Abstimmungen vom 15. Mai: Nein, es wird keine Penistransplantationen geben
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Abstimmungen vom 15. MaiNein, es wird keine Penistransplantationen geben

Im Abstimmungskampf um das Transplantationsgesetz kursiert ein neues Argument: Auch Penisse könnten Verstorbenen entnommen werden. Das stimme nicht, sagen Experten.

von
Marino Walser
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In Zukunft würden Verstorbenen im Rahmen der Organspende auch der Penis entnommen und transplantiert werden können, schreibt die Online-Plattform «Infosperber» in einem Artikel, der klar gegen die Vorlage zielt.

In Zukunft würden Verstorbenen im Rahmen der Organspende auch der Penis entnommen und transplantiert werden können, schreibt die Online-Plattform «Infosperber» in einem Artikel, der klar gegen die Vorlage zielt.

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Franz Immer, Direktor der Stiftung Swisstransplant, der sich für das neue Transplantationsgesetz engagiert, sagt: «Der Penis ist nicht auf der Liste der Organe, die in der Schweiz transplantiert werden dürfen.»

Franz Immer, Direktor der Stiftung Swisstransplant, der sich für das neue Transplantationsgesetz engagiert, sagt: «Der Penis ist nicht auf der Liste der Organe, die in der Schweiz transplantiert werden dürfen.»

PD/ Swiss Transplant
Auch Alecs Recher, Grüne-Politiker und Jurist bei Transgender Network Switzerland, weiss nichts von Penis-Transplantationen in der Schweiz – auch nicht im Zusammenhang mit Geschlechts-Operationen.

Auch Alecs Recher, Grüne-Politiker und Jurist bei Transgender Network Switzerland, weiss nichts von Penis-Transplantationen in der Schweiz – auch nicht im Zusammenhang mit Geschlechts-Operationen.

TGNS Transgender Network Switzerland

Darum gehts

  • Im Abstimmungskampf um das Transplantationsgesetz taucht ein kurioses Argument auf.

  • In Zukunft würde Verstorbenen im Rahmen der Organspende auch der Penis entnommen und transplantiert werden können.

  • Experten und Expertinnen sagen, dass eine Penis-Transplantation in der Schweiz so oder so nicht erlaubt ist. 

  • Auch für eine Geschlechtsangleichung wird keine Penis-Transplantation genutzt.

Die Schweizer Stimmberechtigten entscheiden am 15. Mai unter anderem über das Transplantationsgesetz. Damit würde die sogenannte Widerspruchslösung eingeführt: Wer seine Organe nicht spenden will, soll das künftig ausdrücklich festhalten.

Nun taucht im Abstimmungskampf ein kurioses Argument gegen die Vorlage auf: In Zukunft würde Verstorbenen im Rahmen der Organspende auch der Penis entnommen und transplantiert werden können, schreibt die Online-Plattform «Infosperber» in einem Artikel, der klar gegen die Vorlage zielt.

«Das Gesetz definiert die ‘Organe’ und ‘Gewebe’ nicht näher, die einer Person, die sich nicht in ein Widerspruch-Register eintrug, entnommen werden dürfen. Auch Penisse gehören zu den möglichen Organen», schreibt ein Autor bei Infosperber. Mittlerweile hat sich der Autor zum Geschriebenen geäussert und entsprechende Korrekturen vorgenommen (siehe Box).

Penis-Transplantation ist in der Schweiz nicht erlaubt

Allerdings wissen Experten und Expertinnen nichts von solchen Penis-Transplantationen in der Schweiz, wie die Recherche von 20 Minuten ergibt. Weder habe es in der Vergangenheit solche gegeben, noch seien sie in irgendeiner Weise ein Thema, sagt Franz Immer, Direktor der Stiftung Swisstransplant, der sich für das neue Transplantationsgesetz engagiert.

Es gebe auch keine Nachfrage: «In den 14 Jahren, in denen ich für Swisstransplant arbeite, ist nicht einmal im entferntesten eine solche Anfrage an mich gelangt», sagt Immer. Zwar seien in Gesprächen zwischen Kollegen schon allerlei komplexe und verrückte Ideen angeschaut worden, «aber über eine Penis-Transplantation wurde nie diskutiert.»

Unabhängig vom Ausgang der Abstimmung wäre eine Penis-Transplantation in der Schweiz auch nicht erlaubt, sagt Immer. Es gebe eine Liste von Organen, die transplantiert werden dürfen. «Der Penis ist nicht auf dieser Liste.» Zuerst müsste die Liste ergänzt werden, dies wiederum setze eine Bewilligung vom Bund voraus. «Als Beispiel: Auch Hand- und Arm-Transplantationen sind in der Schweiz nicht erlaubt», sagt Immer.

Das Bundesamt für Gesundheit schreibt auf Anfrage, dass die Penis-Transplantation keine etablierte Transplantation sei und ein Eingriff viele Risiken birgt. Zudem müssten noch viele ethische, medizinische und rechtliche Fragen geklärt werden. «In der Schweiz wird deshalb die Penis-Transplantation nicht durchgeführt», schreibt das BAG.

Weltweit gab es allerdings bereits Penis-Transplantationen. So beispielsweise in Amerika, als Thoma Manning nach einer 15-stündigen Operation von einem verstorbenen Spender transplantiert bekommen hatte. Manning wurde der Penis aufgrund einer Krebserkrankung amputiert.

Geschlechtsangleichungen benötigen keine Transplantationen

In der Schweiz sind Penis-Transplantationen auch im Rahmen von Geschlechts-Angleichungen kein Thema. Obwohl es häufig operative Eingriffe im Genitalbereich gibt. Doch es sei auch in diesem Bereich ausgeschlossen, dass man auf eine Penis-Transplantation zurückgreife, sagt Franz Immer. Die Angleichung des Geschlechts wird während eines operativen Eingriffs rekonstruiert», sagt Immer. Dabei werde auf körpereigenes Gewebe zurückgegriffen.

Auch Alecs Recher, Jurist bei Transgender Network Switzerland, weiss nichts von Penis-Transplantationen in der Schweiz – auch nicht im Zusammenhang mit geschlechtsangleichenden Operationen. «Da es in der Schweiz ein solches Angebot nicht gibt, haben wir uns mit dieser Frage auch noch nie auseinandergesetzt.»

Autor hat Artikel angepasst:

Der Autor, der sich für den Artikel auf der Online-Plattform «Infosperber» verantwortlich zeigt, hat den Artikel 24 Stunden nach der Veröffentlichung angepasst und entsprechend gekennzeichnet. «Da ist mir tatsächlich ein dummer Fehler passiert», schreibt der Autor, nachdem er durch 20 Minuten auf den Artikel angesprochen wurde. 

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