Schimpansen-Adenovirus: Nein, Affenpocken-Ausbruch hat nichts mit Covid-Impfstoff von AstraZeneca zu tun
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Schimpansen-AdenovirusNein, Affenpocken-Ausbruch hat nichts mit Covid-Impfstoff von AstraZeneca zu tun

Auf Social Media kursiert eine alternative Erklärung für den Ursprung des aktuellen Affenpocken-Ausbruchs. Schuld soll ein Impfstoff gegen Covid-19 sein. Doch das macht weder biologisch noch logisch Sinn.

von
Fee Anabelle Riebeling
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«Wer sich über Affenpocken Epidemie wundert. Schimpansen Adenovirus im Astra Zeneca Impfstoff» – dieser Post, der einen Zusammenhang zwischen dem aktuellen Affenpocken-Ausbruch und der Covid-19-Impfung aus Grossbritannien herstellt, kursiert seit Ende Mai 2022 auf Social Media, Twitter und Telegram. 

«Wer sich über Affenpocken Epidemie wundert. Schimpansen Adenovirus im Astra Zeneca Impfstoff» – dieser Post, der einen Zusammenhang zwischen dem aktuellen Affenpocken-Ausbruch und der Covid-19-Impfung aus Grossbritannien herstellt, kursiert seit Ende Mai 2022 auf Social Media, Twitter und Telegram. 

Screenshot Telegram
Doch die gezogene Schlussfolgerung ist zu simpel: Zwar kommt in dem Impfstoff tatsächlich ein Virus vor, das bei Schimpansen Erkältungen auslöst. Allerdings handelt es sich dabei um ein Adenovirus. Das Affenpockenvirus (Orthopoxvirus simiae) dagegen gehört zur Gattung der Orthopoxviren.

Doch die gezogene Schlussfolgerung ist zu simpel: Zwar kommt in dem Impfstoff tatsächlich ein Virus vor, das bei Schimpansen Erkältungen auslöst. Allerdings handelt es sich dabei um ein Adenovirus. Das Affenpockenvirus (Orthopoxvirus simiae) dagegen gehört zur Gattung der Orthopoxviren.

AFP
Adenoviren und Orthopoxviren sorgen auch für unterschiedliche Beschwerden: Erstere lösen unter anderem Erkrankungen der Atemwege, des Magen-Darm-Traktes oder der Augenbindehaut und Hornhaut aus, zweitere sind je nach Art für verschiedene Pockenkrankheiten verantwortlich.

Adenoviren und Orthopoxviren sorgen auch für unterschiedliche Beschwerden: Erstere lösen unter anderem Erkrankungen der Atemwege, des Magen-Darm-Traktes oder der Augenbindehaut und Hornhaut aus, zweitere sind je nach Art für verschiedene Pockenkrankheiten verantwortlich.

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Darum gehts

Obwohl seit dem Jahr 1970 bekannt ist, dass das Affenpockenvirus den Menschen natürlich befallen kann, dichten ihm nun einige Personen für den aktuellen Ausbruch einen anderen Verbreitungsweg an: den Covid-Impfstoff von AstraZeneca. Die darin enthaltenen Schimpansen-Adenoviren sollen angeblich mit den 550 Affenpocken-Infektionen in Verbindung stehen, die seit Anfang Mai 2022 in Europa und den USA gemeldet wurden (Stand: 1. Juni 2022).

Doch die auf Social Media, Twitter und Telegram verbreitete Behauptung ist haltlos. Der den Postings beigefügte Beipackzettel des AstraZeneca-Impfstoffs, der den Hinweis zum «chimpanzee adenovirus» enthält, beweist einzig, dass die Urheberinnen und Urheber sich mit Viren nicht auskennen. Denn während es sich beim Virus im Impfstoff um ein Adenovirus handelt, gehört das Affenpockenvirus (Orthopoxvirus simiae) zur Gattung der Orthopoxviren.

Andere Funktionsweise, andere Folgen

Beide haben eine völlig andere Funktionsweise, so Stephan Becker, stellvertretender Koordinator für neu auftretende Infektionskrankheiten beim Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) gegenüber Correctiv.org: «Beide befinden sich in unterschiedlichen Teilen der infizierten Zellen, das Adenovirus geht in den Zellkern, das Affenpockenvirus vermehrt sich im Zytosol der Zellen.» Als Zytosol wird Flüssigkeit innerhalb einer Zelle bezeichnet.

Adenoviren und Orthopoxviren sorgen auch für unterschiedliche Beschwerden: Erstere lösen unter anderem Erkrankungen der Atemwege, des Magen-Darm-Traktes oder der Augenbindehaut und Hornhaut aus, zweitere sind je nach Art für verschiedene Pockenkrankheiten verantwortlich. Auch die in den 1970er-Jahren mittels Impfung ausgerotteten Echten Pocken wurden durch ein Orthopoxvirus (Orthopoxvirus variola) ausgelöst.

Das Affenpockenvirus, das mittlerweile in 30 Ländern ausserhalb Afrikas bei Menschen nachgewiesen wurde, verursacht Fieber, Kopf-, Rücken- und Muskelschmerzen sowie geschwollene Lymphknoten und Pusteln auf der Haut, die bei schweren Verläufen tiefe Narben hinterlassen können.

Affenpocken sind keine Affenkrankheit

Darum hat es ein Adenovirus im Impfstoff

Dass im Impfstoff von AstraZeneca überhaupt ein Adenovirus zum Einsatz kommt, ist der Art des Vakzins geschuldet. Während die Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna auf mRNA-Basis beruhen, handelt es sich bei AstraZenecas Vaxzevria um einen sogenannten Vektorimpfstoff. Bei solchen wird genetisches Material eines Erregers, gegen den die Impfung schützen soll, mittels eines gentechnisch modifizierten und damit harmlosen und nicht vermehrungsfähigen Transportvirus in den Körper geschleust.

So funktioniert ein Vektorimpfstoff.

Swissmedic

Im Fall von Vaxzevria handelt es sich um ein Adenovirus, das in unveränderter Form bei Schimpansen eine Erkältung auslöst, wie es in einer Mitteilung der University of Oxford heisst, die an der Entwicklung des Impfstoffes beteiligt war.

Die einzige Aufgabe des veränderten Virus ist es, die DNA des Coronavirus-Spike-Proteins in den Körper der oder des Geimpften zu transportieren, damit das Immunsystem das Protein erkennen und schlussendlich auch das Coronavirus selbst bekämpfen kann. Da auch die Adenoviren dem menschlichen Immunsystem bekannt sind, werden auch sie bekämpft und aus dem Körper getilgt. Entsprechend ist es auch logisch nicht zu erklären, warum die Affenpocken-Fälle erst jetzt, viele Monate nach den ersten Verabreichungen, auftauchen und nicht direkt danach. 

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