Wie Kinect, aber besser: Nerd revolutioniert PC-Welt im Handstreich
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Wie Kinect, aber besserNerd revolutioniert PC-Welt im Handstreich

Ein Mathematikgenie hat eine Bewegungssteuerung entwickelt, die 100 Mal präziser sein soll als Microsofts Kinect. «The Leap» könnte den Umgang mit Computern grundlegend verändern.

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dsc

Bei unglaublich guten Storys ist in der Regel Skepsis angebracht. Das trifft auch auf eine neuartige Bewegungssteuerung aus den USA zu. Das Wundergerät namens «The Leap» ist kürzlich in San Francisco vorgestellt worden. The Leap bedeutet auf Deutsch so viel wie Sprung. Und die Technologie, die extrem günstig ist, könnte tatsächlich einen Riesensprung bedeuten für die Computer-Branche und darüber hinaus. Dies zeigt ein Werbevideo der in Kalifornien beheimateten Firma Leap Motion.

Wie Kinect, aber um Welten besser

Via USB-Kabel wird die unscheinbare Box in iPod-Grösse an den PC oder Mac angeschlossen und direkt vor dem Bildschirm platziert. Ab sofort kann der Computer mit Gesten gesteuert werden – einhändig oder zweihändig, ganz ohne Maus oder Tastatur. Das funktioniert, indem das Gerät vor dem Bildschirm eine dreidimensionale Interaktionszone «aufspannt». In diesem knapp 50 cm x 50 cm x 50 cm grossen Bereich werden alle Bewegungen von einer Minikamera erfasst.

Die Funktionsweise erinnert an den Science-Fiction-Thriller «Minority Report» mit Tom Cruise in der Hauptrolle. Das gleiche Prinzip ist von Microsofts Bewegungssteuerung Kinect bekannt, die in Zukunft auch für Windows verfügbar sein wird. Mit dem wichtigen Unterschied, dass The Leap um Welten präziser ist. 100 Mal genauer, wie die «Financial Times» berichtete. Bewegungen würden auf den Hundertstel-Millimeter genau erfasst. So seien auch kleinste Gesten bis zum Fingerschnippen möglich. Ermüdendes Herumhampeln und grossflächige Armbewegungen, wie man sie von der Kinect kennt, seien unnötig.

Leapen statt Swipen

Die unglaubliche Präzision soll all jene Gesten ermöglichen, die mit dem iPhone und anderen Touchscreen-Geräten Einzug gehalten haben. Etwa die Wischbewegung («Swipe»), um zwischen verschiedenen Bildschirminhalten zu wechseln. Im Gegensatz zur Touchscreen-Bedienung muss der Bildschirm dabei überhaupt nicht berührt werden.

Noch steckt The Leap in den Kinderschuhen. Das Herstellervideo zeigt kein funktionierendes Gerät, sondern nur das Konzept. Auf der Website des kalifornischen Startups sind aber bereits Vorbestellungen möglich. Ein Einzelgerät ist für 70 US-Dollar erhältlich. Das Online-Portal heise.de schreibt von einer Art Kinect für kleine Distanzen und kleines Geld.

In Zukunft können nebst herkömmlichen Computern auch Laptops, Tablets und Smartphones mit der Leap-Technologie gesteuert werden. Der Nutzer kann bequem in Dokumenten blättern, scrollen, aber auch Werkzeuge bedienen oder Fahrzeuge per Fingerzeig lenken.

Wie funktioniert das?

Die Erfinder lassen sich nicht in die Karten blicken. Die Hardware-Anforderungen seien gering, es würden handelsübliche Standard-Komponenten verbaut, heisst es. Das Geheimnis verbirgt sich in der Software. Der Chefentwickler David Holz ist laut «Financial Times» ein Mathematik-Genie. Ihm sei gelungen, komplexe mathematische und algorithmische Probleme zu lösen, die als unlösbar galten. Der studierte Mathematiker soll früher unter anderem für die Weltraum-Organisation Nasa gearbeitet haben. Ihn hätten die langen Wartezeiten frustriert, wenn Computer dreidimensionale Objekte berechnen.

Die innovative Software soll in Zukunft anderen Entwicklern zur Verfügung gestellt und weiterentwickelt werden. Wer sich an der Programmierung des neuen Eingabe-Systems beteiligen will, kann sich auf der Hersteller-Website registrieren. The Leap werde unsern täglichen Umgang mit Computern grundlegend verändern, wird ein Investor zitiert. Erst kürzlich haben namhafte Kapitalgeber 14,5 Millionen Dollar investiert. Wenig verwunderlich, sind die Erfinder auch mit nahmhaften Herstellern im Gespräch.

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