330 Franken Corona-Prämie: Nestlé zahlt Mitarbeitern Bonus, wenn sie sich testen lassen
Publiziert

330 Franken Corona-PrämieNestlé zahlt Mitarbeitern Bonus, wenn sie sich testen lassen

Die Nestlé-Angestellten sollen getestet werden. Wer sich weigert, bekommt keinen Corona-Bonus. Mitarbeiter sind sauer.

von
Fabian Pöschl
1 / 8
Nestlé will seine Angestellten zum Corona-Test in der hauseigenen Anlage schicken.

Nestlé will seine Angestellten zum Corona-Test in der hauseigenen Anlage schicken.

REUTERS
Von der Nestlé-Fabrik in Wangen ging ein Brief an die Mitarbeitenden, in dem es hiess, dass das Unternehmen monatliche Corona-Sonderprämien zahlt – aber nur für Test-Willige.

Von der Nestlé-Fabrik in Wangen ging ein Brief an die Mitarbeitenden, in dem es hiess, dass das Unternehmen monatliche Corona-Sonderprämien zahlt – aber nur für Test-Willige.

zVg
Ein News-Scout hält das für «Erpressung».

Ein News-Scout hält das für «Erpressung».

20min/Marco Zangger

Darum gehts

  • Nestlé will seine Mitarbeitenden auf Covid testen.

  • Wer sich in der Nestlé-Fabrik in Wangen testen lässt, bekommt einen Corona-Bonus.

  • Ein News-Scout findet, das sei «Erpressung».

  • Das Gesetz gibt Nestlé recht.

Wenn das Corona-Virus in einer Firma wütet, drohen Massenerkrankungen und das Produktionsaus. Chefs möchten das um jeden Preis verhindern. Auch Nestlé schreibt in einem Brief an die Angestellten einer Fabrik in Wangen (SO), der 20 Minuten vorliegt, dass testen nun wichtiger denn je sei.

Deshalb lockt Nestlé die Mitarbeitenden an allen Standorten zum regelmässigen PCR-Test mittels Rachen- oder Nasenabstrich in die hauseigenen Testanlagen. Das Angebot ist laut dem Nahrungsmittelkonzern kostenlos und freiwillig.

Doch die Angestellten des Werks in Wangen fühlten sich zum Testen gedrängt. Denn wenn sie den Test verweigerten, bekamen sie keine Corona-Prämie, wie es in dem Brief an die Mitarbeiter heisst. Ein News-Scout hält das für Erpressung. «Die Mitarbeiter werden mit Geld dazu genötigt, sich testen zu lassen. Wer es nicht tut, erhält kein Geld», so der News-Scout. Gesprächsangebote von der Firma habe es keine gegeben.

Nestlé korrigiert «Fehler»

Nestlé beschwichtigt gegenüber 20 Minuten. Richtig sei, dass die Firma ausschliesslich für die Mitarbeitenden in den Fabriken seit Ende November eine Corona-Prämie in Höhe von 330 Franken zahlt – und zwar jeden Monat. Damit wolle Nestlé das Engagement, die Flexibilität und die Anpassungsfähigkeit unter den besonderen Umständen anerkennen.

Die Corona-Prämie sei auf keinen Fall mit Covid-Tests verbunden. Nestlé habe jetzt deshalb umgehend die nötigen Massnahmen ergriffen. Ob es ein Alleingang des Managements in Wangen war, ist nicht klar. Die Sprecherin wollte dazu wie auch zu den ergriffenen Massnahmen keine Angaben machen. Das Vorgehen in Wangen entspreche aber «ganz klar nicht unseren Richtlinien».

Aus rechtlicher Sicht wäre laut Konrad Moor von Bürgi Nägeli Rechtsanwälte nichts gegen eine Prämie fürs Testen einzuwenden. «Wenn der Arbeitgeber die Prämie anbietet, behandelt er alle gleich und lässt ihnen die freie Wahl», so Moor. Allerdings kann eine Firma ihre Angestellten nicht dazu zwingen, dass sie sich einem Corona-Test unterziehen. Das ist nur in Ausnahmefällen möglich (siehe Box).

Grundsätzlich freiwilliges Testen

Die Teilnahme an Testungen ist grundsätzlich freiwillig. Der Arbeitgeber ist nur innerhalb der Grenzen des zwingenden Rechts berechtigt, seine Arbeitnehmer testen zu lassen. Das zwingende Recht umfasst zum Beispiel den Schutz der Persönlichkeit des Arbeitnehmers und den Datenschutz. Die Testung muss sich mit Gründen rechtfertigen lassen, die sich auf die Arbeitsleistung oder den Schutz anderer Mitarbeiter oder Dritter (Kunden, Patienten) beziehen. Zu berücksichtigen sind dabei die gesamten Umstände, so etwa die epidemiologische Lage und die Möglichkeit und Verfügbarkeit anderer Schutzmassnahmen.

Hast du oder jemand, den du kennst, Mühe mit der Coronazeit?

Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Tel. 147

Deine Meinung

612 Kommentare