Schweizer Nati: Neidische Seitenblicke aus Österreich
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Schweizer NatiNeidische Seitenblicke aus Österreich

In Österreich fiebert man dem morgigen Testspiel gegen die Schweiz entgegen. Eine grosse Zeitung gesteht: Die Hitzfeld-Truppe ist ihren Nachbarn «einen Schritt voraus».

von
mon
Die Schweizer Nati bereitet sich in Velden auf das Testspiel gegen Österreich vor.

Die Schweizer Nati bereitet sich in Velden auf das Testspiel gegen Österreich vor.

«Die Schweiz also. Nicht die Niederlande, nicht Deutschland, ausgerechnet die Schweiz brachte die spanischen Fussballstars in Südafrika zum Stolpern und bescherte dem Weltmeister die einzige Niederlage des Turniers.» Was in der Einleitung eines Kurier-Artikels hämisch tönt, ist keinesfalls so gemeint. Denn die österreichische Tageszeitung schiebt nach, dass das 1:0 der Schweizer Nati gegen den späteren Weltmeister weder mit Glück noch mit Zufall zu tun hatte. «Mitnichten. Denn längst zählt die Schweiz zu den etablierten Teams in Europa.» Es könne «kein fussballerisches Niemandsland» sein, wer seit der EM 2004 bei allen Endrunden am Ball ist, wer sich als Gruppensieger souverän für die WM in Südafrika qualifiziert hat und wer amtierender U17-Weltmeister sowie die aktuelle Nummer 18 in der FIFA-Weltrangliste ist.

Das ist doch einmal ein Statement, das die Brust der Eidgenossen schwellen lässt. Eine neidlose Anerkennung unseres Nachbarn. Oder etwa doch nicht? Nicht ganz. Schliesslich schreibt der «Kurier» bereits im Titel des Artikels von «neidischen Seitenblicken in die Schweiz». Und das Blatt zitiert einen Insider, der es wissen muss. «Die Schweizer sind einen Schritt weiter», sagt der österreichische Assistenztrainer Heinz Peischl, der etliche Jahre in der Schweiz (Wil, St. Gallen, Thun) gearbeitet hat. Sein vernichtendes Urteil: «Sie haben acht bis zehn Jahre Vorsprung auf Österreich.»

Hochgelobtes Nachwuchskonzept

Der Unterschied zwischen den beiden Nachbarländern ist denn auch schnell gefunden. Als die Schweiz nach dem Scheitern bei der WM 1994 ein neues Nachwuchskonzept einführte, habe Österreich schlicht und einfach geschlafen. «Wir sind erst 2000 aus dem Dornröschenschlaf erwacht», sagt Assistenzcoach Peischl. Zu der Zeit hatten die Eidgenossen schon längst alle Nationalteams bis hin zu den Jüngsten das gleiche Spielsystem verpasst und begonnen, Talente individuell zu fördern.

Das Resultat ist bekannt: Inzwischen sind fast alle A-Nationalspieler in ausländischen Topligen engagiert. Und sie sind dort, so merkt es der «Kurier» an, im Gegensatz zu einigen österreichischen Legionären Leistungsträger. «Wie Goalie Benaglio in Wolfsburg. Wie Spielmacher Barnetta in Leverkusen. Wie Stratege Inler bei Udinese», schreibt das Blatt. Und die nächste Generation stehe schon bereit, so zum Beispiel Xerdan Shaquiri, der bereits von Vereinen aus halb Europa gejagt werde.

Geringer Ausländeranteil in der eigenen Liga

Auf der Suche nach Argumenten, die für Österreich und gegen die Schweiz sprechen, wird die Zeitung dann doch noch fündig: «In der heimischen Liga ist der Ausländeranteil auf 26,3 Prozent gesunken. Zum Vergleich: In der Schweiz ist beinahe jeder zweite Fussballer ein Legionär (47,7 Prozent).» Wirklich schlagkräftig ist dieses Argument aber nicht, liebe österreichische Kollegen. Denn wie ihr selber zuvor bemerkt habt: Die meisten Schweizer Nationalspieler sind im Ausland tätig. Die Situation in der heimischen Liga hat also kaum Auswirkungen aufs Nationalteam.

Eine Statistik, die unsere Nachbarn eher erheitern dürfte, gibt es doch: Im Direktduell mit der Schweiz haben die Österreicher die Nase mit 25 zu 10 Siegen bei 5 Unentschieden klar vorne. Und bei ihrem letzten Heimspiel fügten sie den Eidgenossen eine der bittersten Pleiten überhaupt zu. Als die Schweizer in hochnäsigen Gold-Trikots antraten und 1:2 untergingen.

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