23.12.2018 20:52

SubventionenNestlé verkauft EU-Milchpulver in Afrika

Nestlés Milchpulver Nido ist in Westafrika ein Bestseller. Die Milch dafür stammt aus Europa und ist subventioniert.

von
Isabel Strassheim

Von der Werbung bis zum Abfall: Wie Nestlé in Westafrika das Strassenbild prägt.

Mit seinem Milchpulver Nido besetzt Nestlé ganze Regale in kleinen Lebensmittelläden im westafrikanischen Burkina Faso. Neben Nescafé und Maggi gehört es dort zu den Bestsellern. Es ist mit Vitaminen und Mineralien angereichert und für Afrika praktisch, weil es im Gegensatz zu Frischmilch ohne Kühlung auskommt.

Verpackt wird Nido zwar teilweise in Westafrika, Nestlé hat dort insgesamt neun Fabriken mit über 5200 Mitarbeitern. Die Milch dafür kommt jedoch nicht aus Burkina Faso oder aus der Region. «Das Milchpulver kommt aber zum Teil aus Europa», sagt die Nestlé-Sprecherin für Zentral- und Westafrika, Marie Chantal Messier, zu 20 Minuten. Das aber ist für Afrikas Kleinbauern und den lokalen Markt ein Problem.

Subventionen auch für Exporte

Nestlés erklärtes Ziel ist es zwar, überall auf der Welt lokale Rohstoffe zu verwenden. Aber die Qualität und auch die Menge müssten stimmen. Beim in Zentral- und Westafrika verkauften Maggi gehe das, über die Hälfte der Zutaten würden von dort bezogen. Bei Milchpulver klappe das jedoch nicht, denn in Westafrika gebe es zurzeit keine kommerzielle Milchproduktion, sagt Messier.

Die Milch aus Europa ist subventioniert. Trotzdem ist Nestlés Nido in Afrika kein Dumpingprodukt, wie das bei anderen Milchpulver-Importen oder auch bei Tomaten aus Europa der Fall ist. Nestlé ist ein Markenkonzern und Nido-Milchpulver ist teurer als die Milch von den Kühen in Burkina Faso. «Nestlé Milchprodukte sind in der Region Premiumprodukte», sagt Messier. Eine Konkurrenz für die Kleinbauern sei der Konzern deshalb nicht.

Lokale Milch mit schlechtem Image

Die Kleinbauern leiden aber trotzdem darunter, denn die Konsumenten ziehen das importierte Pulver der lokalen Milch vor und sind auch bereit, dafür mehr Geld auszugeben. Um das zu ändern, gibt es regelmässig staatliche Kampagnen für heimische Milch, denn deren Menge und Qualität steigt, auch weil Hilfsorganisationen die Produktion der kleinen Milchbauern verbessern. Burkina Faso gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. In dem Land in der Sahelzone hat sich in diesem Jahr der Hunger wegen Regenmangels, Konflikten und hohen Lebensmittelpreisen stark ausgeweitet, wie das UNO-Kinderhilfswerk Unicef berichtet. Dennoch gibt es gerade im Süden des Landes viel fruchtbares Land.

«Das Image unserer Milch ist nach wie vor schlecht», sagte Adama Ibrahim Diallo von der Organisation der kleinen Molkereien in Burkina in einem Interview zum Tag der lokalen Milch Ende Oktober. «Gerade in armen Ländern wird Milchpulver sehr offensiv als gesünder und hygienischer vermarktet», kritisiert Tina Goethe von Brot für Alle.

Wasser fürs Milchpulver

Dabei gibt es beim Milchpulver einen Haken: Es muss mit Wasser angerührt werden. Das ist in Burkina Faso oft nicht sauber. Auch bei Babymilchpulver ist dieses Problem bekannt.

«Milchpulver kann wohl ein praktischer Ersatz sein. Die Frage des Zugangs zu sauberem Wasser stellt sich aber in jedem Fall und ist ein grosses Problem», sagt Eva Schmassmann von der entwicklungspolitischen Organisation Alliance Sud.

«Auf unseren Verpackungen für Milchpulverprodukte machen wir deutlich, dass abgekochtes Wasser verwendet werden soll», sagt Nestle-Sprecherin Messier. Ausserdem unterstütze der Konzern Projekte des Internationalen Roten Kreuzes für Wasserversorgung und Hygiene.

Milchpulver ist ausserdem ein Thema in der Schweizer Entwicklungszusammenarbeit. Die Schweiz leistet pro Jahr Nahrungsmittelhilfe in Form von Milchprodukten im Umfang von 20 Mio Franken. Dabei wird Trockenmilch aus der Schweiz zugunsten des Welternährungsprogramms der UNO eingekauft, so Alliance Sud. Solche Formen «gebundener Hilfe» sind verpönt. Sinnvoller wäre es, lokale oder regionale Anbieter aus Entwicklungsländern zu bevorzugen und dadurch lokale Absatzmärkte zu schaffen. ISH

Milchpulver ist ausserdem ein Thema in der Schweizer Entwicklungszusammenarbeit. Die Schweiz leistet pro Jahr Nahrungsmittelhilfe in Form von Milchprodukten im Umfang von 20 Mio Franken. Dabei wird Trockenmilch aus der Schweiz zugunsten des Welternährungsprogramms der UNO eingekauft, so Alliance Sud. Solche Formen «gebundener Hilfe» sind verpönt. Sinnvoller wäre es, lokale oder regionale Anbieter aus Entwicklungsländern zu bevorzugen und dadurch lokale Absatzmärkte zu schaffen. ISH

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