Erdnussmilch und Reisbrei: Nestlé kauft in China ein
Aktualisiert

Erdnussmilch und ReisbreiNestlé kauft in China ein

Nestlé expandiert im Reich der Mitte. Der Nahrungsmittelgigant hat den Wachstumsmarkt lange vernachlässigt.

von
Alex Hämmerli

Erdnussmilch und Reisbrei? Für Schweizer Geschmäcker klingen die Fertig-Lebensmittel der Yinlu Food Group merkwürdig. Die Chinesen aber lieben sie: Das Unternehmen ist über die vergangenen Jahre rasant gewachsen. 2010 hat Yinlu 750 Millionen Franken Umsatz generiert.

Nun kauft der Westschweizer Lebensmittelkonzern Nestlé 60 Prozent des chinesischen Familien-Unternehmens. Über den Preis will man in Vevey zwar keine Auskunft geben. Bei der Zürcher Kantonalbank rechnet man aber mit 0,9 bis 1,4 Milliarden Franken. «Wir hatten uns schon länger erhofft, dass Nestlé die Expansion in China vorantreibt», sagt Analyst Patrik Schwendimann. Denn verglichen mit anderen Schwellenländern sei Nestlé im Reich der Mitte noch untervertreten. Nestlé erzielte 2010 in China rund 2,8 Milliarden Franken Umsatz. «Das entspricht gerade mal 2,5 Prozent des Konzernumsatzes. In Brasilien sind es beispielsweise 6,3 Prozent, in Mexiko sind es 3,1 Prozent.» Schwendimann gibt freilich zu bedenken, dass es schwer ist, sich in chinesische Unternehmen einzukaufen: «Leckerbissen sind rar – und wenn sich eine Möglichkeit auftut, stürzt sich meist auch die Konkurrenz darauf.»

Laut Nestlé-Chef Paul Bulcke beweist der Einstieg bei Yinlu, dass der Konzern in China langfristig investieren und einheimische Marken weiterentwickeln will. Heute beschäftigt Nestlé in China 14 000 Angestellte in 23 Fabriken sowie zwei Forschungs- und Entwicklungszentren.

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