Nestlé unter Verdacht
Aktualisiert

Nestlé unter Verdacht

In Deutschland ermittelt das Kartellamt wegen illegaler Preisabsprachen gegen mehrere Schokoladenproduzenten, darunter auch die Schweizer Nestlé.

Das deutsche Kartellamt untersucht die Süsswarenbranche. Mehrere Hersteller stehen im Verdacht, illegale Preisabsprachen getroffen zu haben. Betroffen ist auch Nestlé. Keine Beanstandungen gibt es bisher gegenüber Lindt & Sprüngli.

Bereits am vergangenen Donnerstag hätten Fahnder die Geschäftsräume von sieben grossen Unternehmen der Branche durchsucht, berichtet die «Financial Times Deutschland» in ihrer Ausgabe vom Montag. Der Fokus habe auf Herstellern von Schokoladenprodukten gelegen. Ein Kartellamtssprecher bestätigt entsprechende Informationen.

Nestlé betroffen

Betroffen waren dem Bericht zufolge unter anderem Milka-Hersteller Kraft Foods, der Schokoriegelspezialist Mars, Kitkat-Produzent Nestlé sowie das Familienunternehmen Ritter. Weitere Unternehmen erhielten am Freitag Schreiben vom Kartellamt, dass Ermittlungen gegen sie laufen.

Nestlé-Sprecher François-Xavier Perroud bestätigte am Montag auf Anfrage, dass am Donnerstag Beamte des Kartellamts Nestlé in Deutschland besucht hätten. Keine Beanstandung ist bisher bei Lindt & Sprüngli eingetroffen, wie Unternehmenssprecherin Silvia Kälin am Montag auf Anfrage erklärte.

Hintergrund der Untersuchung in Deutschland ist der starke Anstieg der Süsswarenpreise in den vergangenen Wochen. Dabei hatten mehrere Unternehmen fast zeitgleich angekündigt, ihre Preise anheben zu wollen.

Die Preiserhöhungen wurden mit stark gestiegenen Rohstoffkosten begründet. Süsswarenhersteller bezahlen heute für Milch, Kakao oder Nüsse deutlich mehr als noch vor einem Jahr.

Preiserhöhungen

Nach Branchenschätzungen lagen die Preiserhöhungen im Schnitt bei zehn bis zwölf Prozent. Lindt & Sprüngli habe die Preise weltweit im Durchschnitt um 6 bis 10 Prozent erhöht, sagte die Sprecherin. Angaben zu den Preiserhöhungen in Deutschland konnte sie keine machen. Deutschland sei für Lindt & Sprüngli der wichtigste europäische Markt.

Kommt es zu einem Kartellverfahren, drohen den betroffenen Firmen hohe Strafen. Die Busse beträgt maximal zehn Prozent des Jahresumsatzes. Zusätzlich kann das Kartellamt noch den so genannten wirtschaftlichen Vorteil abschöpfen, den ein Unternehmen durch seine Kartellverstösse erlangt hat. Schlimmer ist aber der Imageverlust für die betroffenen Konzerne.

(sda)

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