Nestlé-Chef Brabeck: Biokraftstoffe sind ökologischer Wahnsinn
Aktualisiert

Nestlé-Chef Brabeck: Biokraftstoffe sind ökologischer Wahnsinn

Die allgemeine Begeisterung für Biokraftstoffe ist laut Nestlé-Chef Peter Brabeck ökologischer Wahnsinn. Um einen Liter Ethanol herzustellen, brauche man 4560 Liter Wasser - um den Mais anzubauen, der dazu benötigt werde.

Gleichzeitig sei der Preis für eine Tonne des Grundnahrungsmittels Mais von 128 auf 335 Dollar gestiegen. «Die Autofahrer in den Industrienationen werden subventioniert auf Kosten der Ärmsten der Weltbevölkerung», sagte Brabeck in einem Interview im «Magazin» des «Tages-Anzeigers» vom Samstag.

Das Wasser gehe schneller weg als die Ölreserven. Verglichen mit dem Klimawandel sei die Wasserkrise deshalb weitaus bedrohlicher. «Deren Folgen spüren wir jetzt, nicht erst in möglicherweise hundert Jahren.»

Ein grosser Teil der aktuellen Spannungen im Mittleren Osten habe vermutlich mit Wasser zu tun. «Wenn die Türken neue Staudämme bauen, um mehr Tomaten für den europäischen Markt anbauen zu können, bleibt für den nördlichen Irak kaum noch etwas übrig.»

Der Nestlé-Chef sieht die grösste Wasserverschwendung in der Landwirtschaft - wegen schlechter Infrastruktur. Fast die Hälfte des Wassers verdunste, das vielerorts in offenen Kanälen über Felder transportiert werde.

Europa: 8050 Liter Wasser pro Tag

Zum täglichen Wasserverbrauch von 50 Litern, die ein durchschnittlicher Europäer zum Trinken, Waschen und für die Körperpflege brauche, kämen bis zu 8000 Liter hinzu, die wir «essen». Jede pflanzliche Kalorie koste in der Herstellung einen Liter Wasser, jede tierische das Zehnfache.

Mit besserer Infrastruktur könnte man schon viel tun. «Aber in keinem Fall dürfen wir in Ländern, die auf künstliche Bewässerung angewiesen sind, Bioethanol produzieren.»

Ein Problem sei, dass ein grosser Teil der Bauern für ihr Wasser nichts oder nur wenig zahlen müssten. In Südspanien zahlen die Bauern laut Brabeck nur drei Prozent der Summe, die die Haushalte bezahlen. In Italien würden viele Bauern ihr Wasser einfach hochpumpen, ohne zu bezahlen.

Er wolle nicht, dass ein Land seinen Bauern hohe Wasser-Preise verlange, betonte Brabeck. Das wäre ein klarer Wettbewerbsnachteil. «Wenn aber Wasser endlich einen Preis hätte, bestünde ein Anreiz zu sparen und in eine bessere Infrastruktur zu investieren.

Der Nestlé-Chef bejaht zwar, dass Wasser ein Menschenrecht sei, beschränkt die Menge jedoch auf 25 Liter pro Person und Tag. «Wer mehr will, muss dafür zahlen. Es gibt kein Menschenrecht auf einen vollen Swimmingpool.»

Leader im Mineralwassermarkt

Peter Brabecks Engagement für das Wasser kommt nicht von ungefähr. Die Nestlé Waters ist immerhin weltweite Leaderin im Mineralwassermarkt.

Verglichen mit dem Wasserbedarf der Landwirtschaft spiele das Mineralwasser in der Menge keine Rolle, betont Brabeck jedoch. «Wir haben in den letzten paar Jahren durch neue Technologien in der Landwirtschaft mehr Wasser gespart, als wir überhaupt in Flaschen abfüllen.»

(sda)

Deine Meinung