Das WEF will sexualisierte Gewalt an Kindern nicht legalisieren

Aktualisiert

Beweise sind gefälschtNein, das WEF will sexualisierte Gewalt an Kindern nicht legalisieren

Auf Social Media kursiert ein Artikel, laut dem das WEF sich positiv über sexualisierte Gewalt an Kindern geäussert hat. Das ist gelogen. Die herbeigezogenen «Belege» sind allesamt gefälscht.

von
Fee Anabelle Riebeling
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Instagram, Twitter, Facebook & Co.: Auf Social Media wird die Behauptung verbreitet, das World Economic Forum (WEF) habe vor, sexualisierte Gewalt an Kindern zu legalisieren. Das ist aber falsch, worauf mittlerweile auch auf den verschiedenen Plattformen hingewiesen wird. 

Instagram, Twitter, Facebook & Co.: Auf Social Media wird die Behauptung verbreitet, das World Economic Forum (WEF) habe vor, sexualisierte Gewalt an Kindern zu legalisieren. Das ist aber falsch, worauf mittlerweile auch auf den verschiedenen Plattformen hingewiesen wird. 

Screenshot Instagram
Das World Economic Forum habe sich nie zu diesem Thema geäussert, so ein WEF-Sprecher. 

Das World Economic Forum habe sich nie zu diesem Thema geäussert, so ein WEF-Sprecher. 

AFP
Die Falschbehauptung stammt von Newspunch.com. Das Portal ist bekannt für die Verbreitung von Fake News. Wörtlich hiess es dort, «das WEF fordert nun die Entkriminalisierung von Sex mit Kindern und argumentiert, dass Gesetze gegen ‹alterslose Liebe›, besser bekannt als Pädophilie, ‹gegen die Menschenrechte verstossen›».

Die Falschbehauptung stammt von Newspunch.com. Das Portal ist bekannt für die Verbreitung von Fake News. Wörtlich hiess es dort, «das WEF fordert nun die Entkriminalisierung von Sex mit Kindern und argumentiert, dass Gesetze gegen ‹alterslose Liebe›, besser bekannt als Pädophilie, ‹gegen die Menschenrechte verstossen›».

Screenshot Newspunch

Darum gehts

  • Das WEF soll angeblich die Legalisierung von sexualisierter Gewalt an Kindern planen.

  • Doch die via Social Media verbreitete Behauptung ist falsch, sie stammt von einem bekannten Fake-News-Portal.

  • Der Autor des Artikels nennt mehrere Beweise für seine Behauptung, die aber nicht existieren.

  • Die Behauptungen sind «frei erfunden», teilt das WEF mit.

  • Auch Faktencheckerinnen und Faktenchecker weltweit konnten keine Belege dafür finden.

Das World Economic Forum (WEF) in Davos ist in vollem Gange und auch die Verbreitung von damit zusammenhängenden Falschbehauptungen läuft auf Hochtouren. Neben den seit Jahren kursierenden Verschwörungstheorien, die meist im Zusammenhang mit dem WEF-Gründer Klaus Schwab stehen, sind im Jahr 2023 auch neue hinzugekommen.

So wurde etwa behauptet, reiche Geschäftsleute würden bei Flügen ihrer Führungskräfte zum WEF auf ungeimpfte Crews für ihre Privatjets bestehen und die WEF-Verantwortlichen erwarteten in diesem Jahr besondere Probleme. Beide Behauptungen sind falsch. Genauso wie die, dass Schwab vor versteckter Kamera zugegeben habe, Macht über unter anderem die Medien, Politiker und Forschende zu haben.

Falsch sind auch die Gerüchte, wonach das WEF Pädophilie gutheisst und sexualisierte Gewalt an Kindern legalisieren will. Die angeblichen Beweise sind gefälscht.

Falschbehauptung stammt von bekannter Fake-News-Seite

Das Gerücht, das WEF wolle Pädophilie entkriminalisieren, kursiert auf verschiedenen Social-Media-Plattformen (zum Beispiel hier, hier und hier). Einige Posts verweisen auf einen Artikel auf Newspunch.com von Anfang Januar. Das Portal, das früher als Yournewswire.com firmierte, ist bekannt für die Verbreitung von Falschinformationen. Wörtlich hiess es dort, «das WEF fordert nun die Entkriminalisierung von Sex mit Kindern und argumentiert, dass Gesetze gegen ‹alterslose Liebe›, besser bekannt als Pädophilie, ‹gegen die Menschenrechte verstossen›».

Andere Beiträge verlinken auf ein Video, das von The People's Voice veröffentlicht wurde. Die Firma ist wiederum mit Newspunch.com verbunden. Das Video ist auch in dem Newspunch-Artikel eingebettet.

Behauptungen sind «frei erfunden»

Der Autor des Textes gibt vor, seine Aussage auf ein Forschungspapier zu stützen, das am WEF vorgestellt worden sei und das «Phänomen der Pädophilen» als Versuch darstellt, «die Erde zu reinigen und die Menschheit vor sich selbst zu ‹retten›.» Doch ein solches Dokument gibt es nicht, wie ein WEF-Sprecher auf Anfrage sagt. Die Behauptung sei «frei erfunden». Gleiches gelte auch für ein vermeintliches Zitat Schwabs, auf das der Newspunch-Autor vorgibt, sich zu berufen. Recherchen von 20 Minuten bestätigen das: Es konnten keine Belege für die Behauptungen gefunden werden. Auch die Suchen von Faktencheckern und Faktencheckerinnen der Nachrichtenagenturen Reuters und AFP blieben ergebnislos.

Pädophil heisst nicht pädokriminell

Angebliche WEF-Tweets sind gefälscht

Um eine Fälschung handelt es sich laut dem WEF-Sprecher auch bei dem Screenshot, der vom offiziellen WEF-Twitter-Account stammen soll. «Altersunterschieds-Liebesgesetze verletzen die Menschenrechte», heisst es darin. Laut dem Sprecher hat das WEF «niemals einen solchen Tweet veröffentlicht». Weder das Faktencheck-Team von 20 Minuten noch eines von anderen Portalen konnte einen solchen auf der Live- oder archivierten Version finden.

Anschuldigungen, dass das WEF in einer Erklärung Pädophilie fördere, spiegeln laut Reuters «die Rhetorik der unbegründeten QAnon-Verschwörungstheorie wider, die sich auf Anschuldigungen der Kinderausbeutung konzentriert.» Es ist nicht das erste Mal, dass das WEF damit in Verbindung gebracht wird. Bereits im Sommer 2021 sollte mithilfe von Screenshots, die nur angeblich vom WEF-Twitter-Account stammten, der Eindruck erweckt werden, das WEF habe über Gesetze zum Schutzalter von Kindern getwittert, und gefordert, die Schwelle auf 13 Jahre zu senken. Auch diese angeblichen Beweise verurteilte ein WEF-Sprecher gegenüber Reuters als «völlig falsch.» Die Unauffindbarkeit eines solchen Posts bestätigten damals auch einige Twitter-User:

Bist du dieses Jahr auch schon über WEF-Gerüchte gestolpert?

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Auch dieser Tweet stützt eine Verschwörungstheorie: Dieses in den sozialen Medien geteilte Video soll heimlich gefilmt worden sein und beweisen, dass WEF-Gründer Klaus Schwab gesagt hat, die Macht über die WEF-Stakeholder zu haben. Doch weder wurde das Video heimlich aufgenommen noch äussert sich Schwab, wie von den Social-Media-Userinnen und -Usern behauptet. 

Auch dieser Tweet stützt eine Verschwörungstheorie: Dieses in den sozialen Medien geteilte Video soll heimlich gefilmt worden sein und beweisen, dass WEF-Gründer Klaus Schwab gesagt hat, die Macht über die WEF-Stakeholder zu haben. Doch weder wurde das Video heimlich aufgenommen noch äussert sich Schwab, wie von den Social-Media-Userinnen und -Usern behauptet. 

Screenshot Twitter
Der rund 50-sekündige Ausschnitt stammt aus einem eigentlich fast 16-minütigen Video, das seit dem Jahr 2007 auf dem offiziellen Youtube-Kanal des WEF zu finden ist. Wer die Originalversion schaut, dem wird klar, dass die Behauptungen auf Social Media falsch sind. 

Der rund 50-sekündige Ausschnitt stammt aus einem eigentlich fast 16-minütigen Video, das seit dem Jahr 2007 auf dem offiziellen Youtube-Kanal des WEF zu finden ist. Wer die Originalversion schaut, dem wird klar, dass die Behauptungen auf Social Media falsch sind. 

Screenshot Youtube/@wef
Gefilmt hat das Video der Franzose Loïc Le Meur. Ihn begrüsst Schwab zu Beginn des Videos namentlich: Auf das «Guten Morgen, Klaus» von Le Meur antwortet der WEF-Gründer: «Guten Morgen, Loïc.»

Gefilmt hat das Video der Franzose Loïc Le Meur. Ihn begrüsst Schwab zu Beginn des Videos namentlich: Auf das «Guten Morgen, Klaus» von Le Meur antwortet der WEF-Gründer: «Guten Morgen, Loïc.»

REUTERS

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