Umweltfreundlicher Glitter existiert nicht
Zur Weihnachtszeit steht Glitzer-Make-up hoch im Kurs. Aber zu welchem Preis für die Umwelt?

Zur Weihnachtszeit steht Glitzer-Make-up hoch im Kurs. Aber zu welchem Preis für die Umwelt?

Unsplash/Camila Quintero
Publiziert

Schöner Schein zum hohen PreisNein, umweltfreundlicher Glitter existiert nicht

Mit der Weihnachtszeit beginnt die Saison von Glitzer-Make-up. Das Problem dabei: Selbst die angeblich abbaubaren Versionen schaden Natur und Mensch massiv.

von
Lauren Cavin-Hostettler

Auch wenn sie noch nicht erstrahlt: Die weihnachtliche Beleuchtung ist vielerorts bereits aufgehängt und wartet nur darauf, die Strassen bald durch funkelnde Lichter glitzern zu lassen. Irgendwie nur logisch, dass man da mithalten möchte. Und was würde sich besser eignen als Glitzer-Make-up? Nun, Zeit für die schlechte Nachricht: Auch (und besonders) wenn es noch so schön glänzt, schadet es der Umwelt auf ganzer Linie. Ja, selbst die angeblich biologisch abbaubaren Versionen.

Darum glitzert es

Um das zu verstehen, muss man wissen, woher die glänzenden Partikel kommen: Neben dem klassischen Mikroplastik wird Zellulose oder Mica verwendet. Letzteres sind natürlich vorkommende Mineralien, die in Minen abgebaut werden.

Statt Mikroplastik können Glitzerpartikel auch aus Glas, Zellulose oder Mica bestehen.

Statt Mikroplastik können Glitzerpartikel auch aus Glas, Zellulose oder Mica bestehen.

Pexels/Ksenia Chernaya

Teils kommt auch Glas zum Einsatz. Um Verletzungen zu vermeiden, muss es auf eine bestimmte Grösse zugeschliffen werden, was die Verarbeitung aufwendiger macht. Für den Glitzereffekt wird es ausserdem zumeist noch mit anderen Stoffen überzogen.

Mikroplastik

Die Problematik bezüglich Mikroplastik ist bekannt: Der Abbau dauert Hunderte Jahre und beeinträchtigt bis dahin das Ökosystem des Meeres massiv. Gelangen die Partikel (etwa über den Verzehr von Fisch) in unseren Körper, sieht es nicht besser aus: Sie stehen im Verdacht, Krebs und Unfruchtbarkeit zu fördern. Die USA haben (anders als die Schweiz) den Einsatz des Stoffes seit mehr als fünf Jahren verboten. Als das US-Magazin «Allure» kürzlich 100 Glitzer-Make-up-Produkte untersuchte, enthielten allerdings 32 Prozent von ihnen trotzdem Mikroplastik.

Zellulose

Die vermeintlich umweltfreundliche Variante aus Zellulose schneidet nicht besser ab. Im Wasser verhält sie sich ähnlich wie Mikroplastik: Lisa Erdle ist Managerin für Forschung und Innovation bei «5 Gyres», einer Nonprofit-Organisation, die sich der Reduktion von Plastikverschmutzung verschrieben hat. Gegenüber «Allure» sagt sie: «Glitter ist wie die Süssigkeit Reese’s Cup: Zellulose gibt die Form vor. Für den Glanz muss sie allerdings mit einer Folie oder einem anderen Stoff überzogen werden.»

Mica und Glas

Auch Mica und Glas hinterlassen ihre Spuren im Meer, wenn sie erstmal den Abfluss runtergespült sind. Eine Studie der Anglia Ruskin University in Cambridge wies das jetzt nach: «Wir haben festgestellt, dass jede Art von Glitzer-Flakes, einschliesslich der aus Mica, negative Auswirkungen auf Mikroalgen und Wasserpflanzen hat», so Danielle Green, Assistenzprofessorin für Ökologie und Mitautorin der Studie. Die Wissenschaftler stellten fest, dass sich die Wurzeln der untersuchten Pflanzen verkürzen und, dass die Sauerstoff- und Chlorophyll-Produktion herunterfährt, sobald die Organismen mit Plastik oder einer Alternativ-Variante im Wasser konfrontiert werden.

Mica ist ein natürlich glänzendes Mineral – deshalb aber nicht zwingend besser für die Umwelt.

Mica ist ein natürlich glänzendes Mineral – deshalb aber nicht zwingend besser für die Umwelt.

Pexels/Lucas Alves

Dazu kommt das Problem der Kinderarbeit in den Mica-Minen. Madagaskar und Indien, zwei der grössten Exporteure des Rohstoffes, gerieten deshalb bereits mehrfach in die Kritik. Es wurden Skandale aufgedeckt, die zeigten, dass Tausende Kinder in den Minen beschäftigt wurden. Teils waren sie nur fünf Jahre alt. In der Folge verpflichteten sich immer mehr Firmen, die Bedingungen genauer zu prüfen – denn für den Verbraucher ist das, wenn er nicht ganz auf Glitzer verzichten will, fast unmöglich.

Das Fazit

Kurzum: Eine ökologische und ethisch vertretbare Variante für Glitzer-Make-up zu finden, grenzt an ein Wunder. Noch. Immer aufmerksamer werdende Verbraucherinnen und Verbraucher fordern die Beauty-Branche schliesslich dazu auf, Lösungen zu finden – und sie sucht fleissig. Wer der Forschung also noch ein paar Jahre einräumt, kann vielleicht schon bald guten Gewissens glitzern.

Gehört Glitzer-Make-up für dich dennoch zur Fest-Saison? Diskutiere in den Kommentaren mit!

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