Bodenseeregion  – Naturteich umgebaut – nun wollen die Kröten im Swimmingpool laichen
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Bodenseeregion Naturteich umgebaut – nun wollen die Kröten im Swimmingpool laichen

Seit einigen Tagen hat eine Ostschweizer Familie eine Amphibienwanderung im Garten. Diese wollen zum Teich, wo sie auf die Welt kamen, zurück. Doch dieser Teich ist nun ein Pool.

von
Marion Alder
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Seit einigen Tagen treffen bei einer Ostschweizer Familie täglich zehn bis 15 Kröten ein.

Seit einigen Tagen treffen bei einer Ostschweizer Familie täglich zehn bis 15 Kröten ein.

Privat
Diese machen sich bei Dämmerung auf den Weg zu ihrem Pool, der im Garten steht. 

Diese machen sich bei Dämmerung auf den Weg zu ihrem Pool, der im Garten steht. 

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Letztes Jahr war es noch ein Naturteich, der nun in einen normalen Pool umgewandelt wurde.

Letztes Jahr war es noch ein Naturteich, der nun in einen normalen Pool umgewandelt wurde.

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Darum gehts 

  • Eine Ostschweizer Familie bekommt seit Tagen tierischen Besuch. 

  • Kröten, die vermutlich im letzten Jahr im Naturteich im Garten zur Welt gekommen sind, suchen den Weg dahin zurück. 

  • Das Problem: Der Naturteich wurde durch einen normalen Swimmingpool ersetzt. 

  • Über mehrere Jahre kehren die Amphibien zu ihrer Geburtsstätte zurück, sagt ein Experte.

In einem Ostschweizer Garten, in der Nähe vom Bodensee, stand bis vor kurzem noch ein Naturteich mit Fischen und Amphibien. Dieser wurde jedoch zu einem gewöhnlichen Swimmingpool umgebaut.

Seit es wieder regnet, tauchen nun Amphibien auf, die in den Pool steigen wollen. «Fast jeden Abend kommen ungefähr zehn bis 15 Kröten bei Dämmerung zum Pool», sagt eine Ostschweizerin, die anonym bleiben will. Sie wisse nicht recht, was sie machen soll, denn jetzt wollen die Amphibien im Pool laichen. «Wir sind Tierfreunde, wollen die Kröten aber nicht bei uns im Pool haben», sagt sie. 

Sie vermuten, dass es sich um Tiere handelt, die letztes Jahr bei ihnen im Teich zur Welt gekommen sind. Bis jetzt haben sie die Amphibien immer aufgesammelt und zu einem grossen Naturteich oder zu einem Bach am Waldrand in der Nähe gebracht. «Wir sind uns nicht sicher, ob wir das Richtige tun», sagt sie. 

Hartnäckige Rückkehrer

Laut einem Experten gäbe es zu diesem Problem keine einfache Lösung. «Die meisten Amphibien kommen über mehrere Jahre immer wieder zum Teich zurück, wo sie aufgewachsen sind», sagt Biologe Jonas Barandun zu 20 Minuten.

Man könne die Tiere in ein nahe gelegenes Gewässer bringen, müsse aber damit rechnen, dass sie wieder zurückkommen. «Erfahrungsgemäss ist es fast nicht möglich, dass sie nicht zurückkehren werden», sagt Barandun. Man könne auch einen kleinen Plastikzaun um den Pool aufstellen. Es habe aber oftmals trotzdem Tiere in einem eingezäunten Gewässer. «Amphibien, die irgendwo hinein wollen, werden alles tun, um einen Weg zu finden.»

Pool mit den Amphibien teilen

Amphibien müssen sich vermehren und müssen daher in einem Gewässer ihre Eier ablegen. «Wenn sie das nicht können, sterben sie», so Barandun. Im Normalfall laichen Amphibien im Verlaufe des März. Dieses Jahr habe sich aber alles aufgrund der Trockenheit verzögert. «Das Ablegen der Eier wird aber in den nächsten Tagen passieren.» Wenn man die Amphibien also noch einige Tage davon abhalten könne, ihre Eier in den Pool zu legen, hätte man es geschafft – zumindest für diesen Frühling. 

Eine weitere Möglichkeit ist, dass man den Pool auch für Amphibien verwendbar machen kann. Die Tiere könnten sich im Frühjahr vermehren und würden voraussichtlich im Laufe des Juni aus dem Wasser kommen. So hätte man im Frühling etwas für die Tierwelt getan und kann dann im Sommer den Pool geniessen.  

Du weisst von einem Tier in Not?

Hier findest du Hilfe:

Feuerwehr, Tel. 118 (Tierrettung)

Polizei, Tel. 117 (bei Wildtieren)

Tierrettungsdienst, Tel. 044 211 22 22 (bei Notfällen)

Schweizerische Tiermeldezentrale, wenn ein Tier entlaufen/zugelaufen ist

Stiftung für das Tier im Recht, für rechtliche Fragen

GTRD, Grosstier-Rettungsdienst, Tel.  079 700 70 70 (Notruf)

Schweizerische Vogelwarte Sempach, für Fragen zu Wildvögeln, Tel. 041 462 97 00


Tierquälerei:

Meldung beim kantonalen Veterinäramt oder beim Schweizer Tierschutz (anonym möglich)

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