Auf Krankenstation verlegt: Nawalny wartet auf Testergebnis – Tuberkulose oder Corona?
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Auf Krankenstation verlegtNawalny wartet auf Testergebnis – Tuberkulose oder Corona?

Der bekannteste Kritiker des russischen Präsidenten ist in der Strafkolonie von Pokrow auf die Krankenstation verlegt worden. Als seine Ärztin Informationen verlangte, wurde sie verhaftet wegen «Störung der öffentlichen Ordnung».

Ein Aufnahme einer Überwachungskamera aus der Strafkolonie IK-2 von Pokrow soll Alexaj Nawalny zeigen, wie er mit einem Wärter spricht.

Ein Aufnahme einer Überwachungskamera aus der Strafkolonie IK-2 von Pokrow soll Alexaj Nawalny zeigen, wie er mit einem Wärter spricht.

LIFE.RU via REUTERS

Mit der Gesundheit von Alexej Nawalny geht es weiter bergab. So sehr, dass der 44-Jährige auf eine medizinische Station seines Straflagers verlegt worden ist. Die russische Tageszeitung Iswestija berichtet, Nawalny sei mittlerweile untersucht und wegen seiner Atembeschwerden unter anderem auf Corona getestet worden sein. Das Ergebnis ist noch nicht bekannt.

Nach eigenen Angaben leidet Nawalny neben starken Rückenschmerzen und einem Taubheitsgefühl in den Beinen jetzt auch unter starkem Husten und Fieber. Geschwächt ist er ohnehin durch seinen Hungerstreik: Nawalny soll innerhalb einer Woche fünf Kilogramm Körpergewicht verloren haben. Auch geht die Sorge um, er könnte sich im Straflager von Pokrow mit Tuberkolose angesteckt haben.

Ein Checkpoint der Strafkolonie östlich von Moskau.

Ein Checkpoint der Strafkolonie östlich von Moskau.

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Erst am Montag hatte der 44-Jährige von einem Häftling berichtet, der mit Tuberkulose ins Krankenhaus eingeliefert worden war – der dritte innerhalb weniger Wochen. «Jeder Gefangene betet zu Gott, dass er nicht hier landet, denn drinnen herrschen gesundheitsgefährdende Zustände, Tuberkulose und Medikamentenmangel», schrieb Nawalny. Er äussert sich regelmässig in Online-Netzwerken über die Zustände im Straflager Pokrow östlich von Moskau. Unklar ist, wie Nawalnys Botschaften aus dem Gefängnis nach draussen gelangen.

Nawalnys Ärztin festgenommen

Vor dem Gefängnis kam es am Dienstag zu unschönen Szenen: Mehrere Unterstützer Nawalnys, darunter auch Ärzte, hatten Zugang zu dem 44-Jährigen gefordert. Daraufhin erklärte die Polizei in der Region Wladimir, dass neun Menschen wegen «Störung der öffentlichen Ordnung» festgenommen worden seien. Es hätten sich rund 45 Menschen versammelt, darunter etwa 30 Journalisten und Blogger. Unter den Festgenommenen befand sich auch ein CNN-Journalist, der nach eigenen Angaben später wieder freigelassen wurde.

Nawalnys Hausärztin Anastasia Wasiljewa wurde zwischenzeitlich festgenommen, als sie Informationen zum Gesundheitszustand ihres Patienten wollte. 

Nawalnys Hausärztin Anastasia Wasiljewa wurde zwischenzeitlich festgenommen, als sie Informationen zum Gesundheitszustand ihres Patienten wollte.

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Unter den Festgenommenen war auch Nawalnys Hausärztin Anastasia Wasiljewa, die am Abend wieder nach Moskau zurückkehren durfte. Unklar blieb, ob sie offiziell freigelassen wurde. Sie hatte zusammen mit weiteren Ärzten gefordert, Informationen über den Gesundheitszustand des im Straflager von Pokrow inhaftierten Nawalny zu erlangen.

Sie sei «besorgt» und wolle verstehen, «was im Lager Pokrow vor sich geht», erklärte Wasiljewa vor der Strafkolonie. Sie warf den Behörden vor, Nawalnys Rechte zu verletzen, indem sie sich weigerten, ihn angemessen zu behandeln. Sie habe Angst um Nawalnys Gesundheit und forderte seine Verlegung in ein ordentliches Krankenhaus. Die junge Frau ist auch Vorsitzende der Ärzteallianz, einer Vereinigung, die der Opposition nahe steht und den Behörden ein Dorn im Auge ist.

Nawalnys Anhänger befürchten, dass ihm nach der Vergiftung im August 2020 weiteres Leid zugefügt wird. Nawalny beschuldigt die Gefängnisverwaltung, ihm die medizinische Versorgung zu verweigern und ihn mit Schlafentzug zu «foltern».

Pokrow gilt als eines der härtesten Straflager Russlands. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow machte am Dienstag klar, dass Nawalny kein Anrecht auf eine Sonderbehandlung habe. Es könne keine «besonderen Bedingungen» für einzelne Häftlinge geben, sagte Peskow.

Im Straflager sind in den letzten Tagen drei Tuberkolose-Fälle aufgetreten. 

Im Straflager sind in den letzten Tagen drei Tuberkolose-Fälle aufgetreten.

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(AFP/gux)

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