05.08.2020 17:18

Musiker versus US-PolitikNeil Young reicht Klage gegen Donald Trump ein

Der Vorstoss folgt einem öffentlichen Schreiben von rund 60 namhaften Musikerinnen und Musikern. Sie fordern die Klärung der Musiknutzungsrechte für politische Veranstaltungen.

von
Melanie Biedermann
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Neil Young hat genug: Eigentlich wollte der 74-Jährige auf eine Klage verzichten, doch nachdem der US-Präsident den Einsatz von Bundespolizisten gegen Demonstranten veranlasst hatte, teilte Young am 4. August seine Klageschrift gegen Donald Trump wegen Urheberrechtsverletzung auf seiner Website.

Neil Young hat genug: Eigentlich wollte der 74-Jährige auf eine Klage verzichten, doch nachdem der US-Präsident den Einsatz von Bundespolizisten gegen Demonstranten veranlasst hatte, teilte Young am 4. August seine Klageschrift gegen Donald Trump wegen Urheberrechtsverletzung auf seiner Website.

Keystone/DPA/Robert Michael
Youngs Anklage folgt einem öffentlichen Schreiben von rund 60 Berufskolleginnen und -kollegen, die von den US-Grossparteien neue Rechtsgrundlagen für die Musiknutzung in politischen Kontexten fordern. Zu den Unterzeichnenden gehört unter anderem die Neuseeländerin Lorde.

Youngs Anklage folgt einem öffentlichen Schreiben von rund 60 Berufskolleginnen und -kollegen, die von den US-Grossparteien neue Rechtsgrundlagen für die Musiknutzung in politischen Kontexten fordern. Zu den Unterzeichnenden gehört unter anderem die Neuseeländerin Lorde.

Universal Music
Bei Sir Elton John bediente sich Donald Trump bereits ungefragt an Musik für seine Wahlauftritte. Auch die britische Popikone unterzeichnete den offenen Brief.

Bei Sir Elton John bediente sich Donald Trump bereits ungefragt an Musik für seine Wahlauftritte. Auch die britische Popikone unterzeichnete den offenen Brief.

Instagram/eltonjohn

Darum gehts

  • Donald Trump spielte im Rahmen seiner Wahlkampfveranstaltungen wiederholt und ohne Vorabklärung Musik verschiedener Künstlerinnen und Künstler.

  • In einem Statement auf seiner Website zog Neil Young vergangene Woche eine Klage gegen den US-Präsidenten in Erwägung – inzwischen ist sie Realität.

  • Die Häufung solcher Vorfälle veranlasste rund 60 Acts zur öffentlichen Forderung neuer Rechtsgrundlagen.

Es ist ein unparteiisches Bestreben, doch der Auslöser ist klar: «Neil Young erwägt Klage gegen Trump» titelte der «Tages-Anzeiger» vergangene Woche. Der US-Präsident spielte dessen Song «Rockin in the Free World» mehrfach während seiner Rallys. Eine Einwilligung des Interpreten holte sein Team nie ein. Inzwischen wurde Youngs Überlegung konkret: Am 4. August teilte der 74-Jährige die Anklageschrift wegen Urheberrechtsverletzung auf seiner Website.

Der Kanadier ist bei weitem nicht der erste Fall: Pharrell Williams, Bruce Springsteen, Elton John oder auch Adele gehören zu einer langen Liste von Künstlerinnen und Künstlern, deren Musik ohne Zustimmung Donald Trumps Wahlkampagnen untermalten. Eine Gruppe von 60 Berufskollegen will dieser Art Missbrauch nun mit einer öffentlichen Forderung ein Ende bereiten.

Finanzielle Schäden und Wettbewerbsverzerrung

«Unwillentlich politisiert zu werden, kann die persönlichen Werte eines Künstlers kompromittieren, Fans enttäuschen und entfremden» steht im Schreiben, das unter anderem die Rolling Stones Mick Jagger und Keith Richards, Blondie, Elton John, Sia und Lorde mit Unterstützung der Artist Rights Alliance verfassten und an Kampagnenkomitees der Demokraten und Republikaner sandten.

Die Liste potenzieller Rechtsbrüche ist lang, die von Neil Young angeklagte Urheberrechtsverletzung gehört dazu, ein anderer ist Markenschädigung. Weit wichtiger als Image- und finanzielle Einbussen sei jedoch, dass die fälschlich implizierte Unterstützung einer Künstlerin oder eines Künstlers für eine politische Partei oder Kandidatur unmoralisch sei und die Wahl verzerre. «Derartige Unsicherheit zu stiften, sollte für jeden aufrichtigen Kandidaten ein Unding sein», so die Unterzeichnerinnen und -zeichner.

Es brauche neue Rechtsgrundlagen, die eine klare Zustimmung seitens der Acts forderten. Eine Eingabe-Deadline ist im Brief ebenfalls genannt: Bis am 10. August wollen die Musiker konkrete Vorschläge sehen.

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61 Kommentare
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Ludwig

06.08.2020, 10:23

Wieso missbraucht Trump ständig die Musik derer, die sich von seiner Politik angewidert fühlen?

Kritiker

06.08.2020, 10:19

Wieso kann DT, dessen Beruf auf Wikipedia mit "Entertainer" angegeben wird, nicht seinesgleichen aufbieten, zum für Ihn zu musizieren. Wieso muss er immer wieder die Musik derer missbrauchen, die sich von seiner Politik extrem angewidert fühlen? Das ist respektlos und schäbig.

Anne-Marie

06.08.2020, 10:17

Verbitterter alter Mann. Ein Linker, der es immer noch nicht verkraften kann, dass Trump die Wahl gewonnen hat. Nun gut, Young wird Old und bald wird er nur noch eine Marginalität im Musikbusiness sein. Jetzt hat er wenigsten wieder einmal seinen Namen in der Öffentlichkeit gesehen und ein bisschen Aufmerksamkeit erhascht. Nicht vergessen, er hat sich damit nicht nur Freunde gemacht. Wenn man die Zahlen anschaut, dann sind die Hälfte der Leser (Wähler) nicht seiner Meinung und werden wohl von Käufen seiner Musik absehen. Und dann gibt es noch die, die keine politische Meinung haben, aber einfach das Theater der Musiker satt haben.