«Nocebo-Effekt» – Milde Nebenwirkungen stammen in 2 von 3 Fällen nicht vom Covid-Impfstoff
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«Nocebo-Effekt»Milde Nebenwirkungen stammen in 2 von 3 Fällen nicht vom Covid-Impfstoff

Kopfweh, Müdigkeitserscheinungen oder lokale Schmerzen: Die oft genannten Nebenwirkungen der Covid-19-Impfungen stellen sich laut einer US-Studie mehrheitlich deshalb ein, weil die geimpfte Person diese erwartet.

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Viele Geimpfte leiden nach den Injektionen an leichten Nebenwirkungen wie Kopfweh oder Müdigkeit.

Viele Geimpfte leiden nach den Injektionen an leichten Nebenwirkungen wie Kopfweh oder Müdigkeit.

Reuters
Auch Schmerzen im Arm werden sehr häufig empfunden.

Auch Schmerzen im Arm werden sehr häufig empfunden.

20min/Simon Glauser
Allerdings stammen laut einer Studie die meisten dieser Symptome nicht vom Impfstoff selbst.

Allerdings stammen laut einer Studie die meisten dieser Symptome nicht vom Impfstoff selbst.

Dres Hubacher / Tamedia AG

Darum gehts

Fast jeder hat es schon selbst erfahren oder von anderen gehört: Die Impfung gegen Corona löst bei manchen Menschen unangenehme Reaktionen wie Kopfschmerzen, Mattigkeit oder Schmerzen im Arm aus. Doch nicht alle diese Symptome sind auch wirklich auf die Impfung zurückzuführen, postulieren US-Forscher der Harvard Medical School und der Bostoner Beth-Israel-Deaconess-Klinik in einer neuen Veröffentlichung im Fachblatt Jama Network.

Die Publikation stützt sich auf zwölf klinische Studien mit insgesamt 45’380 Teilnehmern und Teilnehmerinnen ab. Diese erhielten jeweils eine erste und zweite Dosis Vakzin oder eine Salzlösung injiziert – und keiner der Probandinnen und Probanden wusste, was ihm gespritzt worden war. Die Untersuchung habe sich auf die «milden» Impffolgen beschränkt, schreibt der «Guardian». Seltene schwere Auswirkungen wie Herzmuskelentzündungen oder Thrombosen seien nicht berücksichtigt worden.

Kopfweh, Müdigkeit, Schmerzen im Arm

Während bei den mit echtem Vakzin behandelten Personen 46 Prozent über Nebenwirkungen wie Kopfweh oder Müdigkeit klagten, meldeten auch 35 Prozent der mit einem Placebo injizierten Probanden negative Folgen. Zudem meldeten zwei Drittel der «echten» Geimpften Schmerzen im Arm, bei den mit Salzlösung behandelten Personen waren es immerhin noch 16 Prozent.

Bei der zweiten Dosis erhöhte sich die Rate bei den Geimpften auf 61 Prozent, bei den Ungeimpften lag sie mit 32 Prozent etwa gleich hoch wie zuvor. Schmerzen im Arm betrafen 73 Prozent der Gruppe der Geimpften, bei den Placebo-Empfängern waren es nur mehr 14 Prozent.

Negativer Placebo-Effekt

Daraus leiten die Forschenden ab, dass insgesamt rund zwei Drittel der am häufigsten empfundenen Nebenwirkungen nicht auf das Vakzin, sondern auf den sogenannten Nocebo-Effekt zurückzuführen seien. Dieser ist einfach gesagt das Gegenteil des Placebo-Effekts, bei dem mit einem wirkungslosen Mittel behandelte Menschen eine tatsächliche Besserung ihrer Leiden empfinden.

Erkenntnisse aus der Forschung belegen, dass die Erwartungshaltung der Behandelten einen positiven oder eben negativen Effekt auf ihr Wohlbefinden haben kann. Harvard-Professor Ted Kaptchuk, einer der Studienautoren, sagt: «Die meisten Forscher argumentieren, dass man Patienten so wenig wie möglich über drohende Nebenwirkungen sagen sollte, um ihre Ängste nicht zu schüren. Ich halte das für den falschen Weg: Ehrlichkeit ist die beste Methode.»

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(trx)

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