WEF-Gründer: Nein, Klaus Schwab gibt hier nicht Macht über Medien zu

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Heimliche Aufnahmen?Nein, Klaus Schwab sagt hier nicht, das WEF habe die Macht über die Medien

In einem angeblich heimlich gefilmten Video soll WEF-Gründer Klaus Schwab zugeben, Macht über unter anderem die Medien, Politiker und Forschende zu haben. Doch es ist anders als behauptet.

von
Fee Anabelle Riebeling
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Dieses in den sozialen Medien geteilte Video soll heimlich gefilmt worden sein und beweisen, dass WEF-Gründer Klaus Schwab gesagt hat, die Macht über die WEF-Stakeholder zu haben. Doch weder wurde das Video heimlich aufgenommen noch äussert sich Schwab, wie von den Social-Media-Userinnen und -Usern behauptet. 

Dieses in den sozialen Medien geteilte Video soll heimlich gefilmt worden sein und beweisen, dass WEF-Gründer Klaus Schwab gesagt hat, die Macht über die WEF-Stakeholder zu haben. Doch weder wurde das Video heimlich aufgenommen noch äussert sich Schwab, wie von den Social-Media-Userinnen und -Usern behauptet. 

Screenshot Twitter
Der rund 50-sekündige Ausschnitt stammt aus einem eigentlich fast 16-minütigen Video, das seit dem Jahr 2007 auf dem offiziellen Youtube-Kanal des WEF zu finden ist. Wer die Originalversion schaut, dem wird klar, dass die Behauptungen auf Social Media falsch sind. 

Der rund 50-sekündige Ausschnitt stammt aus einem eigentlich fast 16-minütigen Video, das seit dem Jahr 2007 auf dem offiziellen Youtube-Kanal des WEF zu finden ist. Wer die Originalversion schaut, dem wird klar, dass die Behauptungen auf Social Media falsch sind. 

Screenshot Youtube/@wef
Gefilmt hat das Video der Franzose Loïc Le Meur. Ihn begrüsst Schwab zu Beginn des Videos namentlich: Auf das «Guten Morgen, Klaus» von Le Meur antwortet der WEF-Gründer: «Guten Morgen, Loïc.»

Gefilmt hat das Video der Franzose Loïc Le Meur. Ihn begrüsst Schwab zu Beginn des Videos namentlich: Auf das «Guten Morgen, Klaus» von Le Meur antwortet der WEF-Gründer: «Guten Morgen, Loïc.»

REUTERS

Darum gehts

  • WEF-Gründer Klaus Schwab soll angeblich vor versteckter Kamera zugegeben haben, die WEF-Stakeholder «in der Tasche» zu haben. 

  • Beweisen soll das ein kurzer Videoausschnitt, der auf Social Media geteilt wird. 

  • Dieses zeigt aber vielmehr, dass die Behauptungen der Userinnen und User falsch sind: Das Video wurde weder heimlich aufgenommen noch sagt Schwab etwas in diese Richtung.

  • Zudem wurden seine Aussagen darin aus dem Zusammenhang gerissen.

  • Das Originalvideo ist mit rund 16 Minuten deutlich länger als der knapp 50-sekündige Ausschnitt.

Um das Weltwirtschaftsforum in Davos ranken sich die wildesten Mythen. Als wahrer Gerüchte-Booster entpuppte sich die Corona-Pandemie. Grund dafür war die Vorstellung der Initiative «The Great Reset» durch WEF-Gründer Klaus Schwab und sein fast gleichnamiges Buch.

Auch in diesem Jahr brodelt die Gerüchteküche. So soll das WEF angeblich die Tötung von Millionen Haustieren fordern, das Verbot von Weihnachten planen und mit Problemen bei der diesjährigen Konferenz rechnen. In einer Falschbehauptung wird sogar noch die Corona-Impfung untergebracht.

Zudem ist ein alter Bekannter aufgetaucht: Rund 50 Sekunden ist der Clip kurz, der unter anderem auf Youtube geteilt wird. Er zeigt Klaus Schwab, den Gründer des World Economic Forum (WEF), der sich darin vor einer Kamera über die verschiedenen Stakeholder des WEF äussert. Dies soll er den Beschreibungen nach aber nicht wissen. Das Ganze sei mit einer «versteckten Knopf-Kamera» gefilmt worden, heisst es auf Twitter unisono (hier, hier und hier etwa). Das ist aber falsch. Genauso wie die Behauptung, Schwab gebe in dem Videoausschnitt zu, «sie alle in unserer Tasche» – also Macht über die Genannten – zu haben.

