13.09.2017 22:14

Anfragen besorgter AmerikanerNein, Atombomben helfen nicht gegen Hurrikane

Nach unzähligen Anfragen sah sich die US-Wetterbehörde veranlasst, zu erklären, dass Nuklearwaffen nicht als Mittel gegen Tropenstürme taugen.

von
jcg

So mächtig Nuklearwaffen auch sind, gegen die Naturgewalten können sie wenig ausrichten. (Video: Tamedia/Vizzr)

Bereits zwei aussergewöhnlich starke Hurrikane haben in der diesjährigen Hurrikansaison, die offiziell noch bis zum 30. November dauert, das Festland der Vereinigten Staaten heimgesucht. Sie haben dort, wie bereits auf ihrem Weg durch die Karibik, viele Tote gefordert und enorme Schäden verursacht. Und sie zeigten einmal mehr, wie machtlos der Mensch gegen die Gewalt der Natur ist.

Angesichts dieser grenzenlosen Ohnmacht erstaunt es nicht, dass in manch einem Amerikaner die Wut hochkocht. Als mächtigste Nation der Welt sollte man doch gefälligst imstande sein, etwas gegen die verheerenden Stürme zu unternehmen. Schliesslich ist man eine Atommacht.

Behörde antwortet

Und so wird die amerikanische Wetter- und Ozeanografiebehörde (NOAA) während der Hurrikansaison regelmässig mit Anfragen besorgter Bürger überhäuft, weshalb man die Hurrikane nicht einfach wegbombe. Inzwischen wurde die Frage so oft gestellt, dass die NOAA beschlossen hat, detailliert darauf zu antworten.

So schreibt die Behörde: «Ungeachtet der Tatsache, dass dies den Sturmverlauf wohl nicht beeinflussen würde, vernachlässigt diese Vorgehensweise das Problem, dass sich der radioaktive Niederschlag mit den Passatwinden sehr schnell zum Festland hin bewegt und dort katastrophale Umweltprobleme verursachen würde.»

824'914 Hiroshima-Bomben

Und auch wenn man die radioaktive Verseuchung ausser Acht lässt, macht das die Bombenidee nicht besser. Denn ein durchschnittlicher Hurrikan ist ungeheuer energiereich. Pro Sekunde gibt er über den Wind 1,5 Billionen Joule ab und über den Regen und die Wolken gar 600 Billionen Joule. Auf 24 Stunden gerechnet entspricht das der Energie von 824'914 Hiroshimabomben, wie Iflscience.com schreibt.

Oder anders gesagt, um mit der Kraft eines Hurrikans gleichzuziehen, müsste man alle 20 Minuten eine 10-Megatonnen-Wasserstoffbombe zünden. Zum Vergleich: Die Hiroshima-Bombe hatte eine Sprengkraft von etwa 13 Kilotonnen TNT, die stärkste je zu Testzwecken gezündete Wasserstoffbombe 50 Megatonnen.

Man könnte nun einwenden, dass man eben früher zuschlagen müsste, bevor der Hurrikan seine ganze Kraft erreicht hat. Dass man also bereits tropische Tiefdruckgebiete mit Nuklearwaffen angreifen sollte. Doch abgesehen davon, dass es erneut das Problem der radioaktiven Verseuchung gibt, wäre auch hier eine Wasserstoffbombe viel zu schwach. Ausserdem entwickeln sich gerade einmal 6 Prozent der tropischen Tiefdruckgebiete zu Hurrikanen.

Damit ist klar: Nuklearwaffen mögen die Fähigkeit haben, die Menschheit auszulöschen, für die Natur sind sie nicht mehr als ein Frauenfurz. Und so lautet das Fazit der NOAA zum Konzept, Hurrikane wegzubomben: «Natürlich ist das keine gute Idee.»

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