Aktualisiert 07.05.2020 20:30

Good NewsNestlé schenkt Gastrobranche 1 Million Franken

Nestlé unterstützt Schweizer Gastrobetriebe mit 1 Million Franken. Bestehende Kunden können nächste Woche Produkte und Dienstleistungen teils kostenlos beziehen.

von
Raphael Knecht
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Mit kostenlosen Produkten und Dienstleistungen will Nestlé die Schweizer Gastrounternehmer unterstützen.

Mit kostenlosen Produkten und Dienstleistungen will Nestlé die Schweizer Gastrounternehmer unterstützen.

KEYSTONE
1 Million Franken will der Konzern rund 5000 bestehenden Kunden zur Verfügung stellen.

1 Million Franken will der Konzern rund 5000 bestehenden Kunden zur Verfügung stellen.

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Pro Unternehmen wären das 200 Franken – wobei noch nicht klar ist, wie genau die Hilfsmittel verteilt werden.

Pro Unternehmen wären das 200 Franken – wobei noch nicht klar ist, wie genau die Hilfsmittel verteilt werden.

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Darum gehts

  • Gastrobetriebe bekommen Unterstützung von Nestlé.
  • Die Firma will die Branche mit bis zu 1 Million Franken unterstützen.
  • Bestehende Kunden sollen kostenlos Produkte und Dienstleistungen beziehen können.
  • In der Branche ist die Geste sehr willkommen.

Nestlé will die Schweizer Gastrobetriebe bei der Wiedereröffnung unterstützen: Im Rahmen der neuen Initiative «Always open for you» leistet der Konzern ab nächster Woche Hilfe für 5000 Schweizer Gastronomieunternehmen im Gesamtwert von 1 Million Franken.

Cafés, Hotels und Restaurants, die bereits Kunden des Konzerns sind, sollen etwa kostenlos dessen Produkte beziehen können – zudem will Nestlé im Rahmen der Initiative die Zahlungsfristen verlängern und Mietgebühren vorübergehend aussetzen, wie 20 Minuten exklusiv vom Unternehmen weiss.

ENTSCHEID VOM BUND

Restaurants öffnen am 11. Mai

Ende April hat der Bund entschieden, dass Restaurants am 11. Mai wieder öffnen dürfen. Das hatte Gastro Suisse gefordert – der Arbeitgeberverband war bis dahin aber davon ausgegangen, dass es erst im Juni so weit sein würde. Der Verband hat daraufhin ein Sicherheitskonzept ausgearbeitet und dieses dem Staatssekretariat für Wirtschaft vorgelegt. Am Dienstag präsentierte er das Konzept dann der Öffentlichkeit und den Betrieben selbst. Das sind die Massnahmen:

  • Maximal 4 Personen pro Tisch.
  • Gäste sollen Hände beim Eintreten waschen und desinfizieren können.
  • Von jedem Gast werden Vor-, Nachname, Telefonnummer, Besuchsdatum und -zeit und Tischnummer erfasst (diese Daten werden nach 14 Tagen vollständig vernichtet).
  • Stehplätze sind nicht zugelassen.
  • Gästegruppen dürfen sich nicht vermischen.
  • Zwischen Gästegruppen gelten 2 Meter Abstand, es sei denn es gibt eine Trennwand.
  • Im Service ist ein Abstand von 2 Meter empfohlen.
  • Masken sind im Service empfohlen, wenn der Abstand auch nur kurz unterschritten wird.

Willkommene Hilfe

Dass der Konzern den angeschlagenen Firmen helfen will, findet Branchenkenner Peter Herzog von HC Hospitality Consulting löblich: «Das ist sehr ehrenwert, denn Nestlé müsste eigentlich gar nichts tun.» In dieser «Superkrise» sei jede Hilfe willkommen.

«Wichtig ist, dass das nicht plötzlich an irgendwelche Konditionen gekoppelt wird», gibt Herzog zu bedenken. Nestlé-Sprecherin Inge Gratzer sagt dazu: «Die Unterstützung ist kostenlos und es wird keine Gegenleistung verlangt.» Man biete die Hilfe auch nur bestehenden Kunden an – es gehe also nicht darum, neue Kunden anzuwerben.

200 Franken pro Betrieb

Allerdings stellt sich die Frage nach der Verteilung der geplanten Hilfsmittel: Teilt man 1 Million Franken auf 5000 Betriebe, bleiben pro Unternehmen grad mal 200 Franken. Wie genau die Mittel verteilt werden sollen, ist aber noch nicht ganz klar. Bei Nestlé heisst es, man werde die Hilfe an die jeweilige Situation des Kunden anpassen.

Innerhalb der Branche hofft man, dass Nestlé differenziert vorgeht. «Der Konzern muss Kriterien definieren und entscheiden, welche Betriebe mehr oder weniger Hilfe erhalten», so Experte Herzog. Sonst wirke die Unterstützung eher wie ein Tropfen auf einen heissen Stein.

«Gut fürs Image»

Will der Konzern sich mit der Aktion einfach selbst feiern und die Krise für eine Image-Kampagne nutzen? Herzog bezweifelt, dass es dem Unternehmen in erster Linie um Eigenwerbung geht: «Das würde ich Nestlé nicht unterstellen – aber dass so eine Initiative für das Image des Unternehmens nicht schlecht ist, ist auch klar.»

Etwas weniger beeindruckt von der Aktion ist Oliver Classen, Sprecher von Public Eye: «Das ist ein opportunistischer PR-Stunt eines besonders kontroversen Konzerns.» Und er fügt an, Nestlé könne diese Solidaritätsgeste eh aus der Portokasse bezahlen.

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102 Kommentare
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Martial2

12.05.2020, 00:20

Als Aktionären von Nestlé unterstützen wir dieser Konzern voll und ganz. Seit über 70 Jahren nur hervorragenden Erzeugnisse wurden produziert zum Wohl der Menschheit!!

Nestlehater

11.05.2020, 20:35

nestle ist eine der frimen welche die schweiz im ausland negativ vertritt und menschen rechte mit füssen tritt, ich kaufe seit jahren keine nestle produkte. wer da kauft unterstützt ausbeutung

Jojo

10.05.2020, 11:39

Das tönt toll, ist es aber nicht. Nestle ist in der Gastronomie wohl der grösste Lieferant. Wenn also Jedes 4. Restaurant dicht macht, trifft das Nestle spürbar. Die Million ist also kein sozialer Akt von Nestle sondern lediglich eine Investition.