Aus dem Zusammenhang gerissen: Nein, hier marschieren keine russischen Nazis auf
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Tweets sind falschNein, hier marschieren keine russischen Nazis auf

In Russland laufen die Vorbereitungen für die Parade zum Jahrestag des Sieges über Nazi-Deutschland auf Hochtouren. Doch nicht alle Bilder, die davon zeugen sollen, tun dies auch – und werden zudem falsch interpretiert.

von
Fee Anabelle Riebeling
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In Russland laufen die Vorbereitungen für die Militärparade anlässlich des «Tag des Sieges» am 9. Mai 2022. (Im Bild: Russische S-400 Triumf-Raketensysteme fahren am 4. Mai 2022 in Moskau zu den Proben zur Parade.)

In Russland laufen die Vorbereitungen für die Militärparade anlässlich des «Tag des Sieges» am 9. Mai 2022. (Im Bild: Russische S-400 Triumf-Raketensysteme fahren am 4. Mai 2022 in Moskau zu den Proben zur Parade.)

AFP
An diesem Tag feiert Russland den Jahrestag des Sieges über Nazi-Deutschland. (Im Bild: Russische Soldaten bei Proben für die Parade, Moskau, 4. Mai 2022)

An diesem Tag feiert Russland den Jahrestag des Sieges über Nazi-Deutschland. (Im Bild: Russische Soldaten bei Proben für die Parade, Moskau, 4. Mai 2022)

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Was in diesem Jahr an diesem Tag passieren wird, vermag angesichts des Kriegs in der Ukraine derzeit niemand vorauszusagen. (Im Bild: Eine Frau fotografiert am 28. April 2022 Militärfahrzeuge, die auf Moskaus Twerskaja-Strasse in Richtung Roter Platz zu den Proben fahren.)

Was in diesem Jahr an diesem Tag passieren wird, vermag angesichts des Kriegs in der Ukraine derzeit niemand vorauszusagen. (Im Bild: Eine Frau fotografiert am 28. April 2022 Militärfahrzeuge, die auf Moskaus Twerskaja-Strasse in Richtung Roter Platz zu den Proben fahren.)

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Darum gehts

  • Es ist nicht immer alles so, wie auf Social Media berichtet wird. 

  • Das zeigen aktuell verbreitete Tweets, in denen es um die Vorbereitungen der Parade zum Jahrestag des Sieges über Nazi-Deutschland geht. 

  • Einige beinhalten Fotos, die, anders als in den Tweets behauptet, nicht aus diesem Jahr, sondern aus früheren Jahren stammen. 

  • Auch die Anmerkungen zu den Armbinden, welche die abgebildeten Soldatinnen und Soldaten tragen, sind falsch. 

Wladimir Putins Rede und die Parade zum «Tag des Sieges» am 9. Mai 2022 werden mit Spannung erwartet. Es gibt Gerüchte über eine Generalmobilmachung. Zudem soll Russland nach Angaben Kiews am Jahrestag des Sieges über Nazi-Deutschland eine Militärparade in der südukrainischen Hafenstadt Mariupol planen. Was passieren wird, vermag derzeit niemand vorauszusagen.

Auch über das Ausmass der Feierlichkeiten herrscht Unklarheit. Während der russische Verteidigungsminister Sergei Schoigu Militärparaden in 28 russischen Städten ankündigt und mit «fast 65’000 Teilnehmenden» rechnet, spricht unter anderem Spiegel.de davon, dass die Feierlichkeiten in diesem Jahr kleiner ausfallen dürften als zuvor – weil Soldatinnen und Soldaten sowie Kriegsmaterial an der Front gebraucht werden. Und weil Putin in den vergangenen Kriegsmonaten bereits Soldatinnen und Soldaten im fünfstelligen Bereich verloren haben soll.

Sicher ist im Vorfeld nur: Die Vorbereitungen für den 9. Mai laufen auf Hochtouren. Davon zeugen jede Menge Fotos, die Fotografinnen und Fotografen von Bildagenturen gemacht haben (siehe Bildstrecke). Doch nicht alle Bilder, die auf Social Media verbreitet werden, sind auch in diesem Zusammenhang entstanden. Auch die abgebildeten Armbinden bedeuten nicht das, was einige meinen.

