Aktualisiert 25.02.2013 16:08

Mehrere Markeninhaber

Nestlé bangt um sein Tiefkühllabel Findus

Nestlé lanciert eine Image-Kampagne: Der Lebensmittel-Multi setzt alles daran, um sich von britischer Pferdefleisch-Lasagne zu distanzieren. Die Marke Findus ist stark angeschlagen.

von
Sabina Sturzenegger
In Zeitungsinseraten versichert Nestlé, dass in Schweizer Findus-Produkten nur Schweizer Rindfleisch enthalten ist. (Bild: zvg)

In Zeitungsinseraten versichert Nestlé, dass in Schweizer Findus-Produkten nur Schweizer Rindfleisch enthalten ist. (Bild: zvg)

Der Skandal um Tiefkühllasagne, die Pferde- statt wie deklariert Rindfleisch enthält, ist längst zum «Findus-Skandal» geworden. Anbieter und Verarbeiter der Marke in Grossbritannien, Frankreich und Schweden ziehen ihre Produkte aus dem Handel. In der Schweiz hat Coop die Lasagne seiner Eigenmarke vorsichtshalber aus den Regalen genommen.

Der «Findus-Skandal» hat inzwischen auch den weltgrössten Lebensmittelkonzern erreicht: Nestlé, mit Sitz in Vevey, ist Besitzerin der Marke Findus in der Schweiz. Das Unternehmen versucht zurzeit, einen grösseren Reputationsschaden abzuwenden.

«100% Schweizer Fleisch»

Am Dienstag schaltete Nestlé Zeitungsinserate, um sich von Findus in England und dem restlichen Europa zu distanzieren. «Wir produzieren in der Schweiz, in Rorschach am Bodensee», heisst es in den Inseraten. Findus verwende in der Schweiz für Lasagne, Cannelloni, Gratins und Plätzli «zu 100% Schweizer Fleisch.»

Nestlé Suisse wolle damit klarstellen, dass «ihre Produkte nicht in den europäischen Skandal um falsch deklariertes Fleisch involviert sind», sagt Unternehmenssprecher Roger Matter zu 20 Minuten Online. Nestlé Suisse beziehe die Rohstoffe von «wenigen Schweizer Qualitätslieferanten», die bei jeder Lieferung die Schweizer Herkunft garantierten.

Besitzer- und Markenmix

Das Problem von Nestlé: Die Marke Findus gehört verschiedenen Besitzern. Nestlé ist lediglich Inhaberin der in der Schweiz tätigen Findus. In Frankreich, Spanien sowie einigen nordischen Ländern gehört die Marke der britischen Private Equity Gruppe Lion Capital. Der englische Ableger seinerseits ist seit 2005 im Besitz von Geir Frantzen, einem ehemaligen Findus-Manager.

Doch das wissen die wenigsten Konsumenten. Dieser Marken- und Besitzermix ist Nestlé zum Verhängnis geworden. «Der Name Findus ist zurzeit stark angeschlagen», sagt Markenexperte Stefan Vogler. Der Markenwert sei innert 24 Stunden «massiv» gesunken. «Das Problem für Nestlé ist, dass die Konsumenten das Findus-Logo, das überall sehr ähnlich aussieht, mit Pferdefleisch in Verbindung bringen – unabhängig davon, ob Findus in der Schweiz oder sonstwo produziert», erklärt Vogler.

Nestlé verzweifelt

Für Roger Huber, Spezialist für Krisenkommunikation, ist die Inserate-Aktion von Nestlé denn auch ein «verzweifelter Versuch», eine globalisierte Marke zu schützen. «Besser hätte Nestlé das Geld in die Qualitätskontrolle gesteckt», meint Berater Huber. Die Reputation von Findus sieht er allerdings nur beschränkt angeschlagen: «In zwei bis drei Wochen ist die Sache vorbei.»

Nestlé selber kann und will die erwartete Höhe des Reputationsschadens nicht beziffern. Dennoch setzt der Konzern zurzeit alles daran, nicht mehr mit dem englischen Namensvetter aus dem Tiefkühlbereich in Verbindung gebracht zu werden und hat diverse Massnahmen ergriffen: Die Anzeigen in Zeitungen seien dabei nur ein Teil dieser Strategie, sagt Matter.

Information in Läden

«Allen Schweizer Detailhändlern wurden zudem Informationsschilder angeboten, um in den Verkaufsstellen zu kommuzieren, dass in Schweizer Findus drin ist, was drauf steht», ergänzt Matter. Im Online-Supermarkt LeShop ist der Hinweis an alle Kunden verschickt worden. Laut Matter ist sogar das Schweizer Fernsehen eingeladen worden, damit Findus direkt am Produktionsort Rorschach zeigen könne, wie die Qualitätskontrolle erfolge.

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