19.02.2020 03:47

Rassismus-Debatte

«Negerchinger» Fasnacht bleibt bei ihrem Namen

Die Egerkinger Fasnacht sorgte letztes Jahr für rote Köpfe. Das Dorf heisst während des närrischen Treibens «Negerchinge». So auch dieses Jahr.

von
km
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Der Fasnacht im solothurnischen Egerkingen löste vor einem Jahr eine nationale Rassismus-Debatte aus. Denn: Während des närrischen Treibens nennen sich die Bewohner der Gäuer Gemeinde «Negerchinger».

Der Fasnacht im solothurnischen Egerkingen löste vor einem Jahr eine nationale Rassismus-Debatte aus. Denn: Während des närrischen Treibens nennen sich die Bewohner der Gäuer Gemeinde «Negerchinger».

http://www.egerkingen.ch/Lüthy Patrick
Trotz der Rüffel von 2019 setzen die Veranstalter der Egerkinger Fasnacht heuer wieder einen N vor den Ortsnamen.

Trotz der Rüffel von 2019 setzen die Veranstalter der Egerkinger Fasnacht heuer wieder einen N vor den Ortsnamen.

http://www.egerkingen.ch/Lüthy Patrick
«Letztes Jahr wurden wir von dieser Thematik regelrecht überrumpelt», erzählt Stefanie Vogel, Präsidentin des Naare Rot und Mit-Veranstalterin der Egerkinger Fasnacht. Es sei das erste Mal gewesen, dass man mit Rassismus-Vorwürfen konfrontiert worden sei.

«Letztes Jahr wurden wir von dieser Thematik regelrecht überrumpelt», erzählt Stefanie Vogel, Präsidentin des Naare Rot und Mit-Veranstalterin der Egerkinger Fasnacht. Es sei das erste Mal gewesen, dass man mit Rassismus-Vorwürfen konfrontiert worden sei.

zvg.

Die Fasnacht im solothurnischen Egerkingen entfachte vor einem Jahr eine nationale Rassismus-Debatte. Denn: Während des närrischen Treibens nennen sich die Bewohner der Gäuer Gemeinde «Negerchinger». Das rief den Afrikanischen Diaspora-Rat und die Eidgenössische Kommission gegen Rassismus auf den Plan.

«Neger ist klar ein rassistisches Wort, das dunkelhäutige Menschen diskriminiert und beleidigt», sagte Celeste Ugochukwu vom Diaspora-Rat. «Die Gemeinde muss ihren Fasnachtsnamen ändern.» Doch die Egerkinger denken nicht daran: Auch dieses Jahr setzten die Fasnächtler ein N vor den Ortsnamen.

Stolz auf «Negerchinge»

«Letztes Jahr wurden wir von dieser Thematik regelrecht überrumpelt», sagt Stefanie Vogel, Präsidentin des Egerkinger Naare Rot und Mit-Veranstalterin der Fasnacht. Das sei das erste Mal gewesen, dass man mit Rassismus-Vorwürfen konfrontiert worden sei. Dies, obwohl der Name seit Jahrzehnten existiere. «Während der Festlichkeiten und auch danach war der Fasnachtsname jedoch kein grosses Thema und wir hatten keine Beschwerden dazu», betont die Fasnächtlerin. Für sie ist klar: «Der Name wird nicht geändert und es stand auch nie zur Debatte.»

Politischer Ursprung

Und was meint das offizielle Egerkingen? «Wir sind stolz, während der Fasnachtszeit ‹Negerchinger› zu sein», sagt Gemeindepräsidentin Johanna Bartholdi. Doch ganz untätig sei man nicht geblieben: Die Gemeinde habe dem Afrikanischen Diaspora-Rat geschrieben und sich erklärt. «Wir erhielten aber keine Antwort», so die Gemeindepräsidentin.

Bartholdi erklärt den Ursprung des Namens gegenüber 20 Minuten – dieser sei nämlich nicht rassistisch gemeint: «Bereits seit dem 19. Jahrhundert werden im Kanton Solothurn die CVPler als Schwarze bezeichnet. Die FDPler von Egerkingen ärgerten mit dem zusätzlichen ‹N› während der Fasnachtszeit die Katholisch-Konservativen.» Daraus sei die Tradition entstanden, sich während der fünften Jahreszeit «Negerchinge» zu nennen.

Auch Basler betroffen

Egerkingen ist nicht die einzige Fasnacht, die sich mit Rassismus-Vorwürfen konfrontiert sieht. Auch die Basler Guggen Mohrekopf und Negro-Rhygass standen 2018 in der Kritik wegen ihres Namens und des Logos. Vergangenes Jahr nun handelte der Verein Negro-Rhygass und änderte sein Logo, jedoch nicht den Namen.

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