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Neil Diamond - «12 Songs»Neil Diamond: Am besten ungeschliffen

Obwohl Neil Diamond 2005 international die dritterfolgreichste Konzerttournee feiern konnte, reicht sein Name allein nicht mehr, um «12 Songs» zu promoten.

Wegen seinem zeitweiligen Hang zu Glitterhemden und Gefühlsduseleien steckt der Altmeister in der Kitschschublade fest. Da geht gar vergessen, dass er mit «Girl, You'll Be a Woman Soon» den Höhepunkt des Pulp-Fiction-Soundtracks schrieb.

Also hofft man bei «12 Songs» auf die Zugkraft des auf dem Albumsticker gross angeprangerten Rick Rubin. Schliesslich verhalf der Produzenten-Guru schon Johnny Cash zu verdienten Altersehren und Kultstatus selbst bei der Jugend – unter anderem mit «Solitary Man», einem von Diamonds ersten Hits.

Das Erfolgsrezept heisst wiederum: abspecken. Denn Rubin hat erkannt: Der Diamant funkelt am schönsten im Rohschliff. Also kehrte Diamond auf Geheiss Rubins zu seinen Wurzeln

zurück, packte die Wanderklampfe aus und schrieb zwölf spärlich instrumentierte, erdig-ehrliche Songs. Hat man endlich aufgehört, «12 Songs» ständig mit dem Spätwerk Cashs zu vergleichen, gewinnt das Album enorm an Grösse. «Hell Yeah», «Evermore» oder «What's It Gonna Be» ziehen dabei besonders in den Bann. Just 40 Jahre nach seinem Solodebüt präsentiert sich Diamond würdig gereift und in Bestform.

Olivier Joliat

Neil Diamond «12 Songs», Colombia/Sony BMG.

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