Aktualisiert 22.04.2014 08:25

Bauern-TrendNeo-Bauer: «Ich wollte selber anpacken»

Traktor fahren, Unkraut jäten und Kühe melken – immer mehr Junge verwirklichen ihren Traum in der ländlichen Idylle und werden Bauer, trotz bescheidener Einkommensaussichten.

von
Caroline Freigang
Flavio Rohrer (29) macht seit zwei Jahren eine Ausbildung zum Landwirt. Seine Karriere als Sozialpädagoge hat er erstmal an den Nagel gehängt.

Flavio Rohrer (29) macht seit zwei Jahren eine Ausbildung zum Landwirt. Seine Karriere als Sozialpädagoge hat er erstmal an den Nagel gehängt.

Die Zahl der Schweizer Bauern steigt seit ein paar Jahren wieder an. Viele von ihnen sind junge Quereinsteiger. Flavio Rohrer ist einer von ihnen.

Sie haben Sozialpädagoge gelernt – jetzt machen sie eine Ausbildung zum Bauern. Woher kommt der Sinneswandel?

Meine Ausbildung war mir zu kopflastig, ich wollte selber anpacken. Im Zivildienst habe ich in einem landwirtschaftlichen Betrieb gearbeitet, auf dem Menschen mit Behinderung mitarbeiteten. Da habe ich meine Leidenschaft für Tiere entdeckt. Und ich bin das erste Mal Traktor gefahren. Ich finde die Arbeit als Landwirt sehr befriedigend. Tiere füttern, Pflanzen anbauen und ernten – du siehst direkt, wie deine Arbeit fruchtet.

Fehlt Ihnen die Kopfarbeit nicht?

Nein. Langfristig könnte ich mir aber vorstellen, das Soziale mit dem Bauernleben zu kombinieren, zum Beispiel bei einer Stiftung. Viele Organisationen haben landwirtschaftliche Betriebe und beschäftigen nebenher Junge mit Behinderungen.

In den USA ist es hip geworden, aufs Land zu ziehen und sich selbst zu versorgen. Glauben Sie, dieser Trend wird auch auf die Schweiz überschwappen?

Ich denke, dass die Leute offener geworden sind, etwas ganz Neues auszuprobieren. Heutzutage ist es ja nicht mehr so, dass man eine Ausbildung macht und dann das ganze Leben in diesem Bereich arbeitet. In meiner landwirtschaftlichen Ausbildung fällt mir immer wieder auf, dass viele Lehrlinge nicht aus einem landwirtschaftlichen Umfeld kommen - Quereinsteiger wie ich sozusagen.

Sie haben also keinen familiären Bezug zur Landwirtschaft?

Ich habe eine Bauerntochter geheiratet. Meine Frau kommt aus einer Winzerfamilie, also aus keiner klassischen Bauernfamilie. Meine eigene Familie hat mit der Landwirtschaft nichts am Hut.

Laut dem Agrarbericht 2013 sind Landwirte unglücklicher als der Rest der Gesellschaft. Schreckt Sie das nicht ab?

Nein eigentlich nicht. Landwirtschaft ist ein hartes Business und das Geld ist nicht leicht verdient. Bauern haben aber meist grosse Leidenschaft für ihre Arbeit. Das kompensiert die Schwierigkeiten im Alltag.

Ist ihr Traum, einen eigenen Bauernhof zu betreiben?

Grundsätzlich schon. Aber im Vergleich zu Bauern, die von Kind auf in der Landwirtschaft aufgewachsen sind, fehlt es mir als Quereinsteiger noch an Erfahrung. Ausserdem wird es immer schwieriger, einen Hof zu finden.

Woran liegt das?

Immer mehr Betriebe geben auf, weil sie zu klein geworden sind und nicht mehr kostendeckend produzieren können. Um erfolgreich zu sein, muss man sich spezialisieren.

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