«Mini Chuchi, Dini Chuchi» – Neonazi tritt in SRF-Kochsendung auf

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«Mini Chuchi, Dini Chuchi»Neonazi tritt in SRF-Kochsendung auf

In der SRF-Kochshow «Mini Chuchi, dini Chuchi» kocht morgen Benjamin L. 2018 war er noch an einer Neonazi-Demo. SRF sagt: «Wir hatten keine Kenntnis davon.»

von
Lisa Horrer
Nicolas Meister
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Diese Woche kocht der Neonazi Benjamin L. in der SRF-Sendung «Mini Chuchi, dini Chuchi». 
Diese Woche kocht der Neonazi Benjamin L. in der SRF-Sendung «Mini Chuchi, dini Chuchi». SRF
Privat zeigt sich L. gerne als passionierter Hobbykoch. 
Privat zeigt sich L. gerne als passionierter Hobbykoch. Privat
Recherchen zeigen: Ende 2018 nahm er an einer Neonazi-Demo der «Partei National Orientierter Schweizer» (PNOS) in Basel teil und scheint weiterhin dort aktives Mitglied zu sein. 
Recherchen zeigen: Ende 2018 nahm er an einer Neonazi-Demo der «Partei National Orientierter Schweizer» (PNOS) in Basel teil und scheint weiterhin dort aktives Mitglied zu sein. 20min/Steve Last

Darum gehts

  • In der SRF-Sendung «Mini Chuchi, dini Chuchi» treten Hobbyköche gegeneinander an. Auch Neonazi Benjamin L. ist dabei. 

  • Er fiel in der Vergangenheit  mitunter als Mitglied einer Neonazi-Band auf. Auch war er in der rechtsextremen «Partei National Orientierter Schweizer» (PNOS) jahrelang als Vorstandsmitglied engagiert. 

  • Recherchen erhärten den Verdacht: Er ist weiterhin in der Neonazi-Szene aktiv. 

  • Das SRF will nichts davon gewusst haben. 

In der Kochshow «Mini Chuchi, dini Chuchi» von SRF macht neben vier anderen Hobbyköchinnen und -köchen auch Benjamin L. aus Altbüron (LU) mit. Präsentiert wird er als Familienvater und leidenschaftlicher Hobbykoch. 

Was nicht gesagt wird: Benjamin L. ist seit Langem ein aktiver Anhänger der Neonazi-Szene. Bereits 2001 war er Mitglied der rechtsextremen Band «Indiziert», gegen die 2006 wegen Rassendiskriminierung ermittelt wurde. Die Band trat unter anderem am europaweiten Rechtsrock-Festival «Fest der Völker» auf.

Aktiver Neonazi

Auch politisch ist L. seit mehr als 15 Jahren aktiv. So war er jahrelang im Vorstand der rechtsextremen «Partei National Orientierter Schweizer» (PNOS), wo er unter anderem Aufmärsche organisierte. Ausserdem bewegte er sich in der «Helvetischen Jugend», einer militanten, rechtsextremen Kameradschaft, die mit ihrem Kürzel «HJ» einen Link zum Nationalsozialismus herstellt.

Nichtsdestotrotz darf er in einer Kochshow des SRF mitmachen. Wie Karen Ballmer, Leiterin Factual & Entertainment bei SRF erklärt, habe L. ihnen versichert, seine politische Vergangenheit hinter sich gelassen zu haben. Seit zehn Jahren sei er eigenen Angaben zufolge nicht mehr mit der PNOS in Erscheinung getreten. Doch Recherchen von 20 Minuten zeigen, dass das nicht stimmt.

Neonazi-Demonstration 2018

So nahm L. zum Beispiel Ende 2018 mit der PNOS an einer Neonazi-Demonstration in Basel teil. Das zeigen Bilder von 20 Minuten und der Redaktion «Lautstark!» vom faschistischen Aufmarsch. Das SRF zeigt sich darüber überrascht: «Die Bilder der bewilligten Kundgebung in Basel, die Sie uns im Zuge Ihrer Recherche haben zukommen lassen, sind für uns neu; wir hatten keine Kenntnis davon», sagt Ballmer.

Auch heute reichen L.s persönliche Beziehungen noch immer tief in Neonazi-Kreise. Auf Facebook etwa interagiert er mit Freunden und PNOS-Mitgliedern, die offenkundig mit Hitler und seinen Ideologien sympathisieren. 

Zudem lassen diverse seiner Tätowierungen, die er in Social-Media-Kanälen zeigt, wie zum Beispiel die Flagge in den Farben schwarz, weiss, rot mit Ankersymbol auf seine Zugehörigkeit zur Neonazi-Szene schliessen. Die Farben der deutschen Reichsflagge sind in Neonazi-Kreisen ein beliebtes Symbol.

Wiederholt in Kochsendungen

L. ist kein Unbekannter für Fans von Kochsendungen: Bereits 2015 kochte er in der Kochshow «Swiss Dinner» von TeleZüri mit. Schon damals entflammte eine Kontroverse um seine Teilnahme. Doch: Der Sender rechtfertigte seine Teilnahme - er sei nie strafrechtlich belangt worden. 

Wie Ballmer auf Anfrage mitteilt, überprüfe man den aktuellen Sachverhalt. Sie betont, dass SRF «keinerlei Diskriminierung und Rassismus in unseren Sendungen toleriert». Dies sei in den «Mini Chuchi, dini Chuchi»-Folgen mit Benjamin L. auch nie vorgekommen. L. wollte sich gegenüber 20 Minuten nicht äussern.

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