Nepal will die Schweiz Asiens werden

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Nepal will die Schweiz Asiens werden

Knapp zwei Monate nach der Unterzeichnung des Friedensabkommens in Nepal befasst sich eine nepalesische Delegation in Thun mit Fragen zur neuen Verfassung.

Beratend wirkt ein Schweizer Experte, der den Friedensprozess in Nepal begleitet.

«Wir wollen eine Schweiz Asiens konstruieren», sagte Prakash Man Singh, stellvertretender Generalsekretär des Nepali Kongress, am Dienstag in Bern.

Er habe viel über das schweizerische System gelernt - zum Beispiel über den Föderalismus. Ihm sei aber auch bewusst, dass Nepal nicht das gesamte Schweizer Modell kopieren könne.

Grosse Herausforderung

Gemeinsam mit 25 Landsleuten und Vertretern aus Politik, Gesellschaft und Wissenschaft diskutiert Singh an einem mehrtägigen Seminar des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA) Ideen zur Ausarbeitung der nepalesischen Verfassung.

«Wir befinden uns in einer aufregenden und herausfordernden Zeit», sagte Singh. Nach zehn Jahren Bürgerkrieg mit 13 000 Toten hatten die Konfliktparteien am 21. November 2006 ein umfassendes Friedensabkommen unterzeichnet.

Nun soll eine neue Verfassung ausgearbeitet werden. Ausserdem sieht das Abkommen im Juni die erste demokratische Wahl in der Geschichte des Himalaya-Staats vor.

Schweizer Friedensberater

Im Rahmen eines zweijährigen Mandats arbeitet der Schweizer Günther Bächler seit Mai 2005 als Friedensberater in der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu.

Als wohl einzigem Vermittler sei es ihm gelungen, intensive Beziehungen zu den verschiedenen Parteien aufzubauen, sagte der Politikwissenschafter am Dienstag rückblickend.

Während Monaten betrieb er eine Shuttle-Diplomatie und vermittelte zwischen den maoistischen Rebellen, der Regierung und den demokratischen Zentrumsparteien.

Eine offizielle Intervention einer Drittpartei schlossen die Konfliktparteien aus. Die Vorgespräche seien aber eine wichtige Basis für die Ausarbeitung des Friedensabkommens gewesen, sagte Bächler.

Langfristiges Engagement

Nepal ist ein Schwerpunktland der schweizerischen Entwicklungszusammenarbeit. Seit 40 Jahren unterstützt die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) dort mehrere Projekte.

Das langfristige Engagement der Schweiz in Nepal habe zum positiven Verlauf des Friedensprozesses beigetragen, sagte Botschafter Thomas Greminger, Leiter der Politischen Abteilung IV im EDA.

Zugleich habe auch die Schweiz von dem Engagement profitieren können. «Es gelang der Schweiz, ihren Ruf als unabhängige Verfechterin der Menschenrechte und Vertreterin einer starken Zivilgesellschaft zu stärken», sagte Greminger. (sda)

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