Warum diese Armbinden?

«Rote Armbinden, weisser Kreis, schwarzes Symbol. Russische Faschisten bereiten sich auf eine Parade vor, um ihren Krieg und Völkermord in Europa zu feiern», «Russische Soldaten beim Training für den Tag des Sieges. Der Kreis der Geschichte schliesst sich» – viele Twitter-Nutzerinnen und -Nutzer fühlen sich beim Anblick der Armbinden, die die russischen Soldatinnen und Soldaten auf den dazu geposteten Fotos tragen, an jene erinnert, die deutsche Faschisten in den 1930er- und 1940er-Jahren trugen. Bild-Redaktor Julian Röpcke ist einer von ihnen. Er kommentiert zu dem Soldatinnen-Bild aus dem Jahr 2019: «Es scheint, dass der Uniformdesigner der russischen Armee dringend entnazifiziert werden muss.»

Doch mit der deutschen Vergangenheit haben die Aufnahmen nichts zu tun, wie Rferl.org schreibt: Die Armbinden kämen in Russland mindestens seit dem Jahr 2012 zum Einsatz «und werden vermutlich getragen, um den Organisatoren der Parade zu helfen» – um die marschierenden Soldatinnen und Soldaten bei den Proben zur Parade zum «Tag des Sieges» besser lenken zu können. Statt Nazi-Symbolen zierten sie Nummern.

Die Verwirrung wegen der Armbinden ist nicht neu. Schon im 2019 zitierte das russische Portal Newizv.ru einen Social-Media-User, der sich angesichts der Binden fragte, ob «das die Frauenabteilung der Hitlerjugend» sei.

«Aus dem Zusammenhang gerissen»

Auf Twitter finden sich Posts mit Fotos von Personen in Militäruniformen, die laut Bildbeschreibungen alle in diesem Jahr entstanden sein sollen. Die Behauptungen sind falsch. Einige der Aufnahmen sind älter, wie die umgekehrte Bildersuche zeigt. Darauf weist auch Twitter hin: «Diese Medien werden aus dem Zusammenhang gerissen dargestellt», heisst es unter den entsprechenden Beiträgen.

Das auf dem Account @visegrad24 gepostete Bild etwa, das Frauen in schwarzen Outfits mit Armbinde zeigt, wurde erstmals im Jahr 2019 online gepostet. Aufgenommen hat es die die AFP-Fotografin Olga Maltseva. Darauf sind russische Soldatinnen zu sehen, die «am 26. April 2019 während einer Probe der Parade zum Tag des Sieges auf dem Dvortsovaya(Palast)-Platz im Zentrum von Sankt Petersburg marschieren», so die Agentur.

Neben diesem Bild sind auf dem Profil des Twitter-Users @sumlenny noch drei weitere abgebildet. Nur eines davon – das unten links (siehe Tweet) – ist aktuell. Es wurde am 28. April 2022 bei einer Probe für die Militärparade in Sankt Petersburg aufgenommen. Laut Maltseva, die ein ganz ähnliches Foto im Angebot hat (siehe Bildstrecke), handelt es sich bei den Männern um «russische Militärkadetten».

Die anderen beiden Bilder wurden in früheren Jahren aufgenommen. Das Foto oben links, das Frauen in Uniformen mit langen Hosen zeigt, tauchte zum ersten Mal im Jahr 2016 auf. Die Aufnahme von den Soldaten in dunkler Militärkleidung datiert Reibert.info, ein Anbieter von Militärkleidung, auf das Jahr 2018. Dabei beruft er sich auf die pro-russische Nachrichtenagentur Regnum. 2019 fand das Bild auch auf Newizv.ru Verwendung.

Ein weiteres Beispiel für das Nennen falscher Zeitangaben liefert der Twitter-Account @mhmck: Das hier gezeigte Bild von Soldatinnen ist mindestens seit dem Jahr 2018 im Umlauf: 

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