Laborkontrolle: Nervengift in fast allen Schweizer Tomaten
Aktualisiert

LaborkontrolleNervengift in fast allen Schweizer Tomaten

Reifehormone in Schweizer Tomaten, Pestizide in Asia-Gemüse und Restaurantbesitzer, die ihre Ware zu lange behalten: Jedes achte Lebensmittel fällt bei der Kontrolle durch.

von
som
Viele Schweizer Tomaten werden mit Reifebeschleuniger behandelt.

Viele Schweizer Tomaten werden mit Reifebeschleuniger behandelt.

Schweizer Früchte und Gemüse, ein Garant für Frische und Qualität? Der Jahresbericht des Kantonalen Labors Zürich zeigt ein anderes Bild: So wurden etwa die meisten Schweizer Tomaten mit dem Reifebeschleuniger Ethephon behandelt, damit sie schön rot und schmackhaft werden. Das Kantonale Labor fand letztes Jahr in 86 Prozent der Proben Rückstände des Stoffes – bei einem Viertel der heimischen Produkte lagen diese über dem Toleranzwert.

Brisant: Keine ausländische Tomate überschritt den Ethephon-Toleranzwert, wie Kantonschemiker Rolf Etter bestätigt: «In der Schweiz muss wohl aufgrund der schlechten Wetterverhältnisse nachgeholfen werden – besonders zum Saisonende.»

Mögliche Folgen einer zu hohen Ethephon-Aufnahme sind Durchfall, starker Harndrang, Reizungen auf Haut und Schleimhäuten – im schlimmsten Fall wirkt es als Nervengift. «Dafür muss man aber schon sehr viele Tomaten über einen langen Zeitraum essen – die Dosis macht das Gift», sagt Etter. Wer auf Nummer sicher gehen will, wählt biologische Tomaten. Hier konnte in keiner der untersuchten 17 Proben aus dem In- und Ausland Ethephon nachgewiesen werden.

Pestizide in Asia-Gemüse

Ebenfalls viel zu beanstanden hatte das Kantonale Labor bei den als «Suisse Garantie» deklarierten Kirschen: In zwei Fällen konnte es nachweisen, dass diese gar nicht aus der Schweiz, sondern aus Deutschland stammen.

Geprüft hat es die Lebensmittel auch auf Rückstände von Pflanzenschutzmitteln. Während bei europäischen Produkten die gesetzlichen Vorgaben meistens eingehalten werden, ist die Beanstandungsquote von Waren aus Asien mit rund 25 Prozent nach wie vor viel zu hoch, wie Etter sagt: «Besonders bei Gemüse aus kleineren Läden stellten wir hohe Rückstände fest.» Hier seien Verbesserungen dringend nötig.

Ware im Restaurant ist nicht mehr frisch

Insgesamt 13'400 Lebensmittel hat das Kantonale Labor 2013 untersucht – davon wichen zwölf Prozent von den gesetzlichen Vorgaben ab, wie Etter sagt: «Bei mehr als der Hälfte handelte es sich um Proben leicht verderblicher Lebensmittel aus dem Gastgewerbe.» So würden etwa gewisse Restaurantbetreiber die Ware zu lange behalten. Dass das Essen nicht mehr ganz so frisch ist, merke der Konsument meistens nicht, so Etter: «Trotzdem muss man hier genauer hinschauen.»

Mit Magenbeschwerden müsse man nach einer Mahlzeit in Zürcher Restaurants aber nicht rechnen: «Die Hygiene ist meistens sehr vorbildlich. Trotzdem war im letzten Jahr bei zwölf von 9140 kontrollierten Betrieben die Lebensmittelsicherheit nicht garantiert: «Hier ordneten wir Sofortmassnahmen an», sagt Etter.

Deine Meinung