Nein, niemand plant, Karusselautos zu verbieten 

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Aus dem Kontext gerissenNein, niemand plant, Karussellautos wegen Klimaschädlichkeit zu verbieten 

Ein Zeitungsartikel sorgt derzeit auf Social Media für Wirbel. Darin heisst es, im deutschen Osnabrück seien Karussells mit Autos, Helikoptern und exotischen Tieren künftig verboten – um Kindern ein gutes Vorbild zu sein. Doch erstens ist der Artikel alt und zweitens Satire.

von
Fee Anabelle Riebeling
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Einige Social-Media-Nutzer befürchten, solche Fahrgeschäfte könnten bald der Vergangenheit angehören. 

Einige Social-Media-Nutzer befürchten, solche Fahrgeschäfte könnten bald der Vergangenheit angehören. 

Imago
Der Grund: Posts mit diesem Artikel. Demnach werden in Osnabrück Karussells, «in denen die Kinder in kleinen Autos, LKW, auf Mini-Motorrädern, in Flugzeugen, Hubschraubern oder auf dem Rücken exotischer Tiere ihre Runden drehen», verboten. Dabei handelt es sich um Satire, was aber auf dem Ausschnitt nicht vermerkt ist. 

Der Grund: Posts mit diesem Artikel. Demnach werden in Osnabrück Karussells, «in denen die Kinder in kleinen Autos, LKW, auf Mini-Motorrädern, in Flugzeugen, Hubschraubern oder auf dem Rücken exotischer Tiere ihre Runden drehen», verboten. Dabei handelt es sich um Satire, was aber auf dem Ausschnitt nicht vermerkt ist. 

Screenshot Facebook
Erschienen ist der Text Ende 2018 in der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ). Am 2. Januar 2019 klärte die Redaktion auf: «Liebe Leser, diese Meldung hat sich die Redaktion einer Silvestertradition folgend nur ausgedacht». Das Foto zeige nur einen kleinen Ausschnitt der ersten Lokalseite, die an Silvester traditionell mit ‹Tills Silvesterpunsch und Bleigiesserei› überschrieben ist.» Dieser Hinweis fehle hier jedoch.

Erschienen ist der Text Ende 2018 in der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ). Am 2. Januar 2019 klärte die Redaktion auf: «Liebe Leser, diese Meldung hat sich die Redaktion einer Silvestertradition folgend nur ausgedacht». Das Foto zeige nur einen kleinen Ausschnitt der ersten Lokalseite, die an Silvester traditionell mit ‹Tills Silvesterpunsch und Bleigiesserei› überschrieben ist.» Dieser Hinweis fehle hier jedoch.

Screenshot Noz.de

Darum gehts

  • Falschbehauptungen verbreiten sich auch deshalb, weil Inhalte zum Teil gedankenlos geteilt werden. 

  • So wird derzeit das Foto eines Artikels als aktuell verbreitet, der aber aus dem Januar 2019 stammt. 

  • Dieser handelt von einem Verbot von Verbrennermodellen wie Autos und Motorrädern auf Karussells.

  • Ursprünglich erschienen ist er in der Print-Ausgabe der Neuen Osnabrücker Zeitung – dort mit dem Hinweis, dass es sich um Satire handelt.

  • Auf dem Foto fehlt dieser Zusatz aber, wodurch die Information im Text für bare Münze gehalten wird.

Bei auf Social Media geteilten Informationen, Fotos und Videos ist man gut beraten, genau hinzusehen. Schliesslich kursieren auf Plattformen wie Tiktok, Twitter und Facebook zahlreiche Falschbehauptungen. Dies sowohl in Form von Texten, aber auch in Form von Bildern, wie etwa das Privatjet-Foto mit dem hinein retuschierten Kopf von Olena Selenska zeigt.

Aktuell sorgt eine Kombination von beidem für rote Köpfe: Es handelt sich um das Foto eines Zeitungsausschnittes (siehe Bildstrecke), laut dem in der deutschen Stadt Osnabrück künftig Karussells verboten sind, «in denen die Kinder in kleinen Autos, LKW, auf Mini-Motorrädern, in Flugzeugen, Hubschraubern oder auf dem Rücken exotischer Tiere ihre Runden drehen.» Denn «wenn Erziehende ihre Kinder auf ein klimaschädliches Rennauto setzen oder auf den Rücken eines wilden Tigers, erleben die Aufwachsenden das Autofahren oder die Ausbeutung von Wildtieren als etwas Positives.»

Die Meldung lässt vor allem auf Twitter die Emotionen hochkochen: «Das ist nicht mehr mein Land», «Wie dumm muss man sein?», «Sowas von lächerlich ...», sind nur einige der Kommentare. Die User regen sich allerdings grundlos auf. Denn weder ist der Artikel aktuell noch ernst gemeint.

Lesen, Googeln und umgekehrte Bildersuche

Ersteres lässt sich allein durch Lesen des abgebildeten Zeitungsartikels feststellen. So heisst es zu Beginn des zweiten Absatzes: «Genehmigungsfähig sind ab 1. Januar 2019 nur noch Modelle von Fahrrädern, Nutztieren, Kutschen sowie Fahrzeuge des öffentlichen Personennahverkehrs.» Der Artikel muss also vor diesem Datum verfasst worden sein.

Die umgekehrte Bildersuche und das Googeln nach markanten Stichworten wie «Karussell», «Osnabrück», «Autos» und «Verbot» bringen noch mehr Licht ins Dunkel. Es gibt gleich mehrere Treffer, die deutlich machen, dass der Artikel schon vor Jahren verfasst worden ist: Spiegel.de, Auto-motor-und-sport.de, Correctiv.org und Gegen-fake-news.de berichteten schon im Januar 2019 über die Meldung. Auch damals schon regte sich gegen die Meldung auf Twitter Widerstand.

«Meldung nur ausgedacht»

Ebenfalls im Januar 2019 klärte die Neue Osnabrücker Zeitung (NOZ), in der der Artikel erschienen ist, auf: «Liebe Leser, diese Meldung hat sich die Redaktion einer Silvestertradition folgend nur ausgedacht» Es handle sich bei dem Beitrag um Satire. «Tatsächlich zeigt das Foto des Artikels nur einen kleinen Ausschnitt der ersten Lokalseite, die an Silvester traditionell mit ‹Tills Silvesterpunsch und Bleigiesserei› überschrieben ist.» Dabei handele es sich um ein Satireformat, das – ähnlich dem Portal «Postillon» – viel diskutierte Nachrichten aufgreift und weiterspinnt – nur mit lokalen Inhalten.

Jahrzehnte alte Tradition

Die Silvester-Tradition besteht seit Gründung der NOZ im Jahr 1967. Seit 1970 erscheint die Seite in heutiger Form. Um Missverständnisse zu vermeiden, würden die Artikel nur im Kontext der explizit mit «Tills Silvesterpunsch und Bleigiesserei» überschriebenen Zeitungsseite veröffentlicht – und nicht online. Alljährlich «am zweiten Januar wird die Flunkerei von der lokalen Glosse ‹Till› als Scherz entlarvt», schreibt Noz.de.

Auch der Verfasser der satirischen Meldung, Arne Köhler, kommt im Aufklärungsartikel zu Wort. Er gibt sich zwiegespalten: «Einerseits will ich überhaupt nicht leugnen, dass ich mich köstlich darüber amüsiert habe. Andererseits ist es ziemlich erschreckend, wie leicht viele Menschen auf ‹Fake News› hereinfallen – und offenbar sogar auf Satire, von der ich vorher gedacht hätte, dass sie klar als solche erkennbar ist.»

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