Aktualisiert 08.01.2008 00:02

Neapel: Gewalt gegen Demonstranten

Die Polizei geht gewalttätig gegen Demonstranten vor, welche die Wiedereröffnung einer Abfalldeponie verhindern. Inzwischen räumen Soldaten den Müll von Neapels Strassen weg.

Die Demonstranten warfen daraufhin mit Steinen nach den Polizisten. Mit der Sperre wollten sie den Kehrichtwagen die Zufahrt zur Deponie verwehren. Bei der Räumung einer zweiten Strassensperre drängten die Sicherheitskräfte dutzende Demonstranten zurück.

Laut den Protestierenden gefährdet die Deponie, die seit elf Jahren gesperrt war, die Gesundheit der Anwohner. Die Deponie befindet sich unweit eines Naturschutzgebiets.

Soldaten begannen am Montag damit, den stinkenden Abfall vor Schulen in der Region Kampanien abzutransportieren. Damit sollte die Schliessung zahlreicher Schulen verhindert werden.

Trotz Schulbeginn zu Hause

Die Schuldirektoren hatten angekündigt, die Weihnachtsferien für die Schüler aus hygienischen Gründen verlängern zu wollen. Die Regierung von Ministerpräsident Romano Prodi ordnete jedoch die Eröffnung der Schulen. Die Situation werde für die Kinder nicht besser, wenn die Schulen geschlossen blieben, sagte Prodi.

Viele Eltern in Neapel entschieden dennoch, ihre Kinder zu Hause zu behalten, da Bürger den Abfall mancherorts immer noch eigenhändig durch offene Feuer beseitigten - ungeachtet der höchst schädlichen Dämpfe. Die Schulzimmer seien teilweise halb leer gewesen, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa.

Prodi hat die Abfallkrise zum nationalen Notfall erklärt und davor gewarnt, dass Italiens Ruf darunter leiden könnte. Am Montag war eine Kabinettssitzung geplant, auf der über Massnahmen zur Beseitigung der stinkenden Abfallberge beraten werden soll.

Seit Jahren Probleme

Seit Jahresanfang sammelten sich mehr als 100 000 Tonnen Unrat in Kampanien. Neapel und die gesamte Region leiden seit Jahren unter einem Entsorgungsproblem. Deponien und Wiederaufbereitungsanlagen sind chronisch überlastet, ausserdem wurden von der örtlichen Mafia betriebene Müllhalden geschlossen.

Das Geschäft mit der Müllentsorgung ist nach Ansicht von Experten nach dem Drogenschmuggel die wichtigste Einnahmequelle der Camorra. Seit 1994 gab der Staat mehr als eine Milliarde Euro aus und ernannte acht Kommissare in Folge, um die Krise zu beizulegen - bislang jedoch ohne Erfolg. (sda)

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