Nuklearsicherheit: Netanjahu kneift am Atom-Gipfel
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NuklearsicherheitNetanjahu kneift am Atom-Gipfel

Aus Furcht vor unangenehmen Fragen zu Israels Atomwaffen, deren Besitz das Land nie bestätigt hat, sagte Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu seine Teilnahme am Atom-Gipfel ab.

Grund für die Entscheidung sei, dass einige Teilnehmerstaaten das Treffen kommende Woche in den USA für Kritik am israelischen Atomprogramm nutzen wollten, verlautete am frühen Freitagmorgen aus Netanjahus Büro. Ägypten und die Türkei wollten Israel dort auffordern, den Atomwaffensperrvertrag zu unterschreiben, sagte ein hochrangige Regierungsvertreter, der namentlich nicht genannt werden wollte, am Freitag. Allgemein wird davon ausgegangen, dass Israel Atomwaffen besitzt. Das Land selbst hat dies jedoch nie offiziell bestätigt oder dementiert. Nach Ansicht internationaler Experten verfügt Israel aber über Dutzende, möglicherweise Hunderte Atombomben.

Ein Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats der USA, Mike Hammer, bestätigte in Washington Netanjahus Absage. Stattdessen werde dessen Stellvertreter Dan Meridor an der Konferenz teilnehmen. Netanjahu hatte erst am Mittwoch angekündigt, er wolle an dem Treffen am Montag und Dienstag kommender Woche teilnehmen, um vor den Gefahren des Nuklearterrorismus zu warnen.

Auf Einladung von US-Präsident Barack Obama treffen sich kommende Woche rund 50 Staats- und Regierungschefs in Washington. Ziel ist eine Vereinbarung darüber, dass die Länder gefährliches Atommaterial in Militär- und Forschungseinrichtungen sowie in der Medizin so schützen, dass es Terroristen nicht in die Hände fallen kann.

Der Atomwaffensperrvertrag (Non-Proliferation Treaty), der die Verbreitung von Nuklearwaffen verbietet, wurde bisher von knapp 190 Staaten unterzeichnet, nur nicht von den inoffiziellen Atomstaaten Israel, Indien, Nordkorea und Pakistan.

Das Verhältnis zwischen Israel und den USA hat sich in den vergangenen Monaten stark abgekühlt. Netanjahu hatte sich Mitte März in Washington mit Obama getroffen. Dabei gaben sich die Politiker weder vor laufender Kamera die Hand, noch gab es eine gemeinsame Abschlusserklärung. Israelische Beobachter sprachen von einer Demütigung ihres Regierungschefs. (sda)

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