Das hat es mit dem Clip des WEF-Gründers auf sich

Anders als von den Social-Media-Userinnen und -Usern behauptet, wurde das Video nicht heimlich aufgenommen. Das zeigt ein Blick auf den Originalclip, der seit dem Jahr 2007 auf dem offiziellen WEF-Youtube-Kanal zu finden ist. Dort ist das 16-minütige Gespräch in voller Länge zu sehen. Auch der Name der Person, die die Aussagen Schwabs aufgenommen hat: Es ist Loïc Le Meur, ein französischer Unternehmer und Blogger.

Ihn begrüsst Schwab zu Beginn des Videos namentlich: Auf das «Guten Morgen, Klaus» von Le Meur antwortet der WEF-Gründer: «Guten Morgen, Loïc.» Den Blick hat er dabei auf die Kamera und den Mann dahinter gerichtet. Auch im weiteren Verlauf des Gesprächs verhält er sich so, wie sich Personen vor der Kamera verhalten, und die Kommunikation verläuft, wie man es von Interviews und nicht aus normalen Gesprächen kennt (siehe folgendes Video). Das spricht klar gegen die Behauptung, er sei heimlich gefilmt worden.

Die Verbreiter der falschen Behauptungen profitieren davon, dass die Qualität des Videos nicht der von heutigen Kameras entspricht. Einen solchen Qualitätsunterschied bemerkt man aber auch auf anderem Filmmaterial, das vor 16 Jahren aufgezeichnet wurde.

Schwab sagt nicht, Macht über andere zu haben

In dem auf Social Media geteilten Ausschnitt fehlt die Frage, die den Ausführungen des WEF-Gründers vorausgeht. Diese ist aber wichtig, um die Worte Schwabs richtig einordnen zu können.

Schwab erklärt, dass der Fokus des WEF zwar auf der Wirtschaft liege, man aber sicherstellen wolle, «dass das Leben nicht vergessen wird». Das umfasse auch kulturelles und soziales Engagement. «Das ist es, was wir versuchen zu tun», so Schwab. Daran schliesst Le Meur mit der Frage an, wer denn an den verschiedenen WEF-Sitzungen teilnehme: «Welche Art von Interessengruppen gibt es?» Darauf folgt die in dem Ausschnitt verbreitete Passage (siehe Box). Dass das WEF die Stakeholder in der Tasche habe, wie Schwab laut den Social-Media-Posts sagen soll, kommt an keiner Stelle des Gesprächs vor. Die Behauptung ist also falsch.

Das ist der Wortlaut des auf Social Media verbreiteten Ausschnitts

Diese Interview-Passage wurde von den Urhebern der Falschbehauptungen aus dem Kontext gerissen und umgedeutet:

Klaus Schwab: Wenn ich mir unsere Stakeholder anschaue, dann haben wir natürlich die Wirtschaft. Das ist eine sehr wichtige Zielgruppe, und wir haben die Politik. Wir haben kontinuierliche Partnerschaften mit vielen Regierungen auf der ganzen Welt. Und dann haben wir natürlich die NGOs, die Gewerkschaften, all diese verschiedenen Bereiche.

Loïc Le Meur: Und natürlich die Medien.

Schwab: Die Medien, natürlich. Und, ganz wichtig, Experten und Wissenschaftler und die akademische Welt. Denn wenn wir in die Zukunft blicken, sollten wir nach neuen Lösungen suchen, und die neuen Lösungen werden sehr stark von technologischen Entwicklungen bestimmt werden.

Le Meur: Und wir haben sogar, Sie haben sogar religiöse Führer, richtig?

Schwab: Religiöse Führer. Wir haben Social Entrepreneurs. Sehr wichtig, soziale Unternehmer. 

Fazit

Die auf Social Media geteilte Behauptung, WEF-Gründer Klaus Schwab gebe geheime Informationen preis, weil er sich unbeobachtet fühle, ist falsch. Schwab weiss, dass er gefilmt wird. Anders als behauptet, sagt er auch nicht, die WEF-Stakeholder in der Tasche zu haben. Er sagt auch nichts Ähnliches. Vielmehr antwortet er auf die Frage des Interviewers Loïc Le Meur, der wissen will, welche Interessengruppen an den verschiedenen WEF-Sitzungen teilnehmen. Der via soziale Medien verbreitete rund 50-sekündige Clip ist nur ein kleiner Ausschnitt aus einem rund 16-minütigen Video. Die Aussagen Schwabs wurden also aus dem Zusammenhang gerissen. 

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