Neckermann zu verkaufen
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Neckermann zu verkaufen

Der Handelsriese KarstadtQuelle will sich von seiner kriselnden Versandhaus-Tochter trennen. Neckermann war vor mehr als 50 Jahren gegründet worden und war ein Symbol des deutschen Wirtschaftswunders.

Der Konzern kündigte am Dienstag an, er werde Deutschlands drittgrösstes Versandhaus entweder 2007 an die Börse bringen oder an Investoren verkaufen. KarstadtQuelle will sich künftig ganz auf den Ausbau des zweiten konzerneigenen Versandhauses Quelle konzentrieren und dessen Position im Internethandel und im Tele-Shopping deutlich ausbauen.

Der Essener Handelskonzern zieht damit die Notbremse. Die Versandhäuser Quelle und Neckermann hatten sich in den vergangenen Jahren mehr und mehr zum Sorgenkind des Konzerns entwickelt. Allein in den ersten neun Monaten dieses Jahres brachen die Umsätze der beiden Versender um fast 10 Prozent ein. Die wachsenden Verluste der Sparte machten die Sanierungserfolge in der Warenhaussparte weitgehend zunichte.

Zum Verkauf steht nicht nur Neckermann, sondern auch die Service Group, die mit 10.000 Beschäftigten in 14 Call Centern, fünf Auslieferungslagern und bei diversen IT-Dienstleistern die Bestellungen und Auslieferung sowohl für Quelle als auch für Neckermann abwickelt. Allerdings wolle KarstadtQuelle hier eine Minderheitsbeteiligung behalten, sagte ein Konzernsprecher.

Auch bei den verbleibenden Versandhandelsaktivitäten bleibt nach den Plänen des für das Versandhausgeschäft zuständigen KarstadtQuelle-Managers Marc Sommer kaum ein Stein auf dem anderen. So soll die Position von Quelle im Internet massiv ausgebaut werden. Darüber hinaus werde Quelle in das wachstumsstarke Teleshopping einsteigen und ab 2007 mit Hilfe von Monatskatalogen schneller als bisher aktuelle Mode und Trends anbieten, hiess es in Essen.

Karstadt-Aktie im Höhenflug

Beim Auslandsgeschäft will sich Quelle künftig auf Mittel- und Osteuropa sowie den deutschsprachigen Raum konzentrieren. Besonderes Gewicht soll dabei die Expansion in Russland haben. Die rote Zahlen schreibenden Quelle-Aktivitäten in Frankreich, Portugal und Spanien sollen verkauft werden. Die Geschäfte in Belgien und den Niederlanden würden Anfang 2007 eingestellt.

Bei den als Wachstumstreibern geltenden Spezialversendern will sich der Konzern künftig auf die Zielgruppen der über 60-Jährigen (etwa mit dem Versender Peter Hahn), auf das Premium-Segment (Elegance) sowie auf Marktsegmente wie Kinderbekleidung (Baby Walz) oder Öko-Kleidung (Hess Natur) konzentrieren.

Zum möglichen Verkaufspreis für Neckermann machte KarstadtQuelle keine Angaben. Es gebe eine Reihe von Interessenten, darunter sowohl strategische als auch Finanzinvestoren, hiess es in Unternehmenskreisen. Trotz aller gegenwärtigen Probleme sieht KarstadtQuelle in Neckermann ein attraktives Angebot. Neckermann.de sei heute eines der führenden E-Commerce-Unternehmen in Deutschland und habe die Überwandlung vom reinem Kataloghändler zum Internetanbieter bereits vollzogen.

An der Börse sorgte die Ankündigung der Karstadt-Pläne zur Sanierung der Versandhaussparte für ein Kursfeuerwerk. Die Karstadt-Aktie gewann bis zum Nachmittag fast fünf Prozent an Wert.

Das Versandhaus Neckermann war vor mehr als 50 Jahren von Josef Neckermann gegründet worden und gilt als eines der Symbole des deutschen Wirtschaftswunders. 1977 hatte Karstadt die Mehrheit übernommen. (dapd)

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