Falsch ausgelegter Jahresbericht: Nein, Biontech stellt Wirkung und Sicherheit seines Impfstoffs nicht in Frage
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Falsch ausgelegter JahresberichtNein, Biontech stellt Wirkung und Sicherheit seines Impfstoffs nicht in Frage

Auf Social Media kursiert ein Screenshot, der angeblich beweist, dass am Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer erhebliche Zweifel bestehen. Doch die gezogenen Schlüsse sind falsch.

von
Fee Anabelle Riebeling
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Es ist möglich, dass wir nicht in der Lage sind, eine ausreichende Wirksamkeit oder Sicherheit unseres Covid-19-Impfstoffs nachzuweisen, um eine dauerhafte Zulassung in den USA, Grossbritannien, der EU oder anderen Ländern zu erhalten, in denen er für den Notfalleinsatz zugelassen ist oder eine bedingte Marktzulassung erhalten hat.» – Dieser Satz sorgt in den sozialen Medien für Aufregung.

Es ist möglich, dass wir nicht in der Lage sind, eine ausreichende Wirksamkeit oder Sicherheit unseres Covid-19-Impfstoffs nachzuweisen, um eine dauerhafte Zulassung in den USA, Grossbritannien, der EU oder anderen Ländern zu erhalten, in denen er für den Notfalleinsatz zugelassen ist oder eine bedingte Marktzulassung erhalten hat.» – Dieser Satz sorgt in den sozialen Medien für Aufregung.

Screenshot Twitter
Einige Menschen fassen ihn so auf, als würde Biontech damit zugeben, dass sein Covid-19-Impfstoff nicht das hält, was versprochen wird. 

Einige Menschen fassen ihn so auf, als würde Biontech damit zugeben, dass sein Covid-19-Impfstoff nicht das hält, was versprochen wird. 

Screenshot Facebook
Auch einige einschlägige Portale interpretieren die Aussage so. Doch sie missinterpretieren das Ganze.

Auch einige einschlägige Portale interpretieren die Aussage so. Doch sie missinterpretieren das Ganze.

Screenshot Twitter.

Darum gehts

  • Einigen Social-Media-Posts und Berichten zufolge soll das Unternehmen Biontech an Sicherheit und Wirksamkeit des eigenen mRNA-Präparates zweifeln. 

  • Als Beweis führen die Anhängerinnen und Anhänger dieser Behauptung eine Passage aus einer aktuellen Veröffentlichung des Unternehmens für die US-Börsenaufsicht an. 

  • Doch die Passage wurde aus dem Zusammenhang gerissen und missinterpretiert. 

  • Bei dem zitierten Absatz handelt es sich um einen von der Börsenaufsicht vorgeschriebenen Warnhinweis, durch den mögliche Schadenersatzklagen von Investoren vermieden werden sollen.

Bis zum 10. April 2022 haben die Unternehmen Biontech und Pfizer «weltweit mehr als 3,3 Milliarden Dosen» des gemeinsamen Covid-19-Impfstoffs ausgeliefert. So teilt es der US-Konzern gegenüber 20 Minuten mit. Milliarden Dosen wurden bereits verimpft. Wie das Vakzin von Moderna, ebenfalls ein mRNA-Impfstoff, gilt Comirnaty als sicher und hochwirksam.

Doch nun kursiert in den sozialen Medien ein Screenshot, der angeblich beweist, dass der Entwickler selbst von seinem Vakzin gar nicht überzeugt ist: «Es ist möglich, dass wir nicht in der Lage sind, eine ausreichende Wirksamkeit oder Sicherheit unseres Covid-19-Impfstoffs nachzuweisen, um eine dauerhafte Zulassung in den USA, Grossbritannien, der EU oder anderen Ländern zu erhalten, in denen er für den Notfalleinsatz zugelassen ist oder eine bedingte Marktzulassung erhalten hat», heisst es darin. Die entsprechende Stelle ist gelb hervorgehoben (siehe Bildstrecke) und wird unter anderem auf Twitter und Facebook spöttisch kommentiert. Jedoch zu Unrecht. 

Risiko-Nennung dient der Absicherung

Die markierte Aussage wurde aus dem Zusammenhang gerissen. So zeigt der Screenshot lediglich einen kleinen Ausschnitt eines eigentlich mehrere 100 Seiten langen Berichts, der an die US-Börsenaufsicht gerichtet ist. Konkret handelt es sich dabei um ein sogenanntes 20-F-Formular (Form 20-F, siehe Box), das am 30. März 2022 auf der Biontech-Website veröffentlicht wurde.

Was heisst «Form 20-F»?

Alle ausländischen Wertpapierherausgeber, die Aktien an den US-Börsen gelistet haben, sind verpflichtet, der US-Börsenaufsicht SEC jährlich ein 20-F-Dokument vorzulegen. Ziel des Formulars 20-F ist es, die Berichtspflichten von Unternehmen mit Sitz im Ausland zu vereinheitlichen, damit Anleger diese Anlagen neben inländischen Aktien bewerten können. Aufbau und Vorgehen sind entsprechend fix vorgegeben. So muss ein Form 20-F jeweils innerhalb von vier Monaten nach Ende des Geschäftsjahres des Unternehmens eingereicht werden. Zudem müssen Warnhinweise («cautionary statements») hinsichtlich zukunftsgerichteter Aussagen der Geschäftsführung enthalten sein. Laut dem Portal Nerdwire.de sollen diese mögliche Schadenersatzklagen von Investoren vermeiden.

Entsprechend den Form 20-F-Vorgaben finden auch in dem Biontech-Bericht alle denkbaren Risiken für das Geschäftsergebnis Erwähnung. Auch wenn es für diese keinerlei Anlass gibt. Ihre Nennung dient lediglich einer Absicherung und ist damit juristisch motiviert, so Nerdwire.de. «Zu den Unwägbarkeiten, die in dem Papier (ab Seite 4) aufgeführt werden, gehört auch die Konkurrenz anderer Impfstoffe und deren Effizienz, Kosten, Transport- und Lagermöglichkeiten, Sicherheit, Nebenwirkungen und Dauerhaftigkeit der Immunantwort.» 

Biontech steht hinter seinem Corona-Impfstoff

Um ein Schuldeingeständnis, wie von den Social-Media-Nutzerinnen und -Nutzern sowie einschlägigen Portalen wie Epochtimes.de, Tkp.at und der für die Verbreitung von Falschmeldung bekannten Seite Report24.news behauptet, handelt es sich bei der Biontech-Veröffentlichung also nicht. Auch gibt sich das Unternehmen anders als von dem bayerischen AfD-Politiker Andreas Winhard in einer Medienmitteilung behauptet nicht «kleinlaut». Die Verfasser ignorieren bei ihrer Interpretation des Berichts auch, dass der Impfstoff von Biontech/Pfizer in den USA im August 2021 die vollständige Zulassung erhalten hat. Sie gilt dort für alle Menschen ab 16 Jahren.

Vielmehr bestätigt Biontech den derzeitigen Stand der Wissenschaft: Der Impfstoff aus eigenem Hause «bietet ein hohes Mass an Schutz gegen bedenkliche Varianten, einschließlich Alpha, Beta und Delta». Weiter heisst es auf Seite 91 des Berichts, dass Laborstudien gezeigt hätten, dass drei Dosen von BNT162b2, wie Comirnaty auch genannt wird, die Sars-CoV-2 Omikron-Variante neutralisieren.

Im Zusammenhang mit dem neuartigen Coronavirus und der Pandemie tauchten in den vergangenen Monaten immer wieder neue Gerüchte und Theorien auf. Vielen davon hat sich 20 Minuten angenommen. Den Corona-Faktencheck-Ticker findest du hier.

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BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Safezone.ch, anonyme Onlineberatung bei Suchtfragen

Branchenhilfe.chRatgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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