Nebenbuhler hingerichtet: 16,5 Jahre Haft
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Nebenbuhler hingerichtet: 16,5 Jahre Haft

Aus Eifersucht hat ein neidischer Hilfsarbeiter aus dem Kosovo seinen Nebenbuhler mit einem Messer abgeschlachtet. Für das Zürcher Obergericht ein klarer Mord.

Die brutal ausgeführte Bluttat vom 29. September 2002 schockierte ganz Zürich. Laut Anklage drang der heute 29-jährige Kosovo-Albaner in den späten Abendstunden in die Wohnung seiner von ihm getrennt lebenden Ehefrau an der Schimmelstrasse ein. Mit Gewalt, indem er die verschlossene Haustüre auftrat. Dann ging der eifersüchtige Besucher mit einem sehr scharfen Messer sogleich auf einen 27-jährigen Tunesier los. Der Araber hatte zuvor wiederholt bei der heute 32-jährigen Schweizerin übernachtet.

Mit 32 Stichen umgebracht

Fest steht, dass der Angeklagte dem mutmasslichen Liebhaber mit 32 Stichen gegen Kopf, Oberkörper und Händen keine Ueberlebenschance liess. Der Angreifer stach auch seiner Ehefrau in den Oberarm. Die beiden Opfer flüchteten ins Treppenhaus. Beherzte Nachbarn konnten die beiden Geschädigten in ihrer Wohnung in Sicherheit bringen. Für den Tunesier kam aber jede Hilfe zu spät. Gegenüber anderen, im Treppenhaus anwesenden Zeugen, sagte der Angeschuldigte: „He weisch, ich bin Albaner, das macht mer bi eus eso." Dann rannte er davon.

Mord oder Notwehr

Der Angeklagte wurde drei Tage nach dem Vorfall an der Grenze in Basel bei einer versuchten Ausreise von Zollbeamten festgenommen. Im März 2005 musste sich der Hilfsarbeiter erstmals am Zürcher Obergericht verantworten. Der Angeklagte machte vergeblich Notwehr geltend und wurde wegen Mordes, Körperverletzung sowie weiterer Delikte zu einer hohen Zuchthausstrafe von 17 Jahren verurteilt.

In der Folge hob das Kassationsgericht das Urteil auf. Unter anderem wegen einer unhaltbaren Würdigung einer Zeugenaussage. Deshalb musste sich das Obergericht im letzten Oktober ein zweites Mal mit dem Fall befassen. Am Mittwoch eröffnete es den zweiten Entscheid. Demnach wurde der Angeklagte wegen Mordes, Körperverletzung sowie weiterer Delikte zu einer Freiheitsstrafe von 16 Jahren und sechs Monaten verurteilt. Da das Urteil bloss im Dispositiv vorliegt, sind die Gründe für die leichte Strafsenkung noch unklar. Der weiterhin bei der Mordanklage nicht geständige Angeklagte hatte im jüngsten Prozess einen denkbar schlechten Eindruck hinterlassen. So hatte er vor den Schranken demonstrativ einen Kaugummi gekaut. Was der zuständige Gerichtspräsident Thomas Meyer als unanständige Respektlosigkeit bezeichnete und den Angeschuldigten aufforderte, den Gegenstand aus dem Mund zu nehmen.

Attila Szenogrady, 20minuten.ch

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