Aktualisiert 11.08.2009 11:10

Massaker in der Toskana 1944Nazi des mehrfachen Mordes schuldig

In einem der letzten NS-Kriegsverbrecherprozesse hat das Landgericht München einen 90-jährigen früheren Wehrmachtsoffizier wegen Mordes an 14 italienischen Zivilisten zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt.

Wegen Mordes an 14 italienischen Zivilisten im Kriegsjahr 1944 hat das Landgericht München einen 90-jährigen früheren Wehrmachtsoffizier zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Die Strafkammer sprach Josef Scheungraber aus Ottobrunn in Bayern am Dienstag des zehnfachen Mordes und versuchten Mordes schuldig. Angeklagt war er wegen 14-fachen Mordes und eines versuchten Mordes.

Der Angeklagte hatte bestritten, dass er im Juni 1944 als Kompanieführer des Gebirgs-Pionier-Bataillons 818 in der Toskana einen Vergeltungsakt für den Tod zweier deutscher Soldaten bei einem Partisanenüberfall befohlen habe. Dabei wurden vier Italiener erschossen und zehn weitere Männer in einem Bauernhaus in Falzano di Cortona in die Luft gesprengt. Ein 15-Jähriger überlebte als Einziger.

Die Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert und argumentiert, es gebe kein schriftliches Dokument, das einen Befehl des Kompanieführers dokumentiere. Allein das Eingebundensein in eine Armee oder in eine Befehlskette könne nicht zu einem Schuldspruch führen.

Mitarbeiter machte belastende Aussage

Dagegen forderte die Staatsanwaltschaft eine lebenslange Haftstrafe wegen Mordes. Sie stützt sich auf Dokumente wie sogenannten Banden-Lagekarten, auf denen Vergeltungsaktionen gegen Partisanen vermerkt wurden. Die Anklagebehörde warf dem 90-Jährigen Mord aus niedrigen Beweggründen und Grausamkeit vor. Die Tat sei «menschenverachtend». Der Offizier habe an unschuldigen Zivilisten Rache für den Tod der Kameraden nehmen lassen. Die Opfer hätten vor der Sprengung Todesängste ausstehen müssen.

Für eine überraschende Wendung in dem fast ein Jahr dauernden Prozess hatte ein Zeuge gesorgt, der sich erst vor kurzem bei der Staatsanwaltschaft gemeldet hatte: Der frühere Mitarbeiter in der Möbelschreinerei des Angeklagten hatte ausgesagt, dieser habe einmal mit seiner Beteiligung an dem Massaker angegeben. Der 90-Jährige hatte jahrzehntelang unbehelligt in seinem oberbayerischen Heimatort gelebt.

Im September 2006 war er bereits von einem Militärgericht im italienischen La Spezia in Abwesenheit zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden.

(dapd)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.