Aktualisiert

Nepal: Vier Demonstranten erschossen

Nepalesische Sicherheitskräfte haben in der ostnepalesischen Stadt Chandragadhi mindestens vier Demonstranten erschossen. Die UNO mahnte beide Seite.

In Chandragadhi erlitten ausserdem Dutzende Schussverletzungen, über 100 wurden von den Schlagstöcken der Sicherheitskräfte verletzt.

Die Polizisten hätten ohne ersichtlichen Grund mitten in die Menge gefeuert, als Tausende Kundgebungsteilnehmer ein Ende der autoritären Herrschaft von König Gyanendra forderten, berichtete die Online-Ausgabe der Tageszeitung «Kathmandu Post» am Mittwoch.

Am Vortag hatte die Polizei in der westlichen Stadt Nepalgunj eine Demonstrantin getötet. Sie erlag Verletzungen, nachdem sie aus nächster Nähe von einer Tränengasgranate getroffen worden war. Seit Beginn der Protestaktionen der oppositionellen Sieben-Parteien- Allianz SPA vor zwei Wochen sind der Polizeigewalt mindestens zehn Menschen zum Opfer gefallen.

In einer von Beobachtern als überraschend bezeichneten Entwicklung liess das Regime am Mittwoch mehrere, zum Teil hochrangige Oppositionspolitiker frei, die seit Monaten ohne Anklage inhaftiert gewesen waren.

Unter ihnen waren der Generalsekretär der Nepalesischen Kommunistischen Partei (Vereinigte Marxisten-Leninisten), Madhav Kumar Nepal, und der Generalsekretär der Nepalesischen Kongresspartei, Ram Chandra Poudel.

Grossdemo in Kathmandu geplant

In Nepalgunj waren am Dienstag mehr als 20 000 Demonstranten gegen König Gyanendra auf die Strasse gegangen. Ungeachtet eines Verbots ist für Donnerstag eine Grossdemonstration in der Hauptstadt Kathmandu geplant, zu der die Opposition 500 000 Teilnehmer erwartet.

Gyanendra hatte vor rund 14 Monaten im Kampf gegen maoistische Rebellen den Ausnahmezustand verhängt und die Alleinherrschaft übernommen. Die politischen Parteien schaltete er zunehmend aus. Mittlerweile haben sich die maoistischen Rebellen der demokratischen Opposition angenähert.

UNO mahnt beide Seiten

Nach tödlichen Ausschreitungen bei den Massenkundgebungen in Nepal rief die UNO die Regierung zur Zurückhaltung auf. Die nepalesischen Behörden sollten die für Donnerstag geplante Massenkundgebung in Kathmandu zulassen, forderte der Vertreter des UNO-Hochkommissariats für Menschenrechte in Nepal, Ian Martin, am Mittwoch in Genf.

Die Organisatoren müssten ihrerseits dafür sorgen, dass die Demonstration friedlich verlaufe. «Wenn sich das jüngste Verhalten der Sicherheitskräfte wiederholt, könnte die Demonstration morgen ein weiterer Spannungspunkt werden, mit ernsthaften Folgen für die Menschenrechte.»

In Nepal sei «eine beunruhigende Neigung zu übermässigem Gewalteinsatz» zu beobachten, sagte der UNO-Beobachter aus Kathmandu, der sich zu einer von der Schweiz organisierten Nepal-Tagung in Genf aufhielt. «Tausende Demonstranten sind willkürlich verhaftet und wegen ihres Protestes festgehalten worden», sagte Martin.

Bislang hätten die Sicherheitskräfte vermutlich rund viertausend Menschen festgenommen, auch wenn viele später wieder freigelassen worden seien. Die Regierung habe behauptet, dass Demonstranten auf Sicherheitskräfte geschossen hätten - «wir haben aber keine Informationen, um die Schüsse zu bestätigen». Allerdings hätten Teilnehmer der Kundgebungen mit Steinen geworfen. (sda)

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