Aktualisiert 26.08.2012 20:23

«No easy day»Navy Seals verärgert über Osama-«Verräter»

Das angekündigte Enthüllungsbuch über die Tötung von Osama Bin Laden sorgt in den USA für Wirbel. Autor ist ein ehemaliger Navy Seal. Spekuliert wird über politische Motive.

von
pbl

Er war dabei, als Al-Kaida-Chef Osama Bin Laden in der Nacht zum 2. Mai 2011 von US-Soldaten getötet wurde. Jetzt hat ein Veteran des Spezialkommandos Navy Seals ein Enthüllungsbuch über die dramatischen Stunden in Abbottabad geschrieben. Das Buch mit dem Titel «No easy day» («Kein einfacher Tag») soll am 11. September auf den Markt kommen, genau elf Jahre nach dem verheerenden Terroranschlag in den USA.

Der Autor mit dem Pseudonym Mark Owen kündigte laut einer Mitteilung des Verlags Dutton an, sein Bericht solle «Missverständnisse über die wichtigste Mission in der Geschichte des US-Militärs» ausräumen. Bin Laden war in seinem Versteck in Pakistan von einer Spezialeinheit der US-Streitkräfte getötet worden. Owen war den Angaben zufolge damals an der Aktion beteiligt. Er war demnach einer der ersten Soldaten, die in Bin Ladens Zimmer eindrangen und ihn mit eigenen Augen sterben sahen.

Gegen somalische Piraten im Einsatz

Allein die Ankündigung des Buches hat in den USA für einige Aufregung gesorgt. Es dauerte nur etwa 24 Stunden, bis «Mark Owen» identifiziert war: Es handelt sich um den 36-jährigen Matt Bissonnette aus Alaska. Als Mitglied des Navy Seals Team 6 war er an einer weiteren spektakulären Kommandoaktion beteiligt, der Erstürmung des von somalischen Piraten gekaperten Frachters «Maersk Alabama» im April 2009, berichtet der Fernsehsender Fox News, der Bissonnettes Namen als erstes Medium enthüllt hatte.

Die neuste Insider-Story über den Bin-Laden-Raid dürfte auch politische Auswirkungen haben. Konservative Kreise beschuldigen das Weisse Haus, es habe Indiskretionen über die Kommandoaktion in Pakistan durchsickern lassen, um die Wiederwahl-Chancen von Präsident Barack Obama zu verbessern. Für Aufsehen sorgte das Video einer Gruppe namens Opsec, das enge Verbindungen zu den Republikanern hat. Generalstabschef Martin Dempsey hatte das Vorgehen des aus ehemaligen CIA-Agenten und Elitesoldaten bestehenden Gruppe diese Woche auf Fox News als «enttäuschend» kritisiert.

Das neue Buch könnte als weiterer PR-Stunt der Regierung interpretiert werden. Das Pentagon reagierte jedoch mit Zurückhaltung. «Ich habe das Buch nicht gelesen und mir ist nicht bekannt, dass irgendjemand im Ministerium es gelesen hat», sagte Sprecher George Little. Auch das Weisse Haus und der Geheimdienst CIA teilten mit, sie hätten das Manuskript nicht geprüft. Das Pentagon werde sich an das Justizministerium wenden, sollten in dem Buch geheime Informationen preisgegeben werden, hiess es weiter.

Navy Seals sind wütend

Sollte sich der Verdacht erhärten, könnte der Autor angeklagt werden. Die Navy Seals sind verpflichtet, keine geheimen Informationen an die Öffentlichkeit weiterzugeben. Das gilt in diesem Fall umso mehr, als Matt Bissonnette beim Bin-Laden-Einsatz laut «Washington Post» faktisch der CIA unterstellt war. Aktive und ehemalige Mitglieder der Elitetruppe zeigten sich gegenüber Fox News verärgert, einige bezeichneten Matt Bissonnette sogar als «Verräter». Sein Osama-Buch könne künftige Einsätze beeinträchtigen.

Sollte Bissonnette jedoch nur seine eigene Meinung über die Mission und seinen Beruf darlegen, könnte er unbehelligt davon kommen. Dutton-Sprecherin Christine Ball sagte, das Buch sei von einem Fachanwalt geprüft worden. Dieser habe eine Veröffentlichung für unbedenklich erklärt. In einer ersten Auflage will Dutton 300 000 Exemplare des Buches auf den Markt bringen. Co-Autor ist der Journalist Kevin Maurer. (pbl/dapd)

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