WEF 2023 Davos: Nur ein Teil der 5000 Soldaten wird eingesetzt

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Irreführende PostsNein, dass 5000 Soldaten das WEF unterstützen, kündet nicht von «Ärger»

Mehrere Tweets sind so formuliert, dass sie den Eindruck erwecken, die WEF-Verantwortlichen erwarteten in diesem Jahr besondere Probleme. Dem ist nicht so.

von
Fee Anabelle Riebeling
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«5000 Soldaten zum Schutz des WEF in Davos. Erwarten sie Ärger?» Posts wie dieser deuten an, das WEF müsse dieses Jahr besonders gut geschützt werden. Doch der Post ist irreführend.

«5000 Soldaten zum Schutz des WEF in Davos. Erwarten sie Ärger?» Posts wie dieser deuten an, das WEF müsse dieses Jahr besonders gut geschützt werden. Doch der Post ist irreführend.

Screenshot Twitter
Abgesetzt – und damit für eine weite Verbreitung gesorgt – hat ihn auch der umstrittene Internetunternehmer Kim Dotcom. Richtiger wird die damit transportierte Behauptung aber nicht. 

Abgesetzt – und damit für eine weite Verbreitung gesorgt – hat ihn auch der umstrittene Internetunternehmer Kim Dotcom. Richtiger wird die damit transportierte Behauptung aber nicht. 

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Das Parlament hat aber lediglich – wie in früheren Jahren auch – eine Obergrenze von 5000 Armeeangehörigen zur Unterstützung des WEF festgelegt. 

Das Parlament hat aber lediglich – wie in früheren Jahren auch – eine Obergrenze von 5000 Armeeangehörigen zur Unterstützung des WEF festgelegt. 

AFP

Darum gehts

  • Einige Social-Media-Posts erwecken den Eindruck, das WEF müsse dieses Jahr besonders gut geschützt werden.

  • Dem ist aber nicht so: Schon in früheren Jahren stellten Armeeangehörige die Sicherheit am WEF sicher. 

  • Die irreführenden Behauptungen in den sozialen Medien basieren auf dem Artikel eines Portals, das für die Verbreitung von Verschwörungstheorien bekannt ist.

  • Dieser wiederum fusst auf einer Medienmitteilung der Schweizer Armee.

Wenn das World Economic Forum (WEF) in Davos stattfindet, geben sich nicht nur Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft in dem Bergdorf die Ehre. Es tauchen auch alte und neue Verschwörungserzählungen rund um die 1971 gegründete Konferenz auf. Durch Social Media finden sie schnell Verbreitung, auch wenn sie jeder Grundlage entbehren.

Aktuell wird etwa verbreitet, Politik und Wirtschaft wollten den privaten Autobesitz verbieten und die Tötung von Haustieren fordern. Oder, dass das WEF Weihnachten abschaffen möchte. Doch nichts davon entspricht den Tatsachen. Genauso wenig wie die Behauptung, die WEF-Veranstalter erwarteten Probleme und würden deshalb 5000 Soldaten nach Davos beordern.

Die Behauptung

Auf Twitter wird der Screenshot eines Artikels mit dem Titel «Die Schweiz setzt zum Schutz des WEF in Davos 5000 Armeeangehörige ein» geteilt (siehe Bildstrecke). In den dazugehörigen Tweets werden Fragen gestellt: «Klaus Schwab braucht 5000 Soldaten, um das diesjährige #WEF-Treffen zu schützen. Was glaubst du, worüber sie sich Sorgen machen?», tweetete etwa der umstrittene Internetunternehmer Kim Dotcom. Ein anderer Twitter-User schrieb: «5000 Soldaten zum Schutz des WEF in Davos. Erwarten sie Ärger?»

Mit den Kommentaren erwecken die Postenden den Eindruck, dass etwas bevorstehen würde. Etwas, von dem die Veranstalter der Konferenz, aber nicht die Normalbevölkerung Kenntnis hätten. Dem ist aber nicht so: Das Schweizer Parlament hat lediglich – wie in früheren Jahren auch – eine Obergrenze von 5000 Armeeangehörigen zur Unterstützung des WEF festgelegt.

Das hat es mit den Soldaten am WEF auf sich

Die vorwiegend auf Twitter verbreiteten Posts sind irreführend. Sie basieren auf einem auf Halturnerradioshow.com veröffentlichten Artikel. Das Portal ist für die Verbreitung von Falschbehauptungen bekannt. Dahinter steckt der Amerikaner Hal Turner, ein Holocaust-Leugner und «rechter Verschwörungstheoretiker», der im Jahr 2010 zu 33 Monaten Gefängnis verurteilt worden ist, «weil er drei Bundesberufungsrichter in Chicago wegen einer Entscheidung zur Aufrechterhaltung des Handfeuerwaffenverbots bedroht hat

Der Artikel wiederum basiert auf einer Meldung der Schweizer Armee, laut der «das eidgenössische Parlament für den WEF-Einsatz der Armee im Assistenzdienst, der vom 10. bis 26. Januar dauert, eine Obergrenze von 5000 Armeeangehörigen festgelegt hat.» Bereits im ersten Satz – und auch im weiteren Verlauf der Mitteilung – findet sich der Hinweis darauf, dass diese Sicherheitsvorkehrungen nicht neu sind und bereits für frühere WEF-Konferenzen genehmigt wurden. Das zeigen auch Medienartikel aus früheren Jahren (hier und hier).

Aus der Medienmitteilung ist auch ersichtlich, dass nur ein Teil der 5000 Armeeangehörigen in Davos eingesetzt werden soll: «Ein Teil davon kommt für das Jahrestreffen vom 16. bis 20. Januar direkt in der Landschaft Davos zum Einsatz. Ein anderer Teil schützt zusätzlich Infrastruktureinrichtungen und erbringt in der ganzen Schweiz Leistungen in den Aufgabenbereichen der Luftwaffe, der Logistik sowie der Führungsunterstützung.»

Die Organisatoren gingen im Vorfeld davon aus, dass es – wie in anderen Jahren – wieder zu Protesten gegen die Veranstaltung komme.

Fazit

Das Parlament hat den Einsatz von bis zu – das heisst: maximal – 5000 Armeeangehörigen anlässlich des WEFs genehmigt. Das bedeutet nicht, dass tatsächlich alle zum Einsatz kommen. Auch kommt nur ein Teil davon in Davos zum Einsatz. Andere Teile schützen Infrastruktureinrichtungen ausserhalb des Kongressortes und erbringen Leistungen in Logistik und Führungsunterstützung – so wie in früheren Jahren auch.

Die Social-Media-Posts schüren damit unbegründet Unsicherheiten und erwecken den Eindruck, die «Elite» wüsste etwas, das der Normalbevölkerung vorenthalten wird. Dabei handelt es sich um ein typisches Vorgehen von Verbreitenden von Falschbehauptungen: «Es ist ein Kern von Verschwörungstheorien, dass Handlungen immer von böswilliger Absicht bestimmt gesehen werden», wie Psychologin Lotte Pummerer vom Leibniz-Institut für Wissensmedien (IWM) in Tübingen der DPA erklärte. «Das unterscheidet sie von sachlicher Kritik, die auf Fakten fusst und Veränderung herbeiführen möchte.»

Warst du schon einmal während des WEFs in Davos? 

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