Krawall-Party in Bern: Nause fordert Eingreifen des Bundes
Aktualisiert

Krawall-Party in BernNause fordert Eingreifen des Bundes

Mit Wasserwerfern und Tränengas ging die Polizei gegen eine Demo von Linksaktivisten vor. Sicherheitsdirektor Reto Nause fordert, dass der Bund eingreift.

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nc/sda
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Ausschreitungen am 22. Mai 2016 in Bern: Ein umgestürzter und brennender Container, der laut einem Leserreporter bei der Effingerstrasse lag.

Ausschreitungen am 22. Mai 2016 in Bern: Ein umgestürzter und brennender Container, der laut einem Leserreporter bei der Effingerstrasse lag.

Leser-Reporter
Barrikaden und Geröll, laut Leserreporter in der Effingerstrasse in Bern.

Barrikaden und Geröll, laut Leserreporter in der Effingerstrasse in Bern.

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Die der Demonstration vorangehende Party soll für Flüchtlinge gewesen sein.

Die der Demonstration vorangehende Party soll für Flüchtlinge gewesen sein.

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In der Stadt Bern ist es in der Nacht auf Sonntag zu gewalttätigen Ausschreitungen und Sachbeschädigungen gekommen. Nach einer Party auf dem Gelände der ehemaligen Kehrichtverwertungsanlage Warmbächliweg bildete sich ein Demonstrationszug.

Berns Sicherheitsdirektor Reto Nause kritisierte den Umzug scharf. «Es handelte sich um organisierte, gewaltextremistische Kriminelle», sagte er auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Zum wiederholten Mal hätten Demonstranten mit «ungeahnter Brutalität» agiert und neben Polizisten auch Feuerwehrleute angegriffen.

Nause betonte auch, dass es sich keineswegs um ein «Berner Phänomen» handle. «In letzter Zeit gab es ähnliche Vorfälle in Zürich und Basel.» Er sei deshalb der Meinung, dass sich der Bund «und insbesondere der Bundesnachrichtendienst» dieser Problematik annehmen müsse. Zudem seien die rechtlichen Voraussetzungen zu schaffen, damit die Polizei von sämtlichen adäquaten Fahndungsinstrumenten Gebrauch machen könne. «Momentan sind etwa die Hürden für Telefonüberwachungen zu hoch.»

Vermummte kontrollierten Eingänge

Die Kantonspolizei Bern erhielt am späten Samstagabend eine Meldung zu einer Party am Warmbächliweg, wie Kapo-Sprecherin Regina Aeberli sagt. Unbekannte hätten sich Zugang zum Gelände verschafft, die Eingänge wurden durch vermummte und mit Funkgeräten ausgerüstete Personen kontrolliert. Auf dem Gelände befanden sich gemäss Kapo zu diesem Zeitpunkt mehrere hundert Personen. «Vor Mitternacht hat sich dann ein gewaltbereiter Umzug in Richtung Innenstadt bewegt.»

Feuerwehrleute mit Steinen beworfen

Dabei seien zahlreiche Sachbeschädigungen verübt worden. Es wurden Scheiben eingeschlagen und Sprayereien verübt. «Bei der Kantonspolizei gingen zahlreiche Anrufe von eingeschüchterten und besorgten Personen ein. Darunter auch aus dem Frauenspital, welches ebenfalls betroffen war, sowie einem Altersheim», schreibt die Kapo weiter. Auch seien Feuerwehrleute mit Steinen beworfen worden. Ein Stein durchschlug die Beifahrerscheibe eines Autos und traf einen der Fahrzeuginsassen.

«Wir haben ein Vordringen in die Innenstadt verhindern können», sagt Aeberli weiter. Beim Bühlplatz sei es gelungen, den Umzug zu stoppen. Dabei wurden ein Wasserwerfer, Reizstoff und Gummischrot eingesetzt. Daraufhin hätte sich die Gruppe aufgeteilt. Einige der Krawallmacher versuchten später noch einmal, in die Innenstadt weiterzuziehen, konnte aber von der Kapo aufgehalten werden.

Offenbar haben Teilenehmer daraufhin zur Reitschule zurückgezogen. Dies heisst es auf der Internetseite linksunten.indymedia.org.

Erlös für besetzte Häuser in Athen

Im Vorfeld des Umzugs wurde auf Facebook zur «Interplanetar – Kosmosolidarisches Fest mit Überraschungen» aufgerufen. Der Veranstaltungsort – das Warmbächli-Areal – wurde erst kurz vor Beginn der Veranstaltung mitgeteilt. Die Anarchistische Gruppe Bern hat am frühen Sonntagmorgen auf ihrer Facebook-Seite eine Stellungnahme zu Fest und Umzug publiziert. Demnach sollen der Erlös der Party an «besetzte Häuser in Athen» fliessen. In der Meldung wird der Umzug als «ausdrucksstark» bezeichnet.

Hinter die Demonstranten stellte sich am Sonntag die Juso Stadt Bern. In einer Mitteilung kritisierte die Partei den «unverhältnismässigen und brutalen Polizeieinsatz». Die Ursache der Ausschreitungen sieht die Juso in «fehlenden Freiräumen».

«Tür wurde aufgebrochen»

Wenig Freude an der Party hatte auch der Verein Warmbächlibrache, der derzeit das Areal zwischennutzt. «Der Verein war nicht darüber informiert worden. Mehrere Vereinsmitglieder versuchten die Organisatoren ausfindig zu machen und mit ihnen zu sprechen, was sich aber als wenig erfolgreich herausstellte», schreibt ein Vereinsmitglied an 20 Minuten. «Die Tür zum Lagerraum war aufgebrochen und eine Bühne installiert worden. In dem Raum befanden sich Materialien des Vereinsvorstandes und vor allem der grosse Bus, der als Bar aufgestellt werden soll.» Der Bus sei beschädigt worden. Doch damit nicht genug: Einiges an Material sei gestohlen worden, die Partymacher hinterliessen eine Müllhalde. Der Verein muss nun am Sonntag den Dreck beseitigen. Auf welchen Kosten er sitzen bleibt, ist noch unklar.

Polizei hat mehrere Personen angehalten

Die Polizei hat laut Mitteilung im Zusammenhang mit den Ereignissen «mehrere Personen zur Kontrolle angehalten». Weitere Anhaltungen seien aber unter anderem aufgrund der hohen Gewaltbereitschaft nicht möglich gewesen.

Die Ermittlungen zu den Verursachern der Sachbeschädigungen und die Spurenauswertungen seien noch im Gange, heisst es in der Mitteilung der Polizei weiter. Die Höhe des verursachten Sachschadens ist noch Gegenstand von Abklärungen. Nause rechnet mit einem Schaden «im sechsstelligen Bereich».

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