Kat-Diebe in England: Nehmen Katalysator-Diebstähle bald auch bei uns zu?
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In England gehen Katalysator-Diebe am helllichten Tag auf Beutejagd. 

In England gehen Katalysator-Diebe am helllichten Tag auf Beutejagd.

Getty Images/iStockphoto

Kat-Diebe in EnglandNehmen Katalysator-Diebstähle bald auch bei uns zu?

In England sind die Abgasreiniger bereits beliebtes Diebesgut. Auch hierzulande kennt man das Problem.

von
Dave Schneider

Kupferdiebe sind hierzulande schon länger bekannt. Oftmals sind es darauf spezialisierte Banden, die Kupferkabel aller Art von Bahnbetrieben, Baustellen oder Recyclingwerken klauen und zu Geld machen – dank des hohen Kupferpreises ein lohnendes Geschäft. Nun deuten Schlagzeilen aus England auf einen neuen Trend hin: Dort montieren Diebe an parkierenden Autos den Katalysator ab – wegen der darin verarbeiteten Edelmetalle.

Die Platingruppenmetalle Rhodium, Palladium und Platin dienen dazu, die Abgase eines Verbrennungsmotors (Kohlenmonoxid, Stickoxiden und unverbrannte Wasserstoffgase) in für Menschen weniger gefährliche Stoffe umzuwandeln. Deshalb werden die Keramikfilter in Katalysatoren damit beschichtet. Zwar werden pro Abgasreiniger insgesamt nur wenige Gramm Rhodium, Palladium oder Platin verbaut, doch die Preise für diese Metalle sind in den letzten Jahren massiv gestiegen. Besonders der Rhodium-Preis ging durch die Decke: Ein Gramm des seltenen Metalls kostet derzeit etwa 732 Franken und ist damit mehr als vierzehnmal teurer als ein Gramm Gold. Das Gramm Palladium ist mit rund 72 Franken ebenfalls deutlich teurer als Gold.

Wie so ein Diebstahl abläuft, zeigt ein Video einer Überwachungskamera im englischen Hurley: Am helllichten Tag fahren die Diebe neben ein geparktes Auto, kurbeln es kurzerhand mit einem Wagenheber in die Höhe, montieren den Kat ab und verduften so schnell, wie sie gekommen sind. Die britische Zeitung «The Sun» geht davon aus, dass die Katalysator-Diebe pro Stück etwa 580 Franken Gewinn machen können – eine verlockende Beute.

Anzahl Delikte in der Schweiz schwanken

Gemäss «The Sun» sind in England vor allem Autos der Marken Toyota, Lexus und Honda betroffen – offenbar sind Hybridmodelle bei den Dieben beliebter, weil dort die verbauten Edelmetalle weniger korrodieren. Während in Deutschland der ADAC bereits wegen schnell steigender Katalysator-Diebstähle gewarnt hat, sind sie in der Schweiz noch kaum ein Problem.

Weil die Preise für Rhodium, Palladium und Platin stark gestiegen sind, sind Auto-Katalysatoren zur begehrten Beute für Metalldiebe geworden.

Weil die Preise für Rhodium, Palladium und Platin stark gestiegen sind, sind Auto-Katalysatoren zur begehrten Beute für Metalldiebe geworden.

Opel

«Aktuell kennen wir das Phänomen im Aargau nicht», sagt Aline Rey, Mediensprecherin der Kapo Aargau. Im Kanton Zürich würden solche Diebstähle zwar bereits seit Jahren registriert, die Anzahl der Delikte sei aber schwankend und halte sich ziemlich in Grenzen. «Ein Trend ist nicht auszumachen», sagt Mediensprecher Florian Frey von der Kapo Zürich. «Im vergangen Jahr wurden bei der Kantonspolizei Zürich kein halbes Dutzend solcher Diebstähle verzeichnet.» Betroffene eines Kat-Klaus können am Ende nur in den sauren Apfel beissen und für Ersatz sorgen – mit Einbau kostet das schnell 1000 Franken und mehr.

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