Aktualisiert 31.05.2020 17:51

RechtsextremismusNeonazis liefern sich in Winterthur Kleinkrieg mit der Antifa

Im Raum Winterthur hetzen seit einigen Monaten zwei rechtsextreme Gruppen gegen Schwarze und Juden. Die Antifa droht nun, die Identität von Mitgliedern öffentlich zu machen.

von
Daniel Krähenbühl
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Mit roten Sturmhauben maskiert posiert die Nationalistische Jugend Schweiz in Winterthur ZH.

Mit roten Sturmhauben maskiert posiert die Nationalistische Jugend Schweiz in Winterthur ZH.

barrikade.info
Auf Instagram prahlt die Gruppe mit geklauten Transparenten. Die Gesichter sind mit SS-Totenköpfen verdeckt.

Auf Instagram prahlt die Gruppe mit geklauten Transparenten. Die Gesichter sind mit SS-Totenköpfen verdeckt.

barrikade.info
Mit der Antifa kam es in der Vergangenheit deshalb zu Auseinandersetzungen (Symbolbild).

Mit der Antifa kam es in der Vergangenheit deshalb zu Auseinandersetzungen (Symbolbild).

KEYSTONE

Der 25-jährige Roland K*, auch Roli genannt, ist Kanalreiniger und wohnt bei seiner Mutter in einem Einfamilienhaus in der Nähe von Winterthur ZH. Er boxt gerne, verbringt gerne Zeit in der Natur – und ist Anführer der rechtsextremen Gruppierung «Nationalistische Jugend Schweiz» (NJS), wie die «SonntagsZeitung» berichtet. Die Mitglieder treffen sich unter anderem im selben Kampfsportstudio in Winterthur, das noch vor wenigen Jahren Jihadisten aus der mittlerweile geschlossenen An’Nur-Moschee frequentierten.

Für K. selbst seien Juden ein «Saupack», er sei gegen die Gleichberechtigung von Schwarzen und Weissen und wünsche sich «eine Welt ohne Juden und Neger». Auf seinem Instagram-Profil teilte er ein Bild, auf dem eine Stielhandgranate, eine Sturmhaube, ein Eisernes Kreuz und ein Exemplar von Adolf Hitlers «Mein Kampf» abgebildet sind.

SS-Totenköpfe, um Anonymität zu schützen

Die rund 12 Mann starke Gruppe NJS tritt erst seit wenigen Monaten im Raum Winterthur auf. Trotzdem sei es geradezu zu einem Kleinkrieg mit Antifa-Leuten gekommen, schreibt die Zeitung. So stahlen am 1. Mai Vermummte NJS-Anhänger ein Antifa-Transparent von einer Liegenschaft, die von Linksextremisten besetzt ist. Später stellt die NJS ein Foto von den erbeuteten Transparenten auf Instagram. Um die Identität der Mitglieder zu schützen, sind die Gesichter der Täter mit SS-Totenköpfen verdeckt. Im zweiten Weltkrieg war die SS-Totenkopf-Division für den Betrieb und die Bewachung der Konzentrationslager zuständig.

Die Antwort der Antifa liess nicht lange auf sich warten. Auf eine Betonmauer vor dem Haus von Roli K. sprayten sie folgende Botschaft: «Letzte Warnung Roli, Nazi sein heisst Ärger kriegen!» Auf ihrer Website barrikade.info drohen sie K. unter dem Titel «Besuch und letzte Warnung für NJS-Neonazi», seome Identität, sein Gesicht und seine Adresse zu veröffentlichen, wenn sich die Gruppe nicht per sofort auflösen sollte. Zudem würden Freunde, Nachbarn, Sportvereine, Schulen, Mitarbeiter und Arbeitgeber informiert. «Und dasselbe werden wir mit den anderen NJS-Mitgliedern und Anhängern machen», schreiben die Autoren weiter. K. reagierte mit der Deaktivierung diverser Profile auf Social Media.

Herbeiführung einer «rechtsextremen Revolution»

Wie die «SonntagsZeitung» schreibt, sei mindestens ein Mitglied der NJS zudem auch noch Teil der weitaus gefährlicheren Neonazi-Gruppe «Eisenjugend Schweiz», die ebenfalls seit Anfang Jahr in Erscheinung tritt. Gemeinsam mit der NJS sei die Eisenjugend laut barrikade.info etwa mit Heil-Hitler-Rufen in der Öffentlichkeit, wiederholten Aktionen an der Uni Zürich, am Bahnhof Winterthur und beim Tamedia-Hauptgebäude in Zürich, bei der rassistische und antisemitische Kleber angebracht wurden oder Pöbeleien gegen die Frauendemo am 8. März 2020 aufgefallen.

Die Eisenjugend, die sich als Schweizer Ableger der amerikanischen «Iron Youth» ausgibt, verbreite auf dem Messenger-Dienst Telegram rechtsextreme Terror-Propaganda. So sei auf dem Kanal der Eisenjugend Schweiz etwa das Manifest des rechtsextremen australischen Terroristen Brenton Tarrant zu finden. Tarrant hatte 2019 im neuseeländischen Christchurch in zwei Moscheen 51 Menschen ermordet. Laut dem Manifest sei das Ziel des Rechtsterrorismus das Schüren von Gewalt und Gegengewalt zwischen Europäern und Einwanderern. Durch die Verbreitung von Angst solle eine rechtsextreme Revolution begünstigt werden.

*Name geändert

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