Morddrohungen: «NDB soll Neonazi-Band überwachen»
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Morddrohungen«NDB soll Neonazi-Band überwachen»

Eine deutsche Politikerin wird in einem Song Rechtsextremer mit dem Tod bedroht. Politiker wollen die Szene härter anpacken.

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Eine Deutsche Linke-Politikerin wurde in einem Lied der Rechtsextremen-Band Erschiessungskommando mit dem Tod bedroht. Gemäss Szenekennern soll der  Zürcher Kevin G. der Frontmann der Band sein.

Eine Deutsche Linke-Politikerin wurde in einem Lied der Rechtsextremen-Band Erschiessungskommando mit dem Tod bedroht. Gemäss Szenekennern soll der Zürcher Kevin G. der Frontmann der Band sein.

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Die Gruppe habe bereits unter dem Namen Mordkommando Drohungen gegen Schweizer Politiker und Prominente ausgestossen. Kevin G. ist auch der Sänger von Amok, einer der Gruppen die am Neonazi-Konzert in Unterwasser aufgetreten sind.

Die Gruppe habe bereits unter dem Namen Mordkommando Drohungen gegen Schweizer Politiker und Prominente ausgestossen. Kevin G. ist auch der Sänger von Amok, einer der Gruppen die am Neonazi-Konzert in Unterwasser aufgetreten sind.

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«Der erneute Vorfall bestätigt, dass wir ein Problem mit der rechtsextremen Szene haben», sagt SP-Nationalrat Cédric Wermuth. Die Gefahr sei bis anhin unterschätzt worden. «Die Behörden sind auf dem rechten Auge vielleicht nicht blind, aber kurzsichtig.»

«Der erneute Vorfall bestätigt, dass wir ein Problem mit der rechtsextremen Szene haben», sagt SP-Nationalrat Cédric Wermuth. Die Gefahr sei bis anhin unterschätzt worden. «Die Behörden sind auf dem rechten Auge vielleicht nicht blind, aber kurzsichtig.»

Keystone/Lukas Lehmann

Eine Deutsche Linke-Politikerin wurde in einem Lied der Rechtsextremen-Band Erschiessungskommando mit dem Tod bedroht. Gemäss Szenekennern soll der Zürcher Kevin G. der Frontmann der Band sein. Dies berichtete die Sontagspresse.

G. soll auch der Frontmann der Band Mordkommando sein, die Drohungen gegen Schweizer Politiker und Prominente ausgestossen hat. Zudem ist er der Sänger von Amok, einer der Gruppen, die kürzlich am Neonazi-Konzert in Unterwasser SG aufgetreten sind.

Neonnazi-Bewegung bekämpfen

«Der erneute Vorfall bestätigt, dass wir ein Problem mit der rechtsextremen Szene haben», sagt SP-Nationalrat Cédric Wermuth. Die Gefahr sei bis anhin unterschätzt worden. «Die Behörden sind auf dem rechten Auge vielleicht nicht blind, aber kurzsichtig.»

Die Rechtsextremen würden sich in der Schweiz dadurch sehr sicher fühlen. «Auffällig ist auch, dass sich die Schweizer Szene offenbar sehr stark mit den deutschen Neonazis verbunden hat, die vor Gewalttaten gegen Ausländer nicht zurückschrecken.» Nun will Wermuth politisch aktiv werden. «Ich werde in der Wintersession den Bundesrat fragen, wie er gedenkt dem Wiedererstarken dieser der Neonazi-Bewegung entgegenzutreten.»

Kevin G. soll unter Beobachtung

FDP-Nationalrat Thierry Burkart bezeichnet die jüngsten Ereignisse ebenfalls als «inakzeptabel». «Ich hoffe, dass Kevin G. unter Beobachtung durch den Nachrichtendienst steht. Ansonsten sollte dies als mögliche Massnahme geprüft werden.»

Die Behauptung die Schweizer Behörden seien auf dem rechten Auge blind, weist er jedoch entschieden zurück: «Wir haben kein Ideologisches Problem, sondern schlicht begrenzte Ressourcen» Man könne nicht alle rechtsradikalen Gruppierungen konstant überwachen. Burkart ist nicht der Meinung, dass zusätzliche Gesetze das Problem beheben könnten: Er würde aber härtere Strafen begrüssen. «Mit Ausnahme des Verkehrswesens sind die Strafnormen in der Schweiz zu lasch – auch bei rechter Gewalt», sagt Burkart.

Kevin G. ist in der Szene berüchtigt

Gemäss Extremismus-Experte Samuel Althof sind Kevin G. und Amok in der Schweizer Neonazi-Szene bekannt. Schon mit ihrem ersten Album (2007) seien sie ins Visier der Extremismusbekämpfung geraten. Damals wurde wegen einer Morddrohung gegen den Journalisten Hans Stutz Anzeige erstattet.

Man dürfe Bekanntheit in der Szene aber nicht mit Bekanntheit in der Öffentlichkeit gleichstellen. «Besonders in der Schweiz ist die rechtsextreme Rock-Szene extrem klein.» Die vielen Namenswechsel würden auch damit zusammenhängen. So könne man den Eindruck erwecken, dass es viele verschiedene Bands gibt, obwohl es immer die selben paar Leute sind.

«Keine Aufmerksamkeit schenken»

Die selben Bands können teils über Jahre hinweg immer wieder Drohungen und rassistische Aussagen veröffentlichen, ohne belangt zu werden. «Diese Bands wissen ganz genau, wie sie möglichst knapp an der Rassismusstrafnorm vorbeikommen», sagt Althof. Zudem würden Drohungen, in einem Lied in der Regel nur auf Antrag strafrechtlich verfolgt. Meist würden die bedrohten Personen auch wegen des Aufwands von einer Strafanzeige absehen.

«Die beste Reaktion auf eine solche Drohung, ist dem Bedroher keine Aufmerksamkeit zu schenken.» sagt Althof. Falls Kevin G. tatsächlich hinter der Drohung steckt, müsse er sich jedoch warm anziehen. «In Deutschland greifen die Behörden bei Drohungen von Rechtsextremen viel härter durch» sagt Althof.

Die Kantonspolizi Zürich wie auch das zuständige Kriminalamt in Deutschland konnten keine Aussage darüber machen, ob gegen Kevin G. ermittelt wird. Letzteres ermittelt gegen Unbekannt.

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