Behauptung nachgeprüft: Nein, der «Stern» hat Selenski nicht als «König der Lügen» bezeichnet
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Behauptung nachgeprüftNein, der «Stern» hat Selenski nicht als «König der Lügen» bezeichnet

In den sozialen Medien kursiert die Behauptung, das deutsche Magazin «Stern» habe dem ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenski einen unrühmlichen Titel verpasst. Dabei handelt es sich jedoch um Fake News.

von
Fee Anabelle Riebeling
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Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski ist dieser Tage häufig zu sehen. (Im Bild: Selenski im  Videocall mit Ursula von der Leyen, der Präsidentin der Europäischen Kommission, 9. Mai 2022.)

Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski ist dieser Tage häufig zu sehen. (Im Bild: Selenski im  Videocall mit Ursula von der Leyen, der Präsidentin der Europäischen Kommission, 9. Mai 2022.)

via REUTERS
Dies sowohl im Zusammenhang mit der Berichterstattung über den Krieg in der Ukraine … (Im Bild: Selenski während des Treffens mit dem kanadischen Premierminister Justin Trudeau, 8. Mai 2022.)

Dies sowohl im Zusammenhang mit der Berichterstattung über den Krieg in der Ukraine … (Im Bild: Selenski während des Treffens mit dem kanadischen Premierminister Justin Trudeau, 8. Mai 2022.)

REUTERS
… als auch in Form von Memes. Auf diesem ist er – in Anlehnung an den Superhelden «Captain America» – als «Captain Ukraine» dargestellt.

… als auch in Form von Memes. Auf diesem ist er – in Anlehnung an den Superhelden «Captain America» – als «Captain Ukraine» dargestellt.

Screenshot Twitter/@seladadefruta

Darum gehts

Aufgrund des Krieges in der Ukraine kommt der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski derzeit täglich in den Medien vor. Thema ist dabei in der Regel, wie er für sein Land einsteht und um Hilfe bittet. Doch nun ist auf Facebook und Twitter ein Screenshot aufgetaucht, der angeblich das Cover einer Ausgabe des deutschen Magazins «Stern» zeigt. Darauf wird Selenski als «König der Lügen» bezeichnet. Doch das Bild wurde manipuliert.

Auf der echten «Stern»-Ausgabe wird der Politiker, der dort in der ukrainischen Schreibweise – Wolodymyr Selenskyj – geführt wird, als «Held der Freiheit» bezeichnet. Das zeichnete 20 Minuten auf mehreren Wegen nach.

«Held der Freiheit» überall bei «Stern»

Die umgekehrte Bildersuche führte zu Postings auf den offiziellen Kanälen des Magazins auf Facebook, Instagram und Twitter, in denen die entsprechende Heft-Ausgabe angekündigt wird – jeweils mit dem Hinweis auf den Original-Titel: «Wolodymyr Selenskyj – Held der Freiheit.» Auch auf dem jeweils abgebildeten Cover ist er zu lesen, genauso wie auf den Ausgaben (Print und ePaper), die im Shop des «Stern» angeboten werden.

Der Blick in die «Leseprobe» gewährt zudem Blick auf das Inhaltsverzeichnis der Ausgabe. Dort findet sich der Hinweis auf den entsprechenden Artikel, der ganz und gar nicht zu dem vermeintlichen Titel auf den Screenshots, dafür aber zu dem Original-Titel passt: «Wolodymyr Selenskyj: Unfassbarer Mut, Talent – und die Umstände – machen den ukrainischen Präsidenten zum Freiheitshelden.» Auch in der Online-Version (kostenpflichtig) des Artikels wird Selenski als «Freiheitsheld» bezeichnet.

Weitere Belege

Dass es sich bei dem hundertfach geteilten Screenshot um eine Fälschung handelt, bestätigte Ewgenia Klaschik, Sprecherin des Verlagshauses hinter dem «Stern». In einer Mail an die Nachrichtenagentur AFP stellte sie klar: «Die Unterschrift auf dem Cover mit dem ‹König der Lügen› ist so definitiv nicht im ‹Stern› erscheinen.» In dem Portrait werde die «politische Wucht» seiner öffentlichen Auftritte analysiert.

Wie die Faktencheckerinnen und Faktenchecker der DPA schreiben, wird die Bezeichnung Selenskis als Held auch in einem Interview mit einem Kommunikationswissenschaftler im Onlinemagazin Uebermedien.de thematisiert, wo ebenfalls das Original-Cover zu sehen ist.

So falsch wie die Manipulation ist auch der Kommentar, der entweder Teil des Screenshots ist oder diesem zur Seite gestellt wurde: «Noch vor einem Jahr nannte man ihn den König der Lügen. Daran hat sich bis heute nichts geändert.» Denn das Original-Titelbild erschien nicht, wie von den Userinnen und Usern in den im Mai 2022 abgesetzten Posts behauptet, im Jahr 2021, sondern am 10. März 2022 dieses Jahres (siehe Bildstrecke). 

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