Neonazi-Kundgebung und Gegendemo in Gelsenkirchen
Aktualisiert

Neonazi-Kundgebung und Gegendemo in Gelsenkirchen

Fast 3000 Menschen sind am Samstag in der WM-Stadt Gelsenkirchen gegen einen Aufmarsch der rechtsextremen NPD auf die Strasse gegangen. «Die braune Sosse soll nie wieder eine Chance haben», sagte Vizekanzler Franz Müntefering.

Er rief an der Kundgebung gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit vor dem Musiktheater im Revier dazu auf, rechtsextreme Tendenzen ernst zu nehmen. «Keine Toleranz für Intoleranz», forderte der Arbeitsminister.

Nach Polizeiangaben versammelten sich zu der Kundgebung des Bündnisses «Demokratische Initiative» rund 2000 Menschen. Zu den Demonstranten zählte auch Bundestagspräsident Norbert Lammert. Die Protestveranstaltung stand unter dem Motto «Für bunte Vielfalt - gegen braune Einfalt».

An einer weiteren Demonstration gegen den NPD-Aufmarsch nahmen laut Polizei etwa 300 Menschen aus dem linken bürgerlichen Spektrum teil. Weitere 500 Demonstranten wurden bei einer Kundgebung der Antifa gezählt.

Neonazis gestört

Auf den Neustadtplatz nahe dem Gelsenkirchener Hauptbahnhof kamen rund 200 NPD-Anhänger zusammen. Unter ihnen befanden sich zahlreiche Skinheads, die teils T-Shirts der Skinhead-Band Tolldriver und schwarz-weiss-rote Fahnen mit sich führten.

Gegendemonstranten versuchten, die von einem massiven Polizeiaufgebot gesicherte Veranstaltung mit Sprechchören wie «Nazis raus» zu übertönen. Einige bewarfen die NPD-Anhänger nach Polizeiangaben mit Plastikflaschen, Tomaten und Äpfeln. Die Personalien mehrerer NPD-Gegner seien aufgenommen worden.

Diskussion um Verbot

Dem NPD-Aufmarsch während der Fussball-Weltmeisterschaft war ein tagelanges juristisches Tauziehen vorausgegangen. Das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen hatte zunächst ein Verbot der Demonstration durch die Gelsenkirchens Polizei aufgehoben. Das Bundesverfassungsgericht billigte die NPD-Kundgebung schliesslich jedoch.

Lammert bekundete Verständnis für die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts. Das Gericht könne nicht verhindern, «dass Dummköpfe durch die Strassen ziehen». Die Gelsenkirchener Bevölkerung könne aber verhindern, dass sich das Bild Deutschlands im Ausland durch die Rechtsradikalen verzerre.

Festnahmen in Frankfurt

Kurz vor dem ersten WM-Spiel Englands versammelten am Samstag in Frankfurt am Main zehntausende Fans zu einem friedlichen Fussballfest. In der Nacht zum Samstag hatte die Polizei 20 Fans festgenommen, von denen 18 noch vor dem Morgen wieder auf freien Fuss gesetzt wurden.

Grund für die Festnahmen waren kleinere Rangeleien am Hauptbahnhof und im Stadtteil Sachsenhausen, bei denen auch Alkohol im Spiel war. (dapd)

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