12.09.2019 12:37

EZB-EntscheidNegativzins und du verstehst nix? Wir helfen!

Die Europäische Zentralbank drückt die Strafzinsen noch tiefer ins Minus. Warum muss uns Schweizer das kümmern? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

von
V. Blank
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Behält eine ruhige Hand: SNB-Präsident Thomas Jordan.

Behält eine ruhige Hand: SNB-Präsident Thomas Jordan.

Keystone/Anthony Anex
Der Leitzins in der Schweiz bleibt bei minus 0,75 Prozent.

Der Leitzins in der Schweiz bleibt bei minus 0,75 Prozent.

Keystone/Peter Klaunzer
Vergangene Woche hat Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), den Strafzins für Banken noch weiter ins Minus gedrückt.

Vergangene Woche hat Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), den Strafzins für Banken noch weiter ins Minus gedrückt.

Arne Dedert

Die Europäische Zentralbank (EZB) macht mit der umstrittenen Erhöhung der Strafzinsen für Banken ernst. Die Währungshüter senkten den sogenannten Einlagensatz auf minus 0,5 von bisher minus 0,4 Prozent.

Der Leitzins bleibt bei rekordtiefen 0 Prozent. Zudem steckt die Notenbank frische Milliarden in Anleihen.

Macht es bei dir jetzt nur noch «La-la-la» im Ohr? Dann helfen dir die Antworten auf die folgenden Fragen weiter:

Schon beim Wort Leitzins löscht es mir ab. Wovon reden wir da?

Der Leitzins ist der Schlüsselzins, zu dem sich Geschäftsbanken Geld bei der Zentralbank leihen können. In der EU legt die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins fest, in der Schweiz ist es die Nationalbank (SNB).

Und warum ist dieser Leitzins so wichtig?

Er ist das wichtigste geldpolitische Instrument, das einer Zentralbank zur Verfügung steht. In der Schweiz steuert die SNB damit die Geldpolitik.

Heute reden aber alle vom Einlagensatz. Aaaargh!

Die Erklärung ist nicht so schwierig: Die EZB kennt mehrere Leitzinsen. Einer davon ist der Einlagensatz. Dieser ist im Moment im negativen Bereich. Will heissen: Die Banken, die bei der EZB Geld parkieren, müssen dafür Strafzinsen zahlen.

Gähn. Geht mich doch nichts an. Ich hol mir einen Kafi.

Nicht so schnell. Du hast sicher ein Bankkonto. Also betreffen die Zinsen auch dich. Wenn deine Bank zu einem niedrigen Zins Geld von der Zentralbank bekommt, wird es auch für dich als Kunde günstiger, dir Geld auszuleihen. Kredite und Hypotheken werden also billiger, je tiefer die Leitzinsen sind.

Ich bin aber kein Kreditkunde – ich will sparen.

Dann bekommst du die negativen Seiten der tiefen Leitzinsen zu spüren. Die relevanten Sätze sind im Minus – in der EU genauso wie in der Schweiz. Das heisst: Deine Bank muss dafür zahlen, wenn sie Geld kurzfristig bei der SNB deponieren will. Diese «Strafgebühr» wälzen mittlerweile viele Schweizer Banken auf ihre Kunden ab: Ist das Guthaben auf einem Konto zu hoch, zahlt man drauf, statt Zinsen zu kassieren. Auch normale Sparkonten werfen praktisch keine Zinsen mehr ab.

Gefällt mir nicht! Warum senken diese EU-Banker den Zins immer weiter?

Sie machen sich Sorgen um die Wirtschaftslage in Europa. Die Senkung der Leitzinsen ist die klassische Waffe der Notenbanken, wenn ein Abschwung oder eine Rezession droht. Die Idee dahinter: Wenn Kredite billiger werden, nehmen Unternehmen bereitwilliger Geld auf und investieren es. Das kurbelt die Wirtschaft an. Ausserdem verbilligt es eine Währung, wenn der Leitzins sinkt. Auch das ist gut für die Wirtschaft. Ein schwächerer Euro beispielsweise hilft den exportorientierten Firmen in der EU.

Yay, schwacher Euro! Dann kann ich noch billiger in Deutschland shoppen?

Es ist kompliziert. In der Theorie ist es so: Der Franken wird stärker, wenn der Euro schwächelt. Für Schweizer Einkaufstouristen sind das positive Nachrichten – je tiefer der Euro-Franken-Kurs, desto günstiger das Shoppen im Euro-Raum. Für Schweizer Exportfirmen ist ein zu starker Franken jedoch Gift. Darum greift die SNB öfter mal am Devisenmarkt ein, um den Franken zu schwächen.

Kann unsere Nationalbank nicht einfach auch den Leitzins senken?

Doch, kann sie. Experten sind sich aber noch nicht sicher, was die SNB nach der heutigen Entscheidung der EZB machen wird. Einige gehen davon aus, dass die Nationalbank nachziehen und den Leitzins nächste Woche senken wird. Andere meinen, dass sie den Zins gleich lässt. Die SNB kann auch einfach Euros kaufen, damit der Schweizer Franken nicht zu stark wird.

Und was soll das mit diesen Anleihenkäufen? Bei mir macht es schon wieder «La-la-la» im Ohr ...

Ab 1. November will die EZB monatlich 20 Milliarden Euro in den Erwerb von Anleihen stecken. Anleihenkäufe sind eine weitere Waffe der EZB, um die Wirtschaft anzukurbeln. Simpel gesagt will sie damit mehr Geld in den Markt pumpen. Ein Beispiel: Die Notenbank kauft einer Geschäftsbank Anleihen für eine Million Euro ab. Diese Million schreibt sie der Geschäftsbank auf ihrem Konto gut. Das Guthaben bei der Notenbank soll die Geschäftsbank dazu animieren, das Geld als Kredit weiterzugeben – an andere Unternehmen oder Private, die dann wiederum mehr investieren oder konsumieren sollen.

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