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NordirakNavy Seal stirbt im Kampf gegen den IS

Die IS-Miliz hat nördlich ihrer Hochburg Mossul mehrere Kurden-Stellungen angegriffen. Bei einem Mörserangriff starb auch Charlie Keating von der US-Spezialeinheit der Navy Seals.

von
gux

Es sei die grösste Offensive der Extremisten seit Monaten gewesen, sagte der Generalsekretär der kurdischen Peschmerga-Einheiten, Dschabbar Jawar: Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS)überrannte am frühen Dienstagmorgen Stellungen der Peshmerga und der christlichen Verteidigungskräfte von Ninewe nördlich von Mosul. «Sie setzten sehr viele Selbstmordattentäter und Bulldozer ein, so dass wir uns zunächst zurückziehen mussten», sagt ein Peshmerga zu 20 Minuten.

Vorübergehend besetzten die radikalen Islamisten den Ort Tel Askof, rund 20 Kilometer nördlich von Mosul. Militärkreisen zufolge wurden IS-Angriffe auch aus Gebieten rund 40 Kilometer westlich von Erbil gemeldet, der Hauptstadt der Autonomen Region Kurdistan im Irak.

Berater und Sniper-Ausbildner

Erst mit Hilfe von Luftangriffen der US-geführten Anti-IS-Koalition wurden die Angreifer zurückgedrängt. US-Verteidigungsminister Ashton Carter sagte vor Journalisten in Stuttgart, ein Angehöriger der US-Streitkräfte sei bei Kämpfen in der Nähe von Erbil getötet worden. Charles Keating (31) von der US-Spezialeinheit Navy Seals war als Berater der kurdischen Streitkräfte tätig. Das heisst, er dürfte im Irak Ähnliches unterrichtet haben, wie in seiner Heimat: Keating bildete Scharfschützen auf einer Militärbasis nahe San Diego aus. Die Umstände, wie Keating ums Leben kam, sind nicht restlos geklärt. «Meines Wissens traf eine Mörserrakete des IS sein Auto etwa drei Kilometer hinter der Front», so ein Angehöriger der Peshmerga zu 20 Minuten.

In Keatings Heimat Arizona ordnete Gouverneur Doug Ducey an, die Flaggen im ganzen Bundesstaat auf Halbmast zu setzen. «Der Tod von Charlie Keatig erinnert uns auf tragische Weise an die Opfer, die unsere Frauen und Männer in Uniform jeden Tag erbringen – sie bekämpfen das Böse und den Extremismus an der Front, um Freiheit und Demokratie zu Hause und in der ganzen Welt zu schützen.» Keating ist der dritte US-Militärangehörige, der ums Leben kam, seit die USA den Kampf gegen den IS 2014 aufgenommen haben.

Eine Antwort des IS auf Mosul-Offensive

In der Regel gelingt es den IS-Kämpfern immer seltener, die Linien der Peshmerga zu durchbrechen. Mittlerweile sind die Extremisten im Norden und Westen des Irak zunehmend in die Defensive. Die breit angelegten Angriffe sind als Reaktion auf die irakische Armeeoffensive auf die IS-Hochburg Mosul zu sehen, die vor fast zwei Jahren eingenommen wurde.

Die IS-Offensive könnte nach Befürchtung der Vereinten Nationen Zehntausende Menschen in die Flucht treiben. Das UNO-Flüchtlingshilfswerk UNHCR bezifferte die Zahl der für die kommenden Wochen erwarteten Flüchtlinge am Dienstag auf bis zu 30'000, sollte die gegenwärtige Offensive anhalten. Seine Schätzung stützte das UNHCR auf die Beobachtung, dass seit Beginn der Offensive im März verstärkt Zivilisten aus der Kampfregion geflohen sind.

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