Das grosse Fressen: Nestlés fette Gewinne mit Hund und Katz

Aktualisiert

Das grosse FressenNestlés fette Gewinne mit Hund und Katz

Der Nahrungsmittelmulti Nestlé ist Weltmarktführer im Milliardengeschäft mit Hunde- und Katzenfutter. Die Gewinne sind fett, 2012 erzielten Tierprodukte eine Marge von 20 Prozent.

«Good Food, Good Life»: Der Slogan des Schweizer Lebensmittelriesen Nestlé gilt nicht mehr nur für Menschen. Je länger, je mehr gehört Tiernahrung zu den wichtigsten Geschäftsbereichen des Konzerns. Mittlerweile wird schon fast jeder achte Franken mit Futter für Vierbeiner umgesetzt.

Tiernahrung gehört heute zu den profitabelsten Bereichen von Nestlé und treibt das Wachstum an. Das Unternehmen ist im Milliardengeschäft mit Hunde- und Katzennahrung Weltmarktführer. Laufend werden auf der ganzen Welt neue Fabriken gebaut und neue Märkte erschlossen.

Die Gründe für die Expansion des Geschäftsfeldes sind vielseitig, wie ZKB-Analyst Patrik Schwendimann auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA erklärt. «Tierfutter ist relativ krisenresistent.» Die Haushalte sparten bei Hunde- und Katzenfutter weniger als bei normalen Nahrungsmitteln. Haustiere genössen in einem Haushalt in der Regel einen hohen emotionalen Stellenwert. Wenn Hunde und Katzen immer mehr wie Menschen behandelt werden, freut sich die Futterindustrie. Statt Fleischabfälle kommt teures Essen in den Napf.

Qualität gefragt

Laut dem Analysten sind auch gesellschaftliche Entwicklungen für das Wachstum bei den Heimtierprodukten verantwortlich. Im mit Abstand wichtigsten Markt USA sei die Anzahl Haustiere immer noch am Steigen, und gleichzeitig gehe der Trend weiter zu höherwertigerer Heimtiernahrung.

Hinzu komme das beträchtliche langfristige Wachstumspotenzial in den Schwellenländern. Deshalb geht Schwendimann auch für die kommenden Jahre von einem überdurchschnittlichen Umsatzwachstum und einer überdurchschnittlichen Gewinnmarge aus.

Hohe Margen

Und dies will einiges heissen. Gemäss Jahresbericht 2012 machte der Nestlé-Konzern im vergangenen Jahr 10,8 Mrd. Fr. Umsatz mit Produkten für Heimtiere. Gemessen am Gesamtumsatz des Konzerns (2012: 92,2 Mrd. Fr.), gewinnt das Geschäft seit Jahren an Bedeutung.

Der Geschäftsbereich setzt nicht nur viel um, sondern verdient auch überdurchschnittlich viel Geld. Im vergangenen Jahr erzielten Tierprodukte eine Marge von 20 Prozent - Tendenz steigend.

Sowohl das Volumen als auch die Marktanteile nahmen 2012 in allen Regionen zu - dank Produktionserweiterungen und Neueinführungen. In Nord- und Südamerika sind die Tierprodukte für über ein Viertel des Umsatzes verantwortlich. In Europa ist der Geschäftszweig für 18 Prozent des Umsatzes verantwortlich.

Viel vorhandenes Potenzial

Insgesamt erzielt Nestlé über zwei Drittel des Heimtiernahrungsumsatzes in Amerika und einen Viertel in Europa. Anders in Asien, Ozeanien und Afrika. Dort bringt das Geschäft mit den Vierbeinern erst knapp 4 Prozent des gesamten Umsatzes ein.

Doch sei bei den Schwellenländern ein besonders grosses Wachstumspotenzial vorhanden, sagt Schwendimann. «Mit dem zunehmenden Wohlstand in diesen Regionen steigen grundsätzlich auch die Absatzmöglichkeiten für Tierfutter.»

Entscheidende Übernahme

Bei Nestlé folgte der Einstieg ins interessante Heimtiernahrungsgeschäft 1985 durch eine Übernahme. Zum amerikanischen Marktführer Mars aufgestiegen ist der Konzern schliesslich durch die Übernahme des US-Tiernahrungskonzerns Ralston Purina im Jahr 2001, eine der grössten Übernahmen in der Geschichte von Nestlé.

Mit gezielten Akquisitionen wurde danach das Haustierfuttergeschäft in neue Regionen ausgeweitet. Nestlé produziert heute in weltweit 48 Fabriken in Nordamerika, Lateinamerika, Europa, Asien und Afrika Tierfutter für Katzen und Hunde. Der Konzern beschäftigt in diesem Geschäftsbereich rund 19'000 Angestellte (davon rund 6000 in Europa).

Neben Friskies landet etwa Futter der Marken Beneful oder ONE in so manch einem Napf. In der Schweiz sind beispielsweise auch Produkte der Nestlé-Marken Matzinger und Felix bekannt.

Tierische Werbespots und Projekte

Und dies soll auch so bleiben. Um an neue Kunden heranzukommen, scheut das Unternehmen keine Mittel und Innovationen. So wurde vor knapp zwei Jahren in Österreich der weltweit erste für Hunde konzipierte Werbespot lanciert.

Des Menschen bester Freund wurde mit einem Hundepfiff ähnlichen Ton vor den Fernseher zum TV-Spot gelockt, der ihm das neueste Produkt der Nestlé-Hundefuttermarke Purina schmackhaft machen sollte.

«Schlankes Haustier»

Neue Wege ging das Unternehmen auch im vergangenen Juni mit der Übernahme der Tiervermittlungswebsite Petfinder. Es war dies die erste Investition des Konzerns in Online-Inhalte. Petfinder ist die älteste und grösste Webseite für die Vermittlung von Haustieren und wird jährlich von mehr als 100 Millionen Tierliebhabern besucht.

Laut Schwendimann verstärkt Nestlé mit diesem Schritt vor allem die Kundennähe. Darüber hinaus will Nestlé mit Projekten wie «Schlankes Haustier» dazu beitragen, Haustiere in die Gesundheits- und Wellnessaktivitäten ihrer Halter einzubeziehen. (sda)

Deine Meinung