagte Zhao Lijian, Sprecher des Aussenministeriums, vor Journalisten. Es habe sich um eine Raumfahrttechnologie gehandelt, die eine «bequeme und billige Möglichkeit» für die Menschen sein könnte, «den Weltraum für friedliche Zwecke zu nutzen».

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(DPA/job)

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