Aktualisiert 10.04.2014 16:11

Abzocker und ZuwanderungNestlé-Brabeck fürchtet Schweizer Machtverlust

Peter Brabeck malt bei der Nestlé-Generalversammlung schwarz. Wegen der politischen Entwicklungen im Land könne die Schweiz international zu einem Niemand werden.

Peter Brabeck will sich 2017 aus dem Konzern zurückziehen.

Peter Brabeck will sich 2017 aus dem Konzern zurückziehen.

Nestlé-Präsident Peter Brabeck befürchtet nach den jüngsten politischen Entwicklungen einen Machtverlust für die Schweiz in den Weltkonzernen und kurzfristigere Entscheidungen. Besonders kritisch ist Brabeck bezüglich der «Abzockerinitiative».

«In unserem Fall werden fast zwei Drittel der stimmberechtigten Aktien von Personen gehalten, die ausserhalb der Schweiz wohnen», sagte Brabeck am Donnerstag während der Nestlé-Generalversammlung in Lausanne. Für die internationalen Konzerne führen die Verordnungen aus der Abzockerinitiative zu einem Transfer von Macht ins Ausland.

Aus der Initiative, die vom Schaffhauser Ständerat Thomas Minder lanciert worden war und der die Stimmbevölkerung vor gut einem Jahr zugestimmt hat, ergeben sich laut Brabeck weitere Probleme: Weil Verwaltungsräte künftig nur für ein Jahr gewählt würden, könnte es vermehrt zu «kurzsichtigen» Entscheidungen kommen.

Der Erfolg von Nestlé sei aber auf langfristigen Sichtweisen begründet, sagte Brabeck. Er selbst will sich 2017 zurückziehen, nachdem der Nahrungsmittelgigant in nächsten Jahr sein 150-jähriges Bestehen feiern wird.

Ausländer entscheidend wichtig

Brabeck fürchtet auch die Folgen des Ja zur Begrenzung der Einwanderung, das die Bevölkerung am 9. Februar ausgesprochen hat. Er glaube zwar daran, dass Lösungen gefunden würden, sagte vor den Aktionären. «Ich verberge aber auch nicht eine gewisse Beunruhigung, was die mittelfristige Entwicklung des Wirtschaftsstandorts Schweiz betrifft.»

Nestlé habe in der Schweiz Mitarbeiter aus 90 Ländern, und der ungehinderte Zugang ausländischer Arbeitskräfte sei entscheidend für das Unternehmen. Trotz seiner Bedenken über die Folgen der Abstimmungsresultate bezeichnete sich Brabeck als feuriger Verfechter der direkten Demokratie. (sda)

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