Online-Pranger: «Nicht erwünscht» – Jubla distanziert sich von Neonazi-Maturandin

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Online-Pranger«Nicht erwünscht» – Jubla distanziert sich von Neonazi-Maturandin

Eine Baselbieter Maturandin wurde von Antifa-Aktivisten auf einem Online-Pranger als Neonazi geoutet. Die junge Frau war auch als Blauring-Leiterin aktiv. Die Jugendorganisation grenzt sich klar von Rassismus ab.

von
Lukas Hausendorf
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Neonazis der Jungen Tat setzten sich Mitte Januar an die Spitze eines Demonstrationszugs einer Corona-Demo in Bern. Die Baselbieter Maturandin ist mit einem Anführer der Gruppierung liiert und soll dieser ebenfalls angehören.

Neonazis der Jungen Tat setzten sich Mitte Januar an die Spitze eines Demonstrationszugs einer Corona-Demo in Bern. Die Baselbieter Maturandin ist mit einem Anführer der Gruppierung liiert und soll dieser ebenfalls angehören.

Tamedia / Raphael Moser
Ende Juni wurde die Maturandin des Gymnasiums Muttenz als Neonazi geoutet und es wurden entsprechende Sprayereien an der Fassade des Kuspo Pratteln angebracht, wo die Schule ihre Maturfeier abhielt.

Ende Juni wurde die Maturandin des Gymnasiums Muttenz als Neonazi geoutet und es wurden entsprechende Sprayereien an der Fassade des Kuspo Pratteln angebracht, wo die Schule ihre Maturfeier abhielt.

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Die Junge Tat trat erstmals Ende 2020 in Erscheinung  und gilt als Jugendarm der Nationalen Aktionsfront. Die Gruppierung gilt als gewaltbereit.

Die Junge Tat trat erstmals Ende 2020 in Erscheinung  und gilt als Jugendarm der Nationalen Aktionsfront. Die Gruppierung gilt als gewaltbereit.

Telegram 20 Minuten

Darum gehts

Eine Baselbieter Maturandin wurde von einer Antifa-Gruppierung im Internet als Neonazi geoutet. Vor ihrer Maturfeier kam es zum Eklat, nachdem am Kultur- und Sportzentrum Pratteln, wo die Feier ausgerichtet wurde, Unbekannte ihren Namen in diesem Zusammenhang an die Fassade sprayten. Die Polizei wurde deswegen bereits aktiv. Die 21-Jährige soll Mitglied der Neonazi-Gruppierung Junge Tat sein. 

In ihrer Wohngemeinde Birsfelden war sie auch als Leiterin in der Jungwacht Blauring aktiv. Dort hat sie aber inzwischen den Austritt bekannt gegeben. Sie habe ihre Mitgliedschaft bereits vor Bekanntwerden der Vorwürfe beendet, teilt die Geschäftsstelle von Jungwacht Blauring Schweiz in einer Stellungnahme mit. Ob ihr der Austritt nahegelegt wurde oder er aus freien Stücken erfolgte, um Schaden vom Verein abzuwenden, ist nicht bekannt. 

«Mitglieder mit extremistischen Ansichten sind bei uns nicht erwünscht»

Christoph Ratz, Co-Präsident von Jubla Schweiz

Klar ist: Jungwacht Blauring Schweiz duldet keinen Rassismus. «In Jungwacht Blauring sind alle Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen willkommen, unabhängig von Nationalität, kultureller und sozialer Herkunft, Religion, Geschlecht, Geschlechtsidentität sowie sexueller Orientierung. Wir betrachten extremistisches und rassistisches Auftreten oder Gedankengut als schwerwiegenden Angriff auf die Persönlichkeit der Betroffenen. Wir dulden in keiner Form extremistisches und rassistisches Verhalten», heisst es im Haltungspapier Extremismus und Rassismus des Verbands. 

Da gelte Nulltoleranz betont Christoph Ratz, Co-Präsident von Jubla Schweiz: «Jungwacht Blauring setzt sich für eine offene, solidarische und friedliche Gesellschaft ein. Mitglieder mit extremistischen Ansichten sind bei uns nicht erwünscht. Stellen wir solches nicht tolerierbares Verhalten fest, werden umgehend Konsequenzen gezogen.»

Im Falle der Birsfelderin wäre ein Rauswurf aus dem Verein spätestens mit dem Netzpranger Tatsache geworden. Hinter dem Outing steht die Antifaschistische Aktion. Diese hat insbesondere die Junge Tat ins Visier genommen, die Ende 2020 entstanden ist und sich als Jugendflügel der Nationalen Aktionsfront gibt. Die Junge Tat gilt als gewaltbereit und wirbt auf Social Media aktiv um neue Mitglieder. An einer Corona-Demo in Bern Mitte Januar geriet die Gruppierung in die Schlagzeilen, nachdem sie sich medienwirksam an die Spitze des Demonstrationszugs gesetzt hatte.

«Alle Nazis gehören aus der Deckung geholt»

Antifaschistische Aktion

Die Antifaschistische Aktion hat angekündigt, auf ihrem Netzpranger wöchentlich ein neues Mitglied der Neonazi-Gruppierung zu outen. «Alle Nazis gehören aus der Deckung geholt», schreiben sie. Die Veröffentlichung dieser Daten verstösst gegen die Persönlichkeitsrechte der betroffenen Personen. Allerdings dürfte es schwierig sein, die dafür Verantwortlichen sind kaum identifizierbar. Die Website ist über einen finnischen Dienst registriert worden. Auf eine Anfrage von 20 Minuten reagierten die Aktivisten nicht. 

Sympathisierst du mit der rechten Szene oder vertrittst rechtsorientierte Ideologien? Dann melde dich, denn wir wollen deine Gründe wissen. Für eine Videoreportage suchen wir Mitglieder oder Ehemalige der rechten Szene, die von ihrer Sicht, ihren Überzeugungen und Erfahrungen erzählen. Eine vollständige Anonymisierung kann gewährleistet werden. 


Bist du oder ist jemand, den du kennst, von Antisemitismus betroffen?

Hier findest du Hilfe:

GRA, Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus

Jüdische Fürsorge, info@vsjf.ch

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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