01.10.2015 21:34

Traditionsmarke

Nestlé möchte mit Cailler-Schoggi die Welt erobern

Cailler-Schoggi gab es bisher fast nur in der Schweiz. Nun möchte Nestlé auch Amerikaner, Briten, Deutsche und Chinesen für den Geschmack der Traditionsmarke begeistern.

von
K. Wolfensberger
1 / 11
Nestlé expandiert mit Cailler ins Ausland.

Nestlé expandiert mit Cailler ins Ausland.

Keystone/Jean-christophe Bott
Auch Ex-Miss-Schweiz Linda Fäh schmeckt die feine Schoggi (Archivbild).

Auch Ex-Miss-Schweiz Linda Fäh schmeckt die feine Schoggi (Archivbild).

Keystone/Jean-christophe Bott
An einem Event in Broc im Kanton Fribourg probierte sie 2010 ganz viel von der süssen Versuchung von Nestlé.

An einem Event in Broc im Kanton Fribourg probierte sie 2010 ganz viel von der süssen Versuchung von Nestlé.

Keystone/Jean-christophe Bott

Seit mehreren Jahren zirkulierte bei Nestlé intern die Idee, mit der Schoggi-Marke Cailler gross ins Ausland zu expandieren. Bisher wurden nur zwei Prozent der gesamten Produktion exportiert. Nun setzt der Nahrungsmittel-Multi mit Sitz in der Westschweiz seine Pläne in die Tat um. Seit gestern können Amerikaner, Engländer und Deutsche Cailler-Schokolade beim Online-Versandhändler Amazon kaufen. Ab dem 15. November wird Cailler dann auch durch Amazon in China erhältlich sein.

Nestlé-Mediensprecher Alexander Antonoff nennt 20 Minuten den Grund für die Expansion: «Es handelt sich um die grössten Süsswarenmärkte, in denen Premium-Kategorien sehr schnell wachsen.» Im Nestlé-Portfolio habe jedoch bisher eine internationale Premium-Schokolade noch gefehlt. Nun gibt es sie: Für knapp 25 US-Dollar können die Kunden eine Schachtel «Cailler Chocolate Signature Selection» mit 16 Pralines bei Amazon kaufen.

Ein mutiger Schritt

Dass Nestlé ausgerechnet jetzt den Schritt ins Ausland wagt, kommt eher überraschend. Wie die «Tribune de Genève» basierend auf Informationen des Verbands der Schweizer Schokoladenfabrikaten berichtet, hat die Schweiz derzeit mit sinkenden Schoggi-Exportzahlen zu kämpfen. Ein Zeichen dafür, dass die Geschäfte harzen, ist auch die vor drei Wochen verkündete Entlassung von bis zu 30 Personen bei der Migros-Tochter Chocolat Frey. Die Rohstoffpreise für Kakao oder Nüsse seien um bis zu 200 Prozent gestiegen, nannte Frey als Begründung für den Stellenabbau. Ausserdem erschwere der starke Franken das Exportgeschäft.

Branchenexperten bezeichnen Nestlés Schritt daher als mutig. Produziert werden soll auch die Exportschokolade ausschliesslich am Standort in Broc im Kanton Freiburg. «Im Moment reichen unsere Kapazitäten aus, um dort ausreichend Schokolade zu produzieren», sagt Sandra Martinez, Direktorin der Confiserie-Sparte von Nestlé, der «Tribune de Genève». Sollte die neue Exportstrategie von Erfolg gekrönt sein, werde man aber selbstverständlich die Eröffnung weiterer Produktionsstandorte im Ausland in Erwägung ziehen.

«Charlie and the Chocolate Factory»

Markenexperte Cary Steinmann, Professor an der ZHAW School of Management and Law, attestiert Cailler ein grosses Potenzial im Ausland. Er meint, dass sich erstens die mystische Fabrik in Broc gut für ein starkes Marketing eignen würde. Sie sei wunderschön und erinnere an den Film «Charlie and the Chocolate Factory», Amerikaner und Asiaten lieben so etwas. Zweitens stimme die Qualität der Schokolade, und Nestlé als Konzern verfüge über das notwendige Know-how, um eine Auslandsexpansion voranzutreiben. Drittens sei gut, dass Nestlé für den ausländischen Markt besondere, hochklassige Cailler-Produkte entwickelt habe.

Das Nelly-Wenger-Fiasko

Im Jahr 2006 versuchte Nestlé der Marke Cailler in der Schweiz mehr Dynamik zu verleihen. Dazu heuerte der Konzern Nelly Wenger, die Ex-Chefin der Landesausstellung Expo02, an. Ein von ihr konzipierter Relaunch von Cailler floppte allerdings total. Die Preise waren zu hoch, die neuen Verpackungen gefielen den Kunden nicht. Nestlé setzte fast 25 Millionen Franken in den Sand. (kwo).

Fehler gefunden?Jetzt melden.