Aktualisiert 19.10.2006 16:55

Nestlé-Anleger trotz Umsatzsteigerung unzufrieden

Der Nahrungsmittelkonzern Nestlé hat in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres ein solides Ergebnis vorgelegt. Der Umsatz stieg um 9,1 Prozet auf 72,2 Mrd. Franken. Damit blieben positive Überraschungen aus.

«Die Zahlen bestätigen den Trend eines starken Wachstums aus eigener Kraft», sagte Nestlé-Chef Peter Brabeck am Donnerstag vor den Medien in Vevey. Das gute Resultat verdankt Nestlé hauptsächlich dem Kerngeschaft Nahrungsmittel und Getränke, wo der Multi um 5,8 Prozent zugelegt hat.

Insgesamt belief sich das organische Wachstum auf 6,1 Prozent und liegt damit am oberen Ende der anvisierten Zielspanne von 5 bis 6 Prozent. Das interne Realwachstum betrug 4,6 Prozent, auf Preiserhöhungen entfielen 1,5 Prozent des Wachstums. Gewinnzahlen gab Nestlé nicht bekannt.

Keine Rosa-Brille für Europa

Nestlé-Konzernchef und Verwaltungsratspräsident Brabeck gab sich skeptisch was die Marktentwicklung in Europa anbelangt: «In dieser Hinsicht teile ich die Rosa-Sicht nicht, die momentan in den Medien vorherrscht.»

Das organische Wachstum für Europa fiel mit einem Plus von 2,1 Prozent verhalten aus. Erfreulich habe sich hier neben den Marken Nescafé und Nesquik das Glacé-Geschäft dank neuen, fettarmen Produkten und dem Mövenpick-Relaunch entwickelt.

Nestlé geht davon aus, das Wachstum mit einem Umsatz von rund 95 Mrd. Fr. für das Gesamtjahr halten zu können, verbunden mit einer Verbesserung der Betriebsgewinn-Marge (EBIT-Marge). Dies trotz historischen Höchstpreisen für Rohstoffe und Energie, hielt Brabeck fest.

Für 2007 sieht Brabeck, der seinen CEO-Sessel im April 2008 räumen will, ein leicht schwächeres Wachstum am unteren Ende der Zielspanne von 5 bis 6 Prozent voraus.

Wachstum dank Asien und Wellness

Global gesehen bleibt für Nestlé vor allem Asien mit China und Japan ein grosser Wachstumsmarkt. Das Augenmerk sei aber auch auf die Entwicklung im Nahen Osten gerichtet, wo in Ländern wie den Vereinigten Arabischen Emiraten oder Saudiarabien neue Städte mit stark wachsenden Konsumbedürfnissen entstünden, sagte Brabeck.

Nestlé investiert bei der Erweiterung seiner Produktepalette vor allem in Wellness und Gesundheit. «Wellness sei mit allen Nahrungsmitteln möglich, selbst beim Kaffee», sagte Brabeck.

Dazu lanciert Nestlé einen neuen Pulverkaffee mit dem gesundheitsfördernden Wirkstoff Polyphenol, der auch im Grüntee enthalten ist. In die gleiche Richtung zielten auch die Übernahmen in Übersee von Jenny Craig oder Uncle Tobys, die auf Fitness- und Schlankheitsprodukte spezialisiert sind.

Aktie taucht

Die Märkte reagierten enttäuscht; die Anleger hatten sich mehr von den Zahlen erhofft. Viele Marktteilnehmer erwarteten ein neues Aktienrückkaufprogramm. Die Anleger nutzten zudem nach den Kursavancen der letzten Zeit die Gelegenheit für Gewinnmitnahmen.

Nestlé habe die Erwartungen «mehr oder weniger erfüllt», sagte ein Händler. Das genüge aber nicht, um an der Börse zuzulegen. Zudem habe der französische Konkurrent Danone jüngst unerwartet gute Zahlen vorgelegt, sodass die Erwartungen an Nestlé noch gestiegen seien.

An der Schweizer Börse SWX büsste die Nestlé-Aktie bis gegen Mittag um über 4 Prozent auf 420.50 Fr. ein. Der Titel erholte sich im Verlauf und schloss bei 427.00 Fr. mit einem Minus von noch 2,5 Prozent. Vor rund zehn Tagen hatte der Titel mit 442.50 Fr. ein Allzeithoch markiert. (dapd)

Veränderungen im Management - Brabeck bleibt

Im Nestle-Management gibt es nächstes Jahr Änderungen - aber Peter Brabeck-Letmathe, Verwaltungsratspräsident und operativer Chef des weltweit grössten Nahrungsmittelherstellers, behält sein Doppelmandat bis zur Generalversammlung im April 2008. Dann zieht er sich auf das Präsidium des Aufsichtsgremiums zurück.

Die von ihm bei gleicher Gelegenheit angekündigten Veränderungen im Top-Management sollen die Ausrichtung des Nestle-Konzerns auf die Bereiche Nutrition, Gesundheit und Wellness zum Ausdruck bringen. Auf Ebene der Konzernleitung wird der neue Posten des Chief Technology Officers geschaffen.

Erster Amtsinhaber wird kommenden Februar Werner Bauer, zurzeit Leiter des Bereichs Technik, Produktion, Forschung und Entwicklung. Er wird unter anderem verantwortlich für Forschung und Entwicklung auf Konzernebene, für die Teams zur Beschleunigung von Innovationen sowie das Management des technologischen geistigen Eigentums und für weitere Aufgaben. Zudem übernimmt Bauer den Vorsitz des Nestle Nutrition Councils.

Weiter wurde auf Stufe Konzernleitung eine Organisation Operation geschaffen. Sie bündelt alle Funktionen, die für das reibungslose Zusammenspiel von Einkauf, Produktion und Logistik nötig sind und wird für Qualitätsmanagement, Sicherheit, Gesundheit und Umwelt sowie weitere Aufgaben zuständig sein. Als erster Operation-Chef ist ebenfalls ab Februar Jose Lopez vorgesehen, dessen Ernennung zum Generaldirektor dem Verwaltungsrat vorgeschlagen wurde.

Als Marktchef Japan wird Lopez von Chris Johnson abgelöst, der bisher das Prozess-, Daten- und System-Standardisierungsprogramm «Global Business Excellence» (GLOBE) leitete. Es steht in der Endphase der Umsetzung. Die laufenden GLOBE-Aktivitäten werden im Januar Olivier Gouin übergeben, der Finanzchef Paul Polman unterstellt wird.

(AP)